Persönlich
Einmal rückwärts, bitte

Unnütze Talente können lästig sein, aber auch unterhalten. Alles eine Frage der Perspektive.

Lea Meister
Lea Meister
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Es gibt Menschen, die können mit der Zungenspitze ihre Nase berühren oder mit dem Fussball jonglieren, dass einem schwindelig wird. Und ich? Ich habe einen Buchstabenknall. Jedes erdenkliche Wort kann ich innert Sekundenschnelle rückwärts lesen, ohne es zu sehen. Was ich seit jeher als relativ unnütz und eher lästig empfinde, stösst immer wieder auf Begeisterung bei meinem Gegenüber.

Auf die Begeisterung folgt meist ein minutenlanges Abfragen von Begriffen (ja, es sind immer die gleichen, weil jeder denkt, ich hätte Nohpolyx, äh Xylophon noch nie vor meinem inneren Auge gesehen). Beschäftige ich mich zu lange mit dem Rückwärtslesen von Begriffen, kann mein Gehirn nicht mehr pausieren und will alles, aber auch wirklich alles rückwärts lesen. So heisst mein Gegenüber plötzlich Anavlis, vor mir liegt eine Etteivres, mein Zmittag ist schon wieder tlak geworden und der Feierabend zu tiew tnreftne. Hä? Willkommen in meinem Kopf.

Dass mein Talent für unterhaltsame Zugfahrten sorgt, ist ein schwacher Trost. Dass ein Kollege mir im Witz schon einen Vertrag anbieten wollte, weil er in meinem Rückwärtsdrang das grosse Geld sah, ebenfalls. Wirklich tröstend wäre ein Auftritt bei «Wetten, dass…» gewesen. Die Sendung aber ist abgesetzt und das Fazit der Geschichte: Ich werde wohl weiterhin Buchstabierwettbewerbe um 1 Uhr Nachts schauen und mich darüber aufregen, wie unglaublich masgnal ella dnis, Irodrefpog?

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