Coronavirus

Nur «dringende» Behandlungen? Hausärzte in beiden Basel lassen wieder mehr Patienten zu sich

Hausärzte in beiden Basel wollen trotz Corona wieder mehr Patienten direkt in ihrer Praxis untersuchen. (Symbolbild 20. März 2020)

Hausärzte in beiden Basel wollen trotz Corona wieder mehr Patienten direkt in ihrer Praxis untersuchen. (Symbolbild 20. März 2020)

Es gilt weiter das Verbot des Bundesrats, nicht dringende Behandlungen in Arztpraxen oder Spitälern vorzunehmen. Doch Hausärzte getrauen sich immer mehr, wieder Patienten direkt zu empfangen, wie ein Beispiel aus Birsfelden zeigt. Dies nicht zuletzt, um Folgeschäden zu verhindern.

Unklare Formulierungen sind ärgerlich. Gefährlich kann es aber werden, wenn es um medizinische Behandlungen geht. «Wann ist eine Untersuchung dringend? Definiert das der Arzt oder der Patient?», fragt sich Leo Kilian, seit der Bundesrat am 13. März die «Verordnung 2 über Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus» erlassen und «nicht dringend angezeigte medizinische Untersuchungen, Behandlungen und Therapien» verboten hat. Natürlich kennt der Birsfelder Hausarzt Absatz 3 des Artikels 10 a, wonach Eingriffe nicht dringend sind, die «zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden können, ohne dass bei der betroffenen Person Nachteile zu erwarten sind, die über geringe physische und psychische Beschwerden und Beeinträchtigungen hinausgehen».

Für Kilian eine unzureichende Definition – und ein Dilemma für alle Hausärzte, aber auch Spitäler und Spezialisten. «Es mehren sich Patienten, deren Behandlung wegen der Verordnung aufgeschoben wurde und die nun mehr Schmerzen haben», erzählt er der bz. Zusammen mit seinem Praxispartner Xaver Huber verfasste er deshalb vergangene Woche für die Schweizerische Ärztezeitung einen Artikel, in dem er die Herausforderungen der Coronakrise aus hausärztlicher Sicht beschreibt. Etwa jene der Telefonkonsultationen: «Die am Telefon milde geschilderten Symptome können in Wahrheit relevanter sein. Hier fehlt das klinische Bild für eine adäquate Beurteilung.» Auch seien nun Risikopatienten von einer Unterversorgung bedroht, da sie sich weniger meldeten.

Auch das Kantonsspital könnte Eingriffe ausweiten

Kilian und Huber entschieden sich dazu zu handeln. «Wir haben unsere Handhabung angepasst. Waren wir anfangs restriktiver, weisen wir nun Patienten nicht mehr ab, wenn sie das Bedürfnis haben, zu uns in die Praxis zu kommen», so Kilian zur bz. Schliesslich halte man die Hygienevorschriften ein und reduziere den direkten Patientenkontakt auf das Nötigste.

Und die Birsfelder sind nicht allein. Wie Stefan Kradolfer, Präsident der Hausärztevereinigung beider Basel, sagt, würden dies immer mehr Kollegen in beiden Kantonen tun, und die Vereinigung unterstütze dies. Dazu passt, dass der Baselbieter Krisenstab zusammen mit der Ärztegesellschaft Baselland just gestern einen Appell an die Bevölkerung richtete, «dass Personen mit Erkrankungen oder Verletzungen weiterhin die Arztpraxen oder die Notfallstationen der Spitäler aufsuchen sollen».

Kilian hofft aber auch auf eine Anpassung der bundesrätlichen Verordnung. «Es wäre sinnvoll, wenn auch wieder reguläre Therapiekontrollen möglich wären. Nicht bei gesunden 40-Jährigen, aber bei chronisch Kranken.» Und auch für Therapeuten macht er sich stark, etwa Physiotherapeuten, die Parkinson-Patienten behandeln müssten.

Momentan abwartend verhält sich das Kantonsspital Baselland (KSBL). Eine Lockerung der Verordnung fordert man nicht. Aber Sprecherin Anita Kuoni hält fest: «Grundsätzlich hätten wir Kapazitäten im System, um die Eingriffspalette etwas auszuweiten.» Krisenstab-Sprecher Rolf Wirz warnt allerdings vor einer vorschnellen Lockerung: «Wir gehen im Moment eher nicht davon aus, dass die Spitze der Corona-Infizierungen bereits überschritten worden ist.»

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