Basel
Präsident Bernhard Heusler braucht Glamour für den FC Basel

Dem FC Basel fehlt nach dem Abgang von Gigi Oeri der Geldgeber für Notfälle. Mit Murat Yakin als Trainer ist die Suche einfacher als mit Heiko Vogel.

Christian Mensch und Iso Ambühl
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Die Spiele gegen den rumänischen Meister Cluj haben die Träume des FC Basel für eine weitere Champions-League-Teilnahme platzen lassen. Die Mindereinnahmen kann der Klub verkraften, doch nun mangelt es an Glamour – und ohne solchen wird es rasch eng für FCB-Präsident Bernhard Heusler.

Ein Polster von 30 Millionen Franken

Denn was Heusler fehlt, sind die «Deep pockets», die reichen Geldgeber im Hintergrund, die aushelfen, wenn auf die Schnelle Geld benötigt wird oder Dellen in der Bilanz ausgebügelt werden müssen. Ein Wirtschaftsanwalt mit Erfahrung im Fussballbusiness sagt: «Ein Klub in der Grösse des FC Basel braucht ein Polster von rund dreissig Millionen Franken, um abgesichert zu sein.» Ohne Glamour ist Heuslers Suche nach Geldgebern noch schwieriger geworden.

Anwalt Heusler, der sich als rechte Hand der Fussballmäzenin Gigi Oeri unersetzlich gemacht hatte, hält 91 Prozent der Aktien der FC Basel Holding, die wiederum drei Viertel der Aktien der FC Basel AG beherrscht, der Betriebsgesellschaft des Fussballkonzerns. Von Geldgebern, die sich nach landläufiger Erfahrung dann auch gerne als einflussreiche Ratgeber ins Szene setzen, versucht er sich zwar möglichst unabhängig zu machen. Er hat dem Klub eine Steigerung der Marketingeinnahmen und verstärktes Merchandising verordnet. Und er hat einen neuen Ausrüstervertrag ausgehandelt. Doch er weiss, dass dies nicht genügt: Langfristig ist der Fussball ein Zuschussgeschäft. Und Heusler räumt auf Anfrage des «Sonntags» ein, dass ihm die Rückversicherung fehlt: «In den letzten Monaten sind Gespräche geführt worden mit Personen, die allenfalls dem FCB als eine Art Trägerschaft zur Seite stehen könnten. Diese Gespräche sind aber nicht so weit gediehen, dass man Konkreteres berichten könnte.»

Positive Überraschungen sind nicht ausgeschlossen, doch Recherchen bei den einschlägigen Basler Kreisen lassen derzeit eher nicht erwarten, dass diese rasch eintreffen. Ein so vermögender wie vernetzter prominenter Basler bestätigt, an solchen Gesprächen beteiligt gewesen zu sein. Sie seien allerdings versandet und er habe keine Kenntnis, dass sie anderswo erfolgreicher verlaufen seien.

Verwaltungsrat kann Aktionär ablehnen

Der Kreis der möglichen Geldgeber ist beschränkt, da der Anspruch besteht, keine auswärtigen Investoren an das Rheinknie zu locken. Ein Fall Neuenburg, wo der tschetschenische Geschäftsmann Bulat Tschagajew den Klub in die Misere ritt, solle sich in Basel nicht wiederholen können, sagt Heusler und verweist auf die Vinkulierungsbestimmung in den Statuten. Dort finden sich allerdings nur weich formulierte Bestimmungen. Demnach «kann» der Verwaltungsrat einen Aktionär ablehnen, der eine «mangelnde Verbundenheit mit dem FC Basel» und/oder «keinen Bezug zur Region» hat.

Gemäss Heusler hat Gigi Oeri seit dem 1. Januar 2012 keine Rechte und Forderungen mehr beim FC Basel. Er tritt damit Gerüchten entgegen, die Fussballmäzenin habe sich nur vordergründig zurückgezogen und Heusler wirke bloss als Treuhänder. Eine solche Konstruktion würde etwa begründen, weshalb Gigi Oeri im Handelsregister weiterhin als Präsidentin der FC Basel Holding eingetragen ist. «Der Sonntag» hat wiederholt danach gefragt: Bis Juli hiess es, die Generalversammlung der Holding habe bisher nicht stattgefunden. Dann erklärte Noch-Verwaltungsrat Matthieu Jaus, die Eintragung der Änderungen sei «eine Frage der Administration». Nun sagt Heusler: «Die Anmeldung aller Mutationen ist erfolgt.»

So ganz scheint Heusler die Abnabelung von Oeri dennoch nicht vollzogen zu haben. Denn Bernhard Heusler sagt: «Es versteht sich von selbst, dass ein Verkauf der Holding-Aktien nicht ohne Konsultation mit Frau Oeri erfolgen würde.» So oder ähnlich würde ein gewiefter Anwalt formulieren, hätte sich Gigi Oeri mit der Aktienübertragung etwa ein Vorkaufsrecht ausbedungen.

Mit Yakin an der Seite kommt zumindest Glamour auf die Trainerbank. Der heutige Ringier-Boss Marc Walder hatte die Qualität des neuen FCB-Trainers schon vor Jahren auf den Punkt gebracht: «Murats Stellenwert hat weniger mit seinen sportlichen Leistungen zu tun als vielmehr mit seiner Position in der Gesellschaft.» Nachzulesen ist das Zitat im Buch «Die Yakins», verfasst von Georg Heitz, heute Sportchef des FC Basel.

Vogel wird Stück für Stück demontiert

Nachhaltige Opposition aus der Fankurve gegen den abrupten Trainerwechsel hat Heusler nicht zu erwarten: Ein beherzter Auftritt heute Nachmittag der Mannschaft unter dem neuen Chefcoach Murat Yakin, und schon werden die FCB-Fans wieder auf Schmusekurs mit der Klubführung sein. Nach der harzigen Medienkonferenz vom vergangenen Montag genügten dazu einige wohldosierte Medienauftritte: Präsident Heusler interviewt vom eigenen Stadionsprecher auf Telebasel und ganzseitig in der «Neuen Zürcher Zeitung», Sportchef Georg Heitz in der «Basler Zeitung». Nicht sportliches Versagen wirft die Klubführung dem bisherigen Cheftrainer vor, sondern in umschreibenden Worten: Menschliches. Vogel wird Stück für Stück demontiert.

Yakin ist aber nicht nur der Society-erprobte Glamour-Boy, «der David Beckham der Schweizer Medien», wie ihn der BaZ-Fussballchef Marcel Rohr einst nannte. Yakin ist auch Geschäftsmann und seit Jahren zusammen mit Adrian Zoller aktiver Immobilien-Unternehmer in Basel. Zum Portfolio gehört zwar auch ein Puff im Gundeli-Quartier, aber ebenso die gehobene Gastronomie im Kleinhüninger «Schifferhaus». Ein idealer Ort für den Präsidenten, um sich mit Geldgebern zu treffen. Denn in der Loge der Champions League hat es in diesem Jahr keinen Platz für den FC Basel.