Klangfarben
Premiere am Wochenende in Gelterkinden: Wie hört sich eine teilweise digitalisierte Kirchenorgel an?

Die Orgel der katholischen Kirche in Gelterkinden wurde teilweise digitalisiert. Wie sich das anhört, kann man am Wochenende erleben.

Meret Rieger
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Thomas Brand im Herzen der sanierten Orgel in Gelterkinden.

Thomas Brand im Herzen der sanierten Orgel in Gelterkinden.

Kenneth Nars
Orgel der katholischen Kirche Gelterkinden Sehr alte und modernste Technik. 

Orgel der katholischen Kirche Gelterkinden Sehr alte und modernste Technik. 

Kenneth Nars

Schon auf dem Vorplatz der katholischen Kirche in Gelterkinden hallen dem Besucher die imposanten Klänge der neuen Orgel entgegen. Eigentlich wird sie erst dieses Wochenende eingeweiht, aber einige wenige dürfen jetzt schon ein bisschen darauf üben.
Voller Stolz zeigt Thomas Brand, pastoraler Mitarbeiter der Katholischen Kirche Gelterkinden und Mitorganisator der Sanierung, die renovierte Orgel. Denn diese Orgel ist etwas ganz Spezielles: eine Hybrid-Orgel. Das bedeutet, dass die herkömmlichen Orgelpfeifen mit digitalen Pfeifen kombiniert wurden. Derer gebe es nur zwei Weitere in der Schweiz, so Brand. «Rein optisch hat sich auf den ersten Blick nichts geändert, vor allem die Elektrik musste erneuert und der Spieltisch komplett ersetzt werden.»

Die neue Orgel überzeugt auch Konzertorganistin

Wie so oft bei Erneuerungen, sei auch diese Entscheidung zu Beginn nicht nur unkritisch aufgenommen worden. Doch «die Kritiker verstummen, sobald sie die Orgel hören», weiss Brand. Auch die professionelle Organistin Christina Koch de Souza, welche bei der kommenden Orgelweihung ein Konzert geben wird, sei beim Proben ins Schwärmen gekommen und vom Klang der Orgel begeistert gewesen.

Zwischen den ursprünglichen Orgelklängen und den digitalen Tönen erkennt die Zuhörerin und der Zuhörer keinen Unterschied. Das liegt daran, dass der Hersteller die Klänge nicht elektronisch produziert, sondern Sequenzen bei echten Orgeln aufgenommen und digital verarbeitet hat.

Der Orgel wurden, in Zusammenarbeit mit dem holländischen Marktführer Johannus, 23 Register, also Klangfarben, sowie eine dritte Klaviatur hinzugefügt. Womit sich völlig neue Variationen eröffnen.

Die Sanierung war schon seit längerem nötig

Die Gesamtprojektsumme belief sich auf 220'000 Franken, was für eine Orgelsanierung einen vertretbaren Aufwand darstellt. Da die Orgel bereits seit 1961 in Betrieb steht, sei eine Sanierung ohnehin dringend nötig gewesen.

Zudem sei die sinkende Anzahl an Kirchgängern auch ein Grund gewesen, die Orgel nicht nur zu sanieren, sondern auch zu erweitern und sich so ein neues Publikum zu erschliessen: «Mit diesen neuen musikalischen Möglichkeiten locken wir ganz neue Menschen an», erklärt Brand. Die Kirchgemeinde habe bereits Zusagen von verschiedenen interessierten Organistinnen und Organisten, welche gerne auf der raren Hybrid-Orgel Konzerte spielen möchten. «Wir schaffen keinesfalls die Kirche ab, vielmehr möchten wir aber ein weiteres Standbein aufbauen».

Von der Kirchenorgel zur Rocklegende

In den 1930er Jahren versuchte Laurens Hammond mit der Hammond Orgel einen günstigen Ersatz für Kirchenorgeln zu bauen.

Obwohl seine Orgeln in einigen kleinen Kirchen gespielt wurden, erlangte die Hammond ihren legendärer Ruf in der Rockmusik und im Jazz.

Zum Durchbruch von Jazz, Rock und Pop beigetragen: Die Hammondorgel kommt auf die Bühne 

Am Ende möchte Thomas Brand noch eine weitere Neuerung zeigen: Ein Beleuchtungssystem wurde eingerichtet, welches die Orgel nun in verschiedenen Farben beleuchten kann.

Den kräftigen Klängen der Hybrid-Orgel kann man jedoch schriftlich kaum gerecht werden. Wer sich für die neuen musikalischen Möglichkeiten im Baselbiet interessiert, sollte deshalb dieses Wochenende den Einweihungsfestivitäten beiwohnen und den neuen Klängen gleich selbst lauschen.

Um bei den Feierlichkeiten die Sicherheit der Gäste zu garantieren, werden die Abstände in den Kirchenbänken berücksichtigt, Kontaktlisten geführt und wenn nötig Masken verteilt. «Wir freuen uns über jene, die kommen, und alle anderen verpassen halt etwas», sagt Brand voller Vorfreude.