«Reconnect»
Wenig Sperriges und viel Spontanes im lauschigen Garten

Im Rahmen der Musik- und Talk-Reihe «Reconnect» in Augst traf der Basler Manuel Gagneux auf die Wahl-Baslerin Evelinn Trouble.

Stefan Strittmatter
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Olivier Joliat (rechts) führte als Moderator durch den Abend mit Evelinn Trouble und Manuel Gagneux.

Olivier Joliat (rechts) führte als Moderator durch den Abend mit Evelinn Trouble und Manuel Gagneux.

Matthias Willi

Das Lied hat nur zwei Strophen, doch auch die kann man wunderbar durcheinanderbringen. Manuel Gagneux tut das beim eröffnenden «Everytime» so charmant, dass man an diesem lauschigen Sonntagabend nicht von einem Fehlstart sprechen kann. Vielmehr ist sein Cover des Sommerhits von 2005 ein denkbar guter Eis­brecher für das zweite Konzert der «Reconnect»-Reihe.

Im Garten der Villa Castelen in Augst wird klar: Hier verbrüdern sich Publikum und Künstler, hier tastet man sich nach der Pandemie-Pause wieder gegenseitig an sich heran. Dass dem Basler Gagneux mit Evelinn Trouble eine Zürcher Musikerin zur Seite gestellt wurde, die eine ähnliche Bio­grafie aber ein anderes Naturell hat, erweist sich in den Gesprächen als Glücksgriff.

Der Garten der Villa Castelen in Augst bot ein wunderbares Setting.

Der Garten der Villa Castelen in Augst bot ein wunderbares Setting.

Matthias Willi

Vorerst aber ist sie ihm beim besagten Opener eine wichtige Stütze: Während er sich grinsend und kichernd durch den Gesangspart mogelt, hält sie den Song mit stoischen Akkorden auf der ­Bariton-Gitarre zusammen. «I’m hopeless without you», heisst es im Lied – und in diesen Minuten mag das stimmen.

In den von Olivier Joliat geführten Plauderrunden erfährt man, dass die ungeprobte Eröffnungsnummer eine Rarität war. Denn sowohl Trouble als auch Gagneux bekunden nach eigenen Angaben Mühe damit, einen Song nicht zu Tode zu sezieren. «Irgendwann merkst Du, dass es keine Rolle spielt, ob da nun ein ganzer oder ein halber Takt ist», erklärt Trouble eine ihrer grössten Lehren der letzten Jahre.

Manuel Gagneux stellte seine stimmliche Wandelbarkeit unter Beweis.

Manuel Gagneux stellte seine stimmliche Wandelbarkeit unter Beweis.

Matthias Willi

Dass beide zwar auf einen Fundus an Begleitmusikern zurückgreifen können, aber regelmässig auch alleine auf der Bühne stehen, zeigt sich an den Solo-­Sets. Hier beweist Gagneux stimmliche Wandelbarkeit und Trouble eine eigenständige Handschrift als Songwriterin. Passend zum Setting haben die Auftretenden ihre sperrigen Songs zu Hause gelassen. Mut zur Eigenwilligkeit beweisen sie denn eher in ihren Antworten – etwa zur Coronakrise, die beide nicht als solche erlebt haben.

Kritische Fragen trotz freundschaftlicher Nähe

Hier brilliert Joliat als Moderator, indem er trotz freundschaftlicher Nähe zu den Auftretenden durchaus auch kritisch nachfragt. Insbesondere Troubles mehrfaches «Ich weiss au nöd» im Bezug auf ihre Erfahrungen in der kommerziell erfolgreichen Band von Rapper Stress lässt er nicht so stehen. «Ein Brotjob?» offeriert er als Stichwort, als sie sich in langen Sätzen windet.

Herrlich trocken und entlarvend ehrlich dagegen gerät Troubles Antwort auf die Frage, warum es sie nach langen Aufenthalten in Berlin und London vor einigen Jahren ausgerechnet nach Basel verschlagen habe: «In Zürich fand ich keine Wohnung.»

Evelinn Trouble bewies als Songwriterin eine unverkennbare Handschrift.

Evelinn Trouble bewies als Songwriterin eine unverkennbare Handschrift.

Matthias Willi

Das «Schluss-Bouquet» des kurzweiligen Abends ist schliesslich eher netter Ausklang denn berauschender Höhepunkt: Gemeinsam singen sich Trouble und Gagneux durch weitere Covers, wobei sie erneut für das Gerüst und er für die Verzierungen verantwortlich ist. Gegenseitige musikalische Befruchtung findet nicht statt, aber das spielt keine Rolle. Schliesslich bringt es das letzte Lied aus der Feder von Lou Reed auf den Punkt: Das war ein «Perfect Day».

Reconnect, Villa Castelen in Augst.
Weitere Abende ab 15. August.
www.theater-augusta-raurica.ch