Theater Basel

«Provokation ist langweilig geworden»

Am Samstag verwandelt sich das Theater-Foyer in einen Schauplatz der Rollenbilder und Klischees.

Am Samstag verwandelt sich das Theater-Foyer in einen Schauplatz der Rollenbilder und Klischees.

Schorsch Kamerun knöpft sich mit seiner Truppe im Theater Basel Ausgrenzungsmechanismen und stilisierte Rollenbilder vor.

In diesen «pseudogleichberechtigten Zeiten» braucht es erst einmal einen schonungslosen Aufschrei – «erst danach wird weitergesehen». So kündet sich Regisseur Schorsch Kameruns szenisches Konzert «Komischer Vogel ohne sexy Rolle rückwärts» an. Zwischen stilisierten Rollenbildern und menschlichem Drang nach «einzigartiger» Identität fragt er sich, wann Auffälligkeit noch sinnstiftend ist und wo uns Ausgrenzungspraxis hinführt.

Die Performance im Foyer des Theaters Basel ordnet sich in die feministische Reihe «grrrls grrrls grrrls» ein. Ein Ausdruck, dessen Ursprünge der Hamburger Musiker und Regisseur in einer früheren Phase seiner Punk-Laufbahn gut miterlebt hat. Durchaus berechtigt sei in den 90er-Jahren festgestellt worden, dass Frauen auch in noch so progressiven Subkulturen Ausgrenzung erlebten. Folgerichtig entwickelte sich daraus die «Riot Grrrls»-Szene.

So seien auch Räume entstanden, die keinen Platz für Männer boten. Und das sei nur folgerichtig: «Manchmal braucht es krasse Massnahmen. Wer zuerst Dinge unter sich ausmachen will, soll das tun können», kommentiert der Punk-Musiker.

Schorsch Kamerun erlebte eine Phase, «als Punk noch erfolgreich nerven konnte». Heute glaube er nicht mehr an die gesellschaftsverändernde, provokative Macht punkiger Überzeichnung: «Der schrille Freak ist aus der Welt verschwunden, wurde markentauglicht. Solch äusserliche Provokation ist stumpf geworden.» Trotzdem liessen sich immer neue Wege finden, sich gut bemerkbar zu machen, auch künstlerisch. Statt mit Lautstärke und Grellheit, halt mit subtileren Irritationen und deutlichen Inhalten.

Der feine Unterschied, den die Freiwilligkeit macht

Es sind immer noch die komischen Vögel, die den Hamburger beschäftigen. «Wir Punks haben unsere attraktive Rolle rückwärts im richtigen Moment starkgemacht, konnten unsere Position der Abtrünnigen allerdings selbst auswählen», sagt Kamerun. Ganz anders ergehe es den unfreiwillig in die Situation der Ausgegrenzten Geratenen: Auch weiterhin seien Hautfarbe, Geschlecht oder Herkunft Auslöser für Stigmatisierung und Diffamierung, gar für mörderische Verfolgung.

Diese immer auch gewaltsamen Vorgänge solle der Abend im Theater Basel durchspielen und entlarven, wie in unseren «pseudogleichberechtigten Zeiten» Rollenbilder weiterhin «eher vorzivilisatorisch» reproduziert werden.

Komischer Vogel ohne sexy Rolle rückwärts Musiktheater der Reihe Grrrls grrrls grrls, Samstag, 29. Februar, 21 Uhr, Foyer des Theater Basel, 20 Franken Eintritt, www.theater-basel.ch

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