Pratteln
Der grosse Ikea-Ansturm blieb überraschend aus

Den Run auf das Möbelhaus hatten die meisten erwartet – doch statt langer Warteschlangen gab es freie Parkplätze und stressfreies Einkaufen.

Kelly Spielmann
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Auch vor der Warenausgabe sind freie Parkplätze zu finden.

Auch vor der Warenausgabe sind freie Parkplätze zu finden.

Nicole Nars-Zimmer (Pratteln, 1. März)

Montag, 1. März, kurz nach 10 Uhr morgens auf der A2 Richtung Basel: Im Radio wird bereits gewarnt. Geduld brauche man an diesem Tag, an dem die Läden wieder öffnen dürfen, besonders vor den grossen Möbelhäusern und Einkaufszentren. Bereits kurz zuvor sind Bilder durch Whatsapp-Chats, Social-Media-Plattformen oder News-Apps geschwirrt – sie zeigten lange Schlangen vor Kleiderläden, Staus vor den Parkplätzen grosser Einkaufszentren und volle Parkplätze bei Ikea.

Ebendort führt der Weg heute hin – zum grossen Ansturm auf die Ikea in Pratteln. Den Stau erwartet man bereits vor der Ausfahrt, doch hier läuft noch alles flüssig. Vielleicht kommt er ja vor der Unterführung, die zu den Parkplätzen führt. Nein, auch hier: freie Fahrt. Spätestens aber bei der Parkhaus-Einfahrt muss es doch harzen, oder? Nichts – die Anzeigetafeln leuchten grün: 38 freie Parkplätze im ersten und 167 im zweiten Untergeschoss: wie an einem ganz normalen Tag.

Nicht geplant, doch gekommen

«Das war einfacher, als ich gedacht habe», sagt eine Frau lachend, als sie aus ihrem Auto steigt. Tatsächlich ist es nicht schwieriger als sonst, einen freien Parkplatz in Eingangsnähe zu finden. Sie ist nicht die Einzige, die bei der Ankunft etwas verwirrt aussieht. Den grossen Ansturm hätten wohl die meisten erwartet, sei dies aufgrund von Push-Nachrichten oder Radiobeiträgen. Doch er bleibt aus.

Das bestätigt Aurel Hosennen, Leiter Kommunikation bei Ikea Schweiz. Während gestern landesweit 30 Prozent mehr Kundinnen und Kunden kamen als an einem gewöhnlichen Montag, seien es in Pratteln nur 15 Prozent mehr gewesen.

Davon überrascht ist auch ein Paar, das soeben zurück ins Parkhaus kommt. In den blauen Taschen stecken Pflanzen, Lichterketten und Blumentöpfe, Gartenstühle stapeln sich auf dem Einkaufswagen. «Wir wollten so früh wie möglich hier sein, um es so schnell wie möglich hinter uns zu bringen», sagt die Frau. «Aber so schlimm war es ja gar nicht.» Ihr Freund fügt an:

«Eigentlich würden wir ja nicht am ersten Tag nach dem Lockdown einkaufen gehen. Aber bei diesem Wetter wollten wir es auf dem Balkon gemütlich haben.»

Auch die drei jungen Frauen, die durch die Möbelausstellung schlendern, hätten dies eigentlich nicht heute vorgehabt. «Wir sind im Januar gemeinsam in eine WG gezogen», sagt eine der Freundinnen. «Und wir konnten noch nicht einmal den obligaten Ikea-Ausflug unternehmen», ergänzt eine andere. Da die drei alle frei hatten und der Gang ins Möbelhaus immer dringender geworden sei, hätten sie sich entschieden, trotz Lockdown-Ende an diesem Tag nach Pratteln zu fahren. Und sie sind sich einig: «Das hat sich gelohnt, es ist ja kaum jemand hier.»

«Kaum jemand» mag vielleicht etwas übertrieben sein. An den Kassen kommt es dann doch noch zu kurzen Wartezeiten, am Take-away-Stand stehen Kundinnen und Kunden für einen berühmten Hotdog an. Doch im Vergleich zu anderen Filialen, wo bereits vor den Parkhäusern Stau herrschte, hatten Ikea-Gänger aus der Region Basel an diesem Montag deutlich mehr Glück.