Der Novartis Campus, die Erneuerung des Firmengeländes seit 2004, gilt als Juwel der Architektur. Doch die Aussichten für das Novartis-Prunkstück sind getrübt. Dies erfährt Basel über die Zürcher «Handelszeitung». «Wir müssen sehr genau hinschauen, wie rasch wir den Campus weiterbauen», sagt CEO Joe Jimenez (51) in einem Interview von dieser Woche.

Der Amerikaner gibt den Tarif durch: «Es geht nicht an, dass sich die Ausgaben für den Campus in einem bestimmten Jahr wegen schon aufgelegter Projekte verdreifachen.» Es gelte die Ausgaben über mehrere Jahre zu «glätten».

Das sind neue Worte im Umfeld des weltweit beachteten Firmengeländes. Von 2004 bis 2014 werden insgesamt 2,2 Milliarden Franken verbaut. Insgesamt 18 Labor- und Verwaltungsgebäude von Stararchitekten wie Frank Gehry bis Herzog & de Meuron sollen bis dann für ein gutes Forschungsklima am Konzernsitz sorgen. So wollte es Konzernlenker Daniel Vasella (58), der seinen Campus enthusiastisch vorantrieb.

Jimenez, sein Nachfolger als CEO, sieht den Campus angesichts von Finanz- und Wirtschaftskrise viel nüchterner. Immerhin betont er: «Wir brechen keine Projekte ab, bei denen der Bau schon begonnen hat. Aber wir müssen sie staffeln.» Auf die Frage, ob er den Campus heute noch nach den bisherigen Dimensionen für 13000 Angestellte im Jahr 2030 bauen würde, bejaht Jimenez dies und ergänzt: «Aber wenn die Attraktivität der Schweiz abnimmt und es für uns schwer würde, Novartis von der Schweiz aus zu führen, dann würde ich die Frage in Zukunft vielleicht mit einem Nein beantworten.»

Tatsache ist, dass sich die Pharmamärkte in Schwellenländern Asiens oder Südamerikas stärker entwickeln. Novartis baut seinen Campus in Schanghai seit 2009 für eine Milliarde Franken aus.
Beim Basler Bau- und Verkehrsdepartement weiss man noch nichts von der Kursänderung. Der zuständige Campus-Verantwortliche Thomas Waltert, Gesamtkoordinator Basel Nord, ist aber nicht erstaunt. Angesichts der Finanz-und Wirtschaftssituation habe sich die Frage schon längere Zeit gestellt, in welchem Tempo der Konzern den Campus ab 2015 bis 2030 weiterentwickeln wolle. «Jetzt wird sich zeigen», sagt Waltert, «ob Novartis die nächste Planungs- und Bauphase wieder mit einem Gesamtkredit oder über die Finanzierung gestaffelter Einzelbauten in den Jahren ab 2015 angehen will.»

Waltert bleibt zuversichtlich: «Wir haben keine Sorgen um die Zukunft des Novartis Campus.» Doch Jimenez hat den Spargang eingelegt. Details gibt die Novartis-Kommunikationsabteilung keine bekannt. «Langzeit-Anpassungen des Campus-Projektes sind möglich, aber aktuell gibt es dazu keine Entscheidungen, die wir mitteilen können», erhielt «Der Sonntag» zur Antwort.
Die geplanten Hochhäuser der Stararchitekten Jean Nouvel und Renzo Piano im Norden des Areals, die 2009 vorläufig zurückgestellt wurden, sind offenbar immer noch im Campus vorgesehen. Eine «unmittelbare Realisierung» der Hochhäuser im Norden stehe aber nicht bevor, heisst es bei Novartis.

In diesem Monat werden die Laborgebäude der beiden portugiesischen Architekten Eduardo Souto de Moura und Alvaro Siza offiziell eröffnet. Zudem ist die Planung für ein Hochhaus des Bas-
ler Büros Herzog & de Meuron als Eckgebäude im Süden des Areals bereits weit fortgeschritten. Dieses Gebäude ist schon darum einzigartig, weil es öffentlich zugänglich ist: dank einem Restaurant im Erdgeschoss.