Sanierung

Reigoldswil steht vor fast dreijähriger Leidenszeit

Alles wird neu vom Bach über Mauer bis zur Strasse.

Alles wird neu vom Bach über Mauer bis zur Strasse.

Im August beginnt die Totalsanierung von Kantonsstrasse und Bach im untern Dorfteil, im Juni 2023 erfolgt der Schlusspunkt.

Was für das – vergleichsweise – grosse Liestal der SBB-Vierspurausbau bedeutet, bringt für das zehnmal kleinere Reigoldswil die Totalsanierung von Strasse und Bach im untern Dorfteil an Belastungen mit sich. Hier verbaut der Kanton auf engstem Raum während fast drei Jahren über 20 Millionen Franken (die bz berichtete).

Entsprechend gross war der Aufmarsch bei der Informationsveranstaltung des Baselbieter Tiefbauamts am Montagabend in Reigoldswil. Und das beidseits: auf Seiten der Überbringer der Botschaft mit einem kleinen Heer von Ingenieuren und auf Seiten der Empfänger mit über 150 Zuhörern.

Es wird von unten nach oben gebaut

Der Reigoldswiler Gemeindepräsident Urs Casagrande skizzierte bei der Begrüssung das Spannungsfeld: Er sprach von Belastungen, Unannehmlichkeiten, Brückenabrissen, Sperrungen und Einbahnverkehr, aber auch von einem attraktiveren Dorfbild und von an Wert gewinnenden Liegenschaften. Und Casagrandes vorausschauende Erkenntnis hiess unter dem Strich: «Unser Dorf erhält eine intakte Infrastruktur und wird wesentlich aufgewertet.»

Start der Bauerei ist Mitte August dieses Jahres. Dabei wird mit wenigen Ausnahmen von unten, das heisst ab Tankstelle am Dorfeingang von Ziefen her, nach oben Richtung Dorfplatz Etappe für Etappe gebaut. Ende 2022 sollte alles fertig sein mit Ausnahme des Deckbelags auf der Strasse. Dieser soll dann, so kündete der Bauleiter vor Ort, Urs Zeller von der Firma Basler & Hofmann, an, im Juni 2023 in Form eines Flüsterbelags aufgebracht werden. Der stellvertretende Kantonsingenieur Urs Roth versprach: «Dann werden Sie 25 Jahre Ruhe haben.»

Kern des Bauvorhabens ist eine neue, breitere Strasse und ein rundum erneuertes Bett der Hinteren Frenke inklusive Stützmauern und Brücken. Bezüglich Strasse sprach Gesamtprojektleiter Jonas Woermann vom Tiefbauamt von einer «Kernfahrbahn ohne Mittelstreifen mit beidseitigen Velostreifen und mindestens einseitigem Trottoir»; sowohl Velospur wie Trottoir fehlen heute weitgehend. Der neue Bach wiederum wird laut Woermann auf ein Hochwasser ausgelegt, wie es in Reigoldswil alle 100 Jahre einmal vorkommt, letztmals 1997.

Zudem soll die Hintere Frenke «so weit möglich» ökologisch aufgewertet werden. Das heisst etwa, dass die beidseitige Bach-Betonmauer auf der linken Seite in Fliessrichtung eine Muschelkalk-Steinmauer vorgesetzt erhält, was auch fürs Auge von Vorteil ist. Dazu müssen nicht weniger als 2700 Tonnen dieser Steine verbaut werden.

Seewen-Brücke darf nicht abgerissen werden

Eine Knacknuss bildet auch die wichtigste Brücke im Projektperimeter, die sogenannte Seewen-Brücke. Weil diese Bogenbrücke unter Schutz steht, darf sie nicht abgerissen, sondern muss saniert werden. Deshalb muss für die entsprechende Sperrzeit eine Hilfsbrücke zur Verfügung stehen.

Das Publikum nahm die Informationen trotz aller Erschwernisse gelassen zur Kenntnis, nutzte die Fragerunde kaum und klatschte am Schluss artig Beifall. Doch danach wurden die Fachleute vor den an den Wänden aufgehängten Detailplänen mit Fragen gelöchert.

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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