Parkraumbewirtschaftung
Parkdruck nimmt überhand: Auch Allschwil schafft die weisse Zone zu Gunsten einer Parkraumbewirtschaftung ab

Auch die letzte Gemeinde mit Gratisparkplätzen in Basels Speckgürtel führt eine Parkraumbewirtschaftung ein: 59,5 Prozent der Allschwiler Stimmberechtigten sprachen sich gestern dafür aus.

Tomasz Sikora
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Gehört in Allschwil bald der Vergangenheit an: die weisse Zone.

Gehört in Allschwil bald der Vergangenheit an: die weisse Zone.



Nicole Nars-Zimmer Niz / BLZ

Nachdem sich 2015 noch eine knappe Mehrheit gegen sie ausgesprochen hatte, soll sie nun doch kommen: 59,5 Prozent der Allschwiler Stimmberechtigten haben sich am gestrigen Abstimmungssonntag für die Einführung einer Parkraumbewirtschaftung ausgesprochen. Damit wird es in Allschwil neu drei Sorten von Parkkarten geben: eine für Anwohner für 50 Franken pro Jahr, eine für in Allschwil arbeitstätige Personen für 860 Franken pro Jahr und Besucherkarten (20 Franken für einen ganzen und 12 für einen halben Tag).

Seit der ersten Abstimmung ist der Parkdruck in Allschwil noch einmal gestiegen – vom «Gratisparkplatz Basels» für Pendler war gar die Rede. Ungewöhnlich einig war man sich denn auch in der Politik. Selbst SVP und SP zogen an einem Strick und zeigten keinerlei Berührungsängste. Einzig die CVP wehrte sich gegen das Vorhaben. Entsprechend enttäuscht gibt sich CVP-Landrat Felix Keller, der Wortführer des überparteilichen Referendumskomitees: «Die Parkraumbewirtschaftung ist teuer und nicht bedarfsgerecht. Ganz Allschwil auf Parksünder zu kontrollieren, ist extrem aufwendig.» Das Komitee habe im Abstimmungskampf viel Gegenwind hinnehmen müssen, so Keller: «Wir standen parteipolitisch und medial auf schwierigem Posten.»

Trotzdem nehme man das unerfreuliche Ergebnis zur Kenntnis und könne angesichts der Einstimmigkeit im Einwohnerrat erhobenen Hauptes aus dem Abstimmungskampf gehen: «Wir konnten aufzeigen, dass viele Allschwilerinnen und Allschwiler gegen die Parkraumbewirtschaftung sind. Es klatschen nicht alle», sagt Keller mahnend, gibt sich aber betont demokratisch. «Wichtig ist, dass sich alle äussern konnten. Es soll jetzt hinterher niemand kommen und staunen, wenn plötzlich nur noch blaue Parkplätze vor der eigenen Haustür bestehen.»

Parkplätze werden ein Politikum bleiben

Allschwil wolle die Parkraumbewirtschaftung klar, findet Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli (FDP). Dass die Bevölkerung ihr skeptischer gegenübersteht als der Einwohnerrat, gibt ihr aber zu denken: «Angesichts der Einstimmigkeit im Einwohnerrat ist es beachtlich, dass 40,5 Prozent dagegen waren.» Auf die Gründe für die überraschend starke Ablehnung angesprochen, sagt sie: «Die Leute, die die Bewirtschaftung abgelehnt haben, befürchten wohl einen Parkplatzabbau. Man wird das Auto in Zukunft nicht mehr ohne Parkfeld vor der eigenen Haustür abstellen können.»

Nüssli betont aber: «Es ist ja nicht so, dass die weisse Zone von heute auf morgen überall verschwindet. Wir werden sicherlich zuerst in den stadtnahen Quartieren mit der Einführung beginnen.» Ein Politikum bleiben dürfte die Höhe der Parkgebühren, was man ja sehr gut am Beispiel von Basel-Stadt erkennen könne. Für Nüssli ist die Höhe der Gebühren denn auch nicht in Stein gemeisselt. «Wir werden sie sicherlich regelmässig überprüfen und gegebenenfalls anpassen müssen.»

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