Persönlich
Reden wir über das Wetter

Christian Mensch
Christian Mensch
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Zu jammern hat der Mensch derzeit genug - und das «Hudelwetter» macht es nicht besser.

Zu jammern hat der Mensch derzeit genug - und das «Hudelwetter» macht es nicht besser.

Britta Gut

Die Welt an sich ist eine Zumutung. Daran trägt die Pandemie nicht ursächlich Schuld, doch Corona bringt den Umstand noch deutlicher zum Ausdruck. Der Mensch im Mittelalter hatte nicht eine grundsätzlich andere Welterfahrung, doch eine andere Haltung dazu: Es war göttlicher Wille oder zumindest Schicksal, dass er im Jammertal sein Leben fristet.

Der selbstoptimierte Mensch von heute hat andere Ansprüche, was auch erklärlich ist. Wer derart hart an seinem eigenen Glück schmiedet, der hat auch ein gewisses Anrecht, dass sich ihm die Welt nicht in die Quere stellt. Die Pandemie ist deshalb vor allem eine Zumutung, weil sie seine persönliche Entfaltung behindert – und nicht etwa, weil eine Erkrankung tödlich verlaufen kann. Immerhin scheint sich das Ende dieses Jammertals abzuzeichnen.

Bis dann müsste sich die Welt allerdings an gewisse Mindeststandards halten, um unser Wohlbefinden zu fördern. Etwa für ausreichendes Sonnenlicht sorgen, einer Vorbedingung für die Produktion von Vitamin D im menschlichen Körper. Alleine schon die Lektüre, was ein ­Vitamin-D-Mangel für Folgen haben kann, entfaltet depressive Wirkung. Geschweige denn die fehlenden Sonnenstrahlen an sich. Regen mag ja wichtig sein, gerade für die Natur. Doch genug ist genug. Die Aussicht, nach einer verregneten Auffahrts­brücke auch noch nasse Pfingsten ertragen zu müssen, ist deshalb, was die Welt an sich ist: eine Zumutung.