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Stadtreinigung kapituliert vor den Littering-Sündern

Sie hätten nachts keine Chance, Littering zu verhindern und können den Abfall nur am Morgen danach aufräumen, klagt Stadtreinigungsleiter Dominik Egli.

Tobias Gfeller Jetzt kommentieren
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Am Rheinufer kommt es vor allem an sonnigen Tagen schnell zu überfüllten Abfalleimern.

Am Rheinufer kommt es vor allem an sonnigen Tagen schnell zu überfüllten Abfalleimern.

Foto: Nicole Nars-Zimmer

Es war eine lange, intensive «Chropfleerete», die sich am Montagabend in der Fussballkulturbar «Didi Offensiv» abspielte. Das Stadtteilsekretariat Kleinbasel lud zum ersten «kleinStadtgespräch» seit zwei Jahren und fragte, «Unsere vermüllte Stadt – was können wir tun?». Die Klagen über illegal entsorgten Hausmüll, Littering in Parks und am Rheinbord, tagelang herumstehende Sperrgutabfälle und Zigarettenstummel in den Rabatten waren umfassend und gaben zu denken. Der Tenor – auch jener, die als Privatpersonen Abfall sammeln – war eindeutig: Der Abfall im öffentlichen Raum wird immer mehr, das Abfall- und Litteringproblem immer grösser und dementsprechend auch die Verärgerung darüber. Beat Inäbnit, der mit seiner Frau in der Freizeit Abfall sammelt, sagte es unmissverständlich: «Es hat überall Abfall und es nimmt überall zu!»

«Es ist schlichtweg zu viel»

Es wurde an diesem Abend im «Didi Offensiv» viel diskutiert, Ideen gesponnen, wie man dem Problem Herr werden könnte und natürlich sehr viel geklagt. Mehrere Personen erzählten von herumliegenden Abfällen in ihren Strassen und von Scherben auf dem Veloweg der Dreirosenbrücke. Viel Hoffnung konnte ihnen Dominik Egli, Leiter der Stadtreinigung Basel, nicht machen. Die von ihm an diesem Abend zweimal verkündete Botschaft blieb hängen und kam einer Kapitulation vor den Littering-Sündern gleich: «Wir kommen nachts an den Hotspots mit dem Aufräumen nicht nach. Es ist schlichtweg zu viel. Wenn König Alkohol und andere Drogen mitspielen, sind wir chancenlos. Wir können einzig und alleine am Morgen danach aufräumen.»

Die rund 25 Besucherinnen und Besucher waren sich einig, dass dieser Zustand nicht einfach so akzeptiert werden darf und sich dringend etwas ändern muss. Doch über das Wie, darüber scheiden sich die Geister. Für Marion Müller ist klar: Nur wenn es ans Portemonnaie geht und es den Leuten finanziell weh tut, wird sich etwas ändern.

Mit einer Streetparade Abfall sammeln?

Das sahen längst nicht alle so. Repression sei der falsche Weg, meinte ein Mann im Frack, der regelmässig privat Abfall sammelt. «Wir müssen positives Verhalten belohnen, müssen zeigen, dass Abfallsammeln Spass macht und das auch sichtbar machen. So würde es erst recht peinlich Abfall liegen zu lassen.» Man könnte auch pro Strassenabschnitt einen Zuständigen bestimmen, der regelmässig ein kollektives Abfallsammeln organisiert, schlug ein anderer Diskussionsteilnehmer vor. Daraus könnten auch eine Initiative und ein Wettbewerb entstehen, welche Strasse die sauberste ist. Theres Wernli, Co-Leiterin des Stadtteilsekretariats Kleinbasel, nahm die Ideen fleissig auf. Private Initiativen zur Abfallentsorgung müssen noch stärker koordiniert und gemeinsam organisiert werden. «Es könnte doch eine Art Streetparade geben, bei der man nicht Abfall liegen lässt, sondern Abfall zusammenliest», warf Wernli ein.

Stadtreinigung offen für private Ideen

Auch Pfand auf PET, Glas und Aluminiumdosen wurde mehrfach gefordert. Zudem sollen an gewissen Stellen wieder Recycling-Abfallsysteme analog der Bahnhöfe aufgestellt werden. Dies sei vor drei Jahren schon mal probiert worden, erinnerte Dominik Egli. Nur gerade zwei Prozent der besagten Abfälle wurden fachgerecht entsorgt. Der Rest kam in den allgemeinen Abfall oder eben auf den Boden. Egli gab sich offen für private Initiativen und stellte klar, dass die Stadtreinigung dafür auch Hand bieten würde.

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