Persönlich
Waschkartendieb – wer bist du?

bz-Redaktorin Kelly Spielmann kann derzeit nicht Waschen. Der Grund: jemand hat ihre Waschkarte stibitzt.

Kelly Spielmann
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Symbolbild: Coralie Wenger

Der Waschküchenschlüssel – er «hat Bedeutung über seine blosse Funktion hinaus, eine Tür zu öffnen; er ist ein Schlüssel für demokratisches Verhalten und ordnungsgerechte Gesinnung», wie Hugo Lötscher 1988 schrieb.

Im Haus, in dem ich wohne, gibt es keinen Waschküchenschlüssel. Nicht einmal einen Waschplan haben wir – unhelvetisch, würde Lötscher wohl sagen. Was wir aber haben, sind Waschkarten. Jede ist mit einer Nummer versehen, damit niemand für Strom und Wasser des Nachbarn aufkommen muss – sehr helvetisch.

Vor rund zwei Wochen ist meine Waschkarte zwischen zwei Waschgängen aus der Waschküche verschwunden. Und plötzlich merkte ich, dass jemand mit meiner Karte wäscht. Was daran ärgerlich ist, ist nicht, dass ich nun für das Waschen fremder Wäsche bezahle. Es ist der Fakt, dass ich selber nicht mehr waschen kann – und mein Wascheimer sich füllt.

Beim Kommen und Gehen mache ich deshalb immer einen Abstecher in die Waschküche – vielleicht erwische ich den Waschkarten-Dieb ja in flagranti, wenn ein Waschgang zu Ende ist. Doch egal, wie exakt ich die Waschküchen-Besuche nach der verlaufenden Waschzeit richte: Ich habe den Dieb noch nicht ertappt.

Wenn Lötscher meint, der Wachküchenschlüssel stehe für demokratisches Verhalten, so steht das Fazit für mein Mietshaus fest: Wir leben in Anarchie. Und es ist Zeit, für Ordnung zu sorgen.

kelly.spielmann@chmedia.ch