Wie ein einsamer Fels in der Brandung hat die Grünen-Landrätin Madeleine Göschke im Landrat jahrelang für weniger Fluglärm und besseren Schutz der Bevölkerung rund um den Flughafen geweibelt. Oft biss sie mit ihren Vorstössen bei ihren Kollegen aus dem bürgerlichen Lager auf Granit. Nun aber erhält sie Unterstützung von unerwarteter Seite. Ausgerechnet ein SVP-Landrat macht sich für eine längere Nachtflugsperre nach Zürcher Vorbild stark.

Hanspeter Weibel heisst der Mann. Seit eineinhalb Jahren sitzt der Bottminger im Landrat und dort in der Umweltschutz- und Energiekommission (UEK). Er fordert zwei Dinge: erstens die gleiche Nachtflugsperre von 23 bis 6 Uhr am Basler Euro-Airport, wie sie in Zürich seit einem Jahr gilt. Zweitens pocht er auf eine tiefe Quote bei den Südanflügen.

«Beide Anliegen sind Versprechen der Regierung, die nicht eingehalten wurden», sagt Weibel. «FDP-Regierungsrat Adrian Ballmer hat früher stets gesagt, dass wir in Basel das Nachtflugverbot verlängern, wenn Zürich das macht. Jetzt lehnt er dies aber ab.» Auch bei den Südlandungen halte man sich nicht an die seinerzeitige Ankündigung. Vor der Umstellung auf das Landesystem ILS 34 im Jahr 2007 betrug der Anteil rund vier Prozent. «Es hiess damals immer, es werde nicht mehr Südanflüge geben. Mittlerweile sind wir aber bei zehn Prozent», kritisiert Weibel.

Das Parteibüchlein als Schwelle

Mit beiden Forderungen liegt er genau auf der Linie von Madeleine Göschke, der vor einem Jahr zurückgetretenen Grünen-Landrätin und Fluglärm-Expertin. Ein Vergleich, der ihn indes nicht besonders freut: «Frau Göschke geht wesentlich weiter als ich», versucht sich der SVP-Landrat zu distanzieren. Das mag pauschal zutreffen - in diesen Punkten stimmt es jedoch nicht: Denn die Forderungen sind identisch.

Weibels abwehrende Haltung liegt wohl eher im Parteibüchlein begründet: Ein SVP-Politiker, der dem in bürgerlichen Kreisen oft als «Heilige Kuh» geltenden Euro-Airport kritisch gegenüber steht - das ist ungewöhnlich. «Die SVP war nie, nie auf meiner Seite», erinnert sich Göschke an die Landrats-Debatten. Oft habe einer der SVP-Kollegen ihren Vorstoss als «wirtschaftsfeindlich» abgekanzelt.
In seiner Partei ist Weibel diesbezüglich denn auch ein Einzelkämpfer: «Damit fühle ich mich relativ allein», bestätigt der Bottminger. Er erhalte aber in einzelnen Punkten Unterstützung. Und: «Meine Haltung ist mit der Partei abgesprochen. Ich darf zum Flugverkehr eine andere Meinung haben», betont der 58-Jährige, der auch als Nationalrat kandidiert.

Sein Engagement sei nicht wahltaktisch begründet, stellt er klar: «Als Landrat ist es meine Pflicht, die Anliegen der Bevölkerung ernst zu nehmen.» Er wehre sich seit Jahren gegen den Fluglärm. Besonders seit Dezember 2007, als bei den Südanflügen die «Spielregeln» geändert worden seien. Er kündigt an, dass das Thema im Oktober in den Landrat kommt. «Dabei ist eine Überraschung möglich», meint er vielsagend. Immerhin hätten Petitionskommission und UEK das Thema «Nachtflugsperre» im gleichlautenden Sinn behandelt. Göschke freut sich: «Es ist höchste Zeit, dass das Thema Fluglärm auch von einer anderen Partei aufgenommen wird.»