Öffentlicher Verkehr

Parlament will Innenstadt mit vier neuen Tramstrecken entlasten

Gegen die «Tramwand», für mehr Flexibilität: Der Grosse Rat segnet den Ausbau des Schienennetzes in Basel ab.

Das Augenmerk liegt auf drei Streckenabschnitten des Trams in Basel. Die Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (UVEK) des Basler Grossen Rats will besonders dort den Ausbau des Tramschienennetz vorantreiben. Konkret geht es um diese vier neue Verbindungen:

1.       Tram Claragraben
Das Tram würde den Wettsteinplatz mit dem Claraplatz verknüpfen. Dadurch entsteht eine schnellere Verbindung zwischen dem Kleinbasel und dem Bahnhof Basel SBB. Die neue Strecke kann somit das gesamte Tramnetz beschleunigen. Der Bund befindet das Projekt laut der UVEK für sehr sinnvoll und wird sich voraussichtlich mit 40 Prozent an den Kosten beteiligen. Das Tram Claragraben wird jedoch von Anwohnern kritisiert: So befürchten Mitglieder der Interessengemeinschaft Kleinbasel, die in der Nähe des Wettsteinplatzes wohnen, ein Verkehrschaos.

2.       Tram Petersgraben
Diese neue Verbindung zwischen dem Leonhardsgraben und dem Blumenrain soll die Innenstadt vom Tramverkehr entlasten. Konkret ist vorgesehen, dass die Linie 16 künftig ab dem Barfüsserplatz über den Kohlenberg, den Leonhardsgraben und den Petersgraben in Richtung St. Johann fährt. Dies ermöglicht eine direkte Verbindung zwischen Bahnhof Basel SBB und der Universität sowie dem Universitätsspital. Das Tram Petersgraben könnte zudem der erste Schritt in Richtung eines Trams 30 sein.

3.       Tram Klybeck
Das neue Quartier Klybeck ist bisher schlecht an den öffentlichen Verkehr angebunden. Darum macht ein Tram Klybeck laut UVEK Sinn. Die Verbindung würde beim Riehenring und beim Knoten Gärtnerstrasse und Klybeckstrasse an das bestehende Netz angeschlossen werden.

4.       Tram 30
Die Buslinie 30 muss derzeit in einem 3,5-Minuten-Takt geführt werden, aufgrund des hohen Passagieraufkommens. Darum soll die Linie künftig als Tram verkehren. Die Verbindung verknüpft dabei die beiden Bahnhöfe und erschliesst die beiden Stadtteile Gross- und Kleinbasel.

Die Fraktionen von LDP und SVP stellten sich klar gegen die geplante Tramnetzentwicklung und verlangten die Rückweisung des Geschäfts. SVP-Grossrat Beat Schaller sagte im Rat: «Mit dieser Planung betonieren wir das schienengebundene Tram in den Boden ein.» Seine Fraktion fordere aber eine Planung mit verschiedenen öffentlichen Verkehrsträgern. Ähnlich äusserte sich LDP-Grossrat André Auderset: «Wir sind nicht dagegen, punktuell neue Schienen zu verlegen. Aber die Regierung sollte auch neue, moderne Fortbewegungsmittel in das Projekt mit einbeziehen.» Konkret meine er damit auch E-Trottinetts oder E-Bikes.

3,3 Millionen Franken für die weitere Planung

Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) weibelte gestern im Grossen Rat für ein klares Ja zur Tramnetzentwicklung. Er sagte zur grundsätzlichen Kritik am Ausbau des Angebots: «Ich weiss auch nicht, ob Trams in 40 Jahren noch dieselbe Qualität haben, von der wir heute ausgehen. Aber, und viele Städte weltweit teilen diese Ansicht, aus heutiger Sicht sind Trams in urbaner Umgebung unschlagbar, was Effizienz und Kosten-Nutzen-Verhältnis anbelangt.»

Auch Beat Braun von der FDP findet den Fokus auf Trams gerechtfertigt. «Wir glauben nicht, dass E-Trottinetts und E-Bikes das Tram ersetzen werden. Und wir müssen keine Fahrzeuge in der Planung berücksichtigen, die es noch gar nicht gibt», sagte der Grossrat.

Das Parlament genehmigte den Plan zum Tramstreckennetz schliesslich mit 63 Ja-Stimmen bei 28 Ablehnungen und 3 Enthaltungen. Damit wurden 3,3 Millionen Franken für die weitere Planung der Tramnetzentwicklung in Basel bewilligt.

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