Pop-up-Shop
«Es ist nicht selbstverständlich, sich ganz mit Basler Mode einzukleiden»

Drei Studierende der Hochschule für Gestaltung und Kunst bieten einen Raum für lokale Modedesigner, um ihre Kleidung zu verkaufen.

Elodie Kolb
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Damian Hunger färbt seine Kleider im Schaufenster.

Damian Hunger färbt seine Kleider im Schaufenster.

Bild: Nicole Nars-Zimmer

Es ist ein schlichtes, kleines Ladenlokal gegenüber vom Schauspielhaus. An den Wänden und in den beiden Schaufenstern sind farbige, gehäkelte Mützen, selbstgenähte Tops und weisse Hosen und Hemden mit bunten Einfärbungen ausgestellt. Durch ein Sieb tropft blaue Farbe. Damian Hunger, einer der Künstler, dessen Mode derzeit im «Sondershop» zu kaufen ist, erschafft seine Kleidungsstücke direkt vor Ort.

Von bedruckten T-Shirts über selbstgenähte Kleidungsstücke zu kleinen gehäkelten Umhängetäschchen gibt es alles im Sondershop. Denn: Die Mode, die man dort kaufen kann, kommt von jungen Basler Modedesignerinnen und Modedesignern. Sebastian Day hat mit zwei Studienkollegen den Laden auf die Beine gestellt. Seit Januar und bis Ende April können Modeschaffende jeweils etwa eine Woche ihre Kollektionen kostenlos an der Steinentorstrasse 14 zeigen und verkaufen. Wir haben die finanzielle Hürde abgebaut, die Künstler müssen nichts zahlen. So kann jeder bei uns verkaufen», sagt Day.

Soll eine Plattform sein für lokale Mode

«Es ist nicht selbstverständlich, dass man sich komplett mit lokaler Mode einkleiden kann. Und wir wünschen uns, dass das gewöhnlicher wird und wollen dafür eine Plattform bieten», so das Team. Vor drei Jahren hatte Day einen «Sondermarkt» auf die Beine gestellt. Damals bot er rund 20 Kunstschaffenden die Möglichkeit ihre Mode und ihren Schmuck zu verkaufen.

«Ich finde es schade, dass lokale Mode in Basel so unterrepräsentiert ist», so Day. Als HyperWerk-Student an der Basler Hochschule für Gestaltung und Kunst hat er letztes Jahr selbst angefangen zu nähen und sich mit Upcycling auseinanderzusetzen. Als er im November am ausgeschriebenen Ladenlokal an der Heuwaage vorbeigelaufen ist, fragte er sich: «Warum nicht ein Pop-up-Laden für junge Künstler aufbauen?» Daraufhin habe er seinen Job gekündigt und sich mit zwei Mitstudierenden an die Arbeit gemacht.

Auch Verkäufe über Instagram haben sich gelohnt

Nachdem das kleine Team in der ersten Januarwoche den Laden reif für die Eröffnung gemacht hatte, konnten Day und die Mitwirkenden den Sondershop aber gerade mal für eine Woche öffnen, bevor der Lockdown kam. «Dann habe ich einfach die Erwartungen herabgesetzt», sagt Day. Trotzdem sei jede Woche das Schaufenster dekoriert worden und das Team hat die Kleider der Designer über Instagram verkauft. «Die Sachen sind auch erstaunlich gut weggekommen.» Es seien zwar oft auch Bekannte und Familie, welche die Kleidungsstücke kaufen. Day habe aber auch selbst die Erfahrung gemacht, dass er seine Kleidungsstücke etwa zur Hälfte an Leute verkaufe, die er nicht kennt. Seit Montag ist das Lokal wieder geöffnet. Neben Damian Hunger verkaufen diese Woche auch die Musikstudentin Maya Probst, Jakob Hodel und Ellen Luginbühl ihre Kleider im Shop.

Das organisierende Trio hofft, die Lokalität noch etwas länger behalten zu können, auf Dauer sei der Laden jedoch nicht vorgesehen. Aufgeben möchte Day das Projekt aber auch nicht: Im Sommer sei erneut ein Markt wie der vor drei Jahren geplant. Und auch die Instagram-Seite wolle er weiter nutzen für Werbung oder hin und wieder für kleinere Pop-ups von lokalen Modedesignern.