Rutschmadame
Berset-Sujets unerwünscht

Mit spitzer Feder schreibt unsere Kolumnistin Martina Rutschmann, was sie beschäftigt. Diese Woche sinniert sie darüber, was für sie keinesfalls als Sujet der Fasnacht 2022 infrage kommt.

Martina Rutschmann
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Martina Rutschmann hofft an der kommenden Fasnacht auf neue Sujets - ohne Corona und Alain Berset.

Martina Rutschmann hofft an der kommenden Fasnacht auf neue Sujets - ohne Corona und Alain Berset.

Roland Schmid

«Die Fasnacht kommt über uns wie ein Naturereignis», schrieb das Comité 2020 im «Rädäbäng». Das sollte kein Witz sein und auch keine Anspielung auf das, was folgte. Als der Fasnachtsführer gedruckt wurde, war Corona für uns allenfalls eine ferne Seuche, bestimmt aber kein Sujet. Der Klimawandel sollte Spitzenthema werden. Dann, der Schock! Ein anderes Naturereignis machte der Umweltkatastrophe gleich zwei Mal einen Strich durch das Kostüm.

Doch jetzt, im dritten Jahr, soll es die Impfung wieder möglich machen: Diese Woche verkündeten grosse Cliquen, sie seien nun guter Dinge, dass die Fasnacht stattfinden werde. Das bedeutet: Ein neues Sujet muss her! Schliesslich will keiner mit dem geplanten Thema von damals wie die alte Fasnacht daherkommen. Woodstock ist inzwischen 52 Jahre her, das Eidgenössische Jodlerfest fand gar nie statt – und wer war noch mal «Bethli Ackermaa»? Während die Cliquen sich bereits festgelegt haben dürften, beginnt das Versedrechseln für die Schnitzelbänkler erst. Die Angefressenen dürften stapelweise vollgekritzelter Notizbücher herumliegen haben und sich fragen: Was umsetzen?

Nehmt am besten gar nichts von dem, was in Euren Notizen steht. Wer will schon Berset-Verse hören? Noch keine 50 Jahre alt und bisher kaum je Schnitzelbanksujet, hat er bereits den Status von «Ziirchern» und «Schwooben». Gähn, nicht schon wieder Berset, würde das Publikum beim Anblick des Glatzen-Helgens denken. Auch das Virus selbst – lasst es aus! Wir wollen keine Corona-Aroma-Reime. Die Basler Regierung mag unterhaltsam sein, aber das Zeug zum Wessels hat bisher keine(r). Und die Nationalräte, ja, eine(r) wird gehen müssen, von fünf auf vier, aber das interessiert bis zu den Wahlen 2023 kein Schwein. Und hört mir ja auf mit der Verkehrspolitik! Die beelendet mehr, als dass sie amüsiert. Trump gibt auch nichts mehr her und der ewige FCB – herrje, habt Ihr denn keine neuen Themen?

Vielleicht bringt doch der «Rädäbäng» von 2020 Inspiration. «Mir finde s gar nit glatt, Basel wird zer Gaischterstadt» der Wagenclique Gnillefäger wäre doch was! Wenn sich bis im März nicht mehr Leute impfen lassen, hören wir am Morgestraich wohl Kuhglocken-Klänge statt jene von Piccolos. Ein Naturereignis, aber keines, das uns Basler auf die Strasse lockt.

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