Rutschmadame
Ich werde Skeptikerin

Woche für Woche nimmt die Rutschmadame das regionale Geschehen aus dem Blickwinkel des nahen Elsass aufs Korn. Heute: Warum es sich lohnt, skeptisch zu werden.

Martina Rutschmann
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Unbewilligte Demonstration gegen die Coronamassnahmen und die Corona-Politik in Aarau von Skeptikern.

Unbewilligte Demonstration gegen die Coronamassnahmen und die Corona-Politik in Aarau von Skeptikern.

Raphael Huenerfauth / www.huenerfauth.ch

Ich fühle mich ausgeschlossen. Überall sind militante Skeptiker – und ich gehöre nicht dazu. Ich werde jetzt auch Skeptikerin! Die anderen waren vor ihrer Skeptiker-Karriere auch bedeutungslose Menschen. Warum sollte mir nicht gelingen, was die geschafft haben? Es ist nie zu spät für was Neues. Es braucht nur genug Wut, eh, Mut. Tief durchatmen, in sich hineinfühlen und das Skeptikerherz schlagen hören. Jeder hat es in sich, bei manchen ist es bloss im Siesta-Modus. Weckt es auf! Werdet mit mir Teil des Skeptiker-Mainstreams!

Ich bin Herbst-Skeptikerin. Es kann doch nicht sein, dass das wilde Grün in unseren Gärten plötzlich braun und gelb wird und dann einfach für Monate verschwindet. Und dann dieses Naturwissenschaftler-Gelaber, Blätter bräuchten Sonnenstrahlen, um grün zu sein! Das kann jeder behaupten. Ich habe eine andere Meinung. Welche, muss ich mir zuerst überlegen. Auch bin ich nicht einverstanden damit, dass es kalt und dunkel wird und wir keine einheimischen Tomaten mehr essen können. Ich bin gegen Wintergemüse als Alternative. Eine militante Kohl-Skeptikerin, quasi. Ich glaube nicht an Kohl. Das ist eine Erfindung der Bauern, um uns Blähungen zu verursachen. Und wer steckt dahinter? Die Pharma! Verdient sich dumm und dämlich an Dingen wie unnützen Impfungen und foltert uns trotzdem mit Kohl! Ab sofort verweigere ich mich dieser hirngewaschenen Esskultur. Und setze auf Büchsenravioli. Eine Pfanne – und das Menü ist fertig. Pasta, Gemüse und Fleisch in einem. Kommt mir jetzt nicht mit Mangelernährung. Alles Panikmache! Und das nur, um Ernährungsfachleute zu beschäftigen. Da mache ich nicht mehr mit! Auf zum Bundeshaus!

Und wenn Ihr jetzt denkt, pah, diese Rutschmadame wohnt im Elsass, da gibt es kaum Kühe und schon gar keine Glocken, dann schläft Euer Skeptikerherz tief oder ist schon tot. Wozu brauche ich Trycheln, wenn ich neuerdings lauter ungebrauchte Pfannen habe? Auch damit lässt es sich lärmen. Ueli war mal Knecht, der ist sich einiges gewohnt. Ich höre erst auf mit meiner Skepsis, wenn die Blätter wieder grün sind und die Tomaten rot. Sind wir zusammen laut genug, erreichen wir dieses Ziel! Auch wenn wir bis zum Sommer warten müssen. Und dann können wir uns zurücklehnen und wieder bedeutungslose Bürger und -innen werden.

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