Ausstellung

Picasso, Chagall und Jawlensky im Kunstmuseum Basel – Sammler Karl Im Obersteg hat das Museum nachhaltig geprägt

Karl Im Obersteg posiert vor Picassos «Arlequin».

Karl Im Obersteg posiert vor Picassos «Arlequin».

Sammler, Spediteur und Künstlerfreund.

Sammeln ist eine tiefgründige Leidenschaft. Nicht umsonst spricht man vom Sammler-Gen. Karl Im Obersteg (1883−1969) hat seines vom Vater geerbt, dem Betreiber einer Auswanderungsagentur und Speditionsgesellschaft in Basel. Ein international tätiger Unternehmer aus dem bernischen Simmental, Sammler ethnografischer Trophäen, Waffen und Möbel.

Sohn Karl trat als Unternehmer in seine Fussstapfen, und die führten um den Globus. Die Auswanderungsagentur Zwilchbart hatte eine Filiale in New York, die Transportfirma Karl Im Obersteg & Co. solche in Zürich, St. Gallen, Manchester und London.

Als Sammler betrat KIO, wie Freunde ihn nannten, jedoch andere Wege als der Vater. Er verliebte sich in die Kunst und wurde einer ihrer grossen Förderer auf europäischem Boden. Ein Basler von Weltformat, der durch sein Wirken auch dem Kunstmuseum der Stadt zu solchem verhalf.

Seiner Hinterlassenschaft widmet das Kunstmuseum Basel nun die Ausstellung «Picasso, Chagall, Jawlensky». Die Sammlung Im Obersteg, seit 2004 als Dauerleihgabe der Stiftung Im Obersteg im Kunstmuseum beheimatet, tritt in der Ausstellung in Dialog mit der hauseigenen Sammlung. Wobei auch diese von KIO geprägt worden ist. Dabei entsteht eine Art Rückkoppelung unter Ikonen der Moderne, die sehr sehenswert ist.

Ein Entdecker und Förderer im Kunstmarkt

Nicht selten führt der Weg zur Kunst über Krankheit. KIO musste nach Lehrjahren in Marseille und Manchester seine Lungentuberkulose in Arosa auskurieren. Dort, auf den Sonnenliegen des Sanatoriums, wurde sein Interesse an Literatur und Kunst geweckt. 1916 kauft er seinem Freund Cuno Amiet das erste Bild ab. Werke von Hodler und Nolde folgen. 1919 muss KIO wieder zur Kur, diesmal nach Ascona. An den Ufern des Lago Maggiore entstehen Freundschaften mit russischen Exilkünstlern wie Marianne von Werefkin. Vor allem aber das Werk des Malers Alexej Jawlensky hat es dem Basler
angetan.

Bald wird Paris zum Reiseziel in Sachen Kunst. Wie er zum «Arlequin assis» von Picasso kommt, haben wir in dieser Zeitung bereits erzählt (Ausgabe vom 14. Februar). KIO pflegt bald Kontakt zu wichtigsten Kunstsammlern an der Seine. Der Unternehmer ist kein Kunstspekulant. Während andere Schweizer Sammler wie Staechelin in Basel und Reinhart in Winterthur Impressionisten als sichere Werte kaufen, interessiert sich KIO für Künstler, deren Werk noch auf die Einordnung in den Kanon wartet: Marc Chagall, Paul Klee, Amedeo Modigliani oder Chaïm Soutine.

Die Sammlung, die er mit seiner Frau Marianne aufbaut, wächst ebenso wie sein profundes Fachwissen. Bald prägt Karl Im Obersteg die Entwicklung der Kunst in Basel entscheidend mit. Er wird gefragtes Mitglied in der Kommission des Staatlichen Kunstkredits, der Kommission des Basler Kunstvereins und später auch der Kunstkommission des Kunstmuseums Basel. In diesen Funktionen fördert er das Verständnis für die damals umstrittene Kunst der Moderne. Wichtige Ereignisse wie die Chagall-Ausstellung 1933 in der Kunsthalle, der Ankauf und somit die Rettung sogenannt entarteter Kunst aus Deutschland sind mit seinem Namen verbunden.

Seine Persönlichkeit und Energie kommen jedoch nicht nur der Kunst zugute. Während beider Weltkriege setzt er sich im Roten Kreuz und anderen Organisationen für Kriegsversehrte ein. Sein internationales Netzwerk als Spediteur stellt er den Alliierten und ihren Geheimdiensten zur Verfügung, was ihm später auch den Orden des «Officer of the Most Excellent Order of the British Empire» einbringt.

Ab 1948 leitet er seine Firma von Genf aus. Nach seinem Tod 1969 erbt sein Sohn Jürg die Sammlung. Nach dessen Tod wiederum entsteht die Stiftung Im Obersteg. Der Nachwelt bleiben 260 bedeutende Werke der klassischen Moderne. Rund 100 sind in der aktuellen Ausstellung versammelt, ergänzt durch 40 Werke aus dem Museumsbestand und von Leihgebern.

Die Sammlung mit den Superstars der Moderne

Karl Im Oberstegs Geschichte hat in der Ausstellung ihren Platz in Form von Vitrinen und grossformatigen Bildern. Aber das eigentliche Fest gilt natürlich der Kunst, allen voran dem titelgebenden Dreigestirn «Picasso, Chagall, Jawlensky».

Vom Spanier sind drei «Arlequins» und bedeutende Werke aus anderen Schaffensphasen versammelt. Alleine die beiden erstmals seit 1923 zusammengeführten «Basler Arlequins» sind ein Besuch wert.
Chagall ist ein weiterer Raum gewidmet, wo sich der Zauber seines Frühwerks entfalten kann. Sein Landsmann Jawlensky ist in zwei Räumen zu sehen. Einerseits mit Werken aus seiner expressionistischen Phase vor 1917, andererseits mit seinen wegweisenden «Abstrakten Köpfen» und mythischen «Heilandsgesichten».

Die Schau zeigt aber viel mehr als die Kunst der drei Namensgeber. Die russische Avantgarde und die École de Paris sind ebenso vertreten wie Bernard Buffet oder Paul Cezanne. In thematische Räume gegliedert, wird der Blick auch auf die Kunst der Nacktheit oder die Mystik in der Moderne gelenkt.


«Picasso, Chagall, Jawlensky», Bis 24. Mai. Kunstmuseum Basel.

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