Vertical Farm

Salat aus Indoor-Gemüsefarm kommt ins Ladenregal: Nur die Roboter fehlen noch

Ab heute kann in der Migros-Filiale im Dreispitz Salat und Gemüse aus einer «Vertical Farm» gekauft werden. Dahinter steckt ein Schweizer Start-up – mit grossen Plänen.

Vor einem Jahr tüftelte Marcel Florian in einem Keller im solothurnischen Gretzenbach an seinem Start-up. Der Testbetrieb lief, der Rucola wuchs. «Wir bauen das Treibhaus 2.0», sagte der Geschäftsführer der Growcer AG damals zu dieser Zeitung. Noch durfte er nicht viel über seine Verhandlungen mit einem grossen Schweizer Detailhändler sagen. Nur: «In einem Jahr können Sie meine Produkte im Laden kaufen», sagte Florian mit einem Augenzwinkern.

Seit Februar 2020 ist die Katze aus dem Sack: Growcer baut für die Migros Basel die erste «Robotic Vertical Farm» der Schweiz. Und ab heute können die ersten Produkte in der Migros-Filiale im Dreispitz gekauft werden. Grüner und roter Schnittsalat, Wasabi-Rucola, Federkohl, Mangold und roter Pak Choi aus der Halle 4 beim Bahnhof Wolf. Am Montag durften Medienschaffende die Produktionskammern der «Vertical Farm» besuchen. «Eine Ausnahme», wie Florian betont. Denn eigentlich sollten die Räume möglichst nicht von Menschen betreten werden, um zu verhindern, dass Schädlinge auf die Pflanzen übertragen werden.

Noch kümmern sich Mitarbeitende um die Pflanzen

Das Start-up Growcer existiert seit Februar 2019. Von sieben Mitarbeitenden ist das Team mittlerweile auf 15 angewachsen. Der Umzug aus dem Keller in Gretzenbach hinein in eine Halle des Smart City Lab der SBB in Basel scheint sich gelohnt zu haben. Doch nicht nur der Ort, sondern auch das Projekt haben sich verändert: Vor einem Jahr war von «Robotic Urban Farming» die Rede, daraus wurde nun eine «Vertical Farm». Marcel Holden, Unternehmensentwickler bei Growcer, sagt: «Noch läuft unsere Farm manuell, aber wir wollen bald umstellen auf die Roboter.» Mittels Förderband würden die vertikalen Gestelle, in denen die Salate heranwachsen, nach vorne transportiert, wo ein Roboter die Komponenten mit den Pflanzen drin heraushebt.

Mitarbeitende kümmern sich schliesslich um Ernte und Verpackung der Produkte. Das Ziel: Nur eine Stunde soll zwischen Beginn der Ernte und Ankunft in der Dreispitz-Filiale vergehen. Eine Tonne Blattgemüse kann Growcer derzeit für die Migros produzieren. Bald sollen acht Tonnen möglich sein. Die Coronakrise habe den Ausbau der Anlage als auch die Inbetriebnahme des Roboters verzögert, so Florian.

Growcer will die weltweit grösste Farm bauen

Für die Migros ist das Projekt mit Growcer eine Investition in Innovation, wie Produktmanager Reto Böhner sagt. «Das Start-up stellt sein technisches Know-how zu Verfügung, wir vermitteln den Kontakt zu den regionalen Produzenten und diese beteiligen sich mit dem Wissen über Anbau und Pflege der Pflanzen», beschreibt Böhner die aus Migros-Sicht ideale Symbiose. Der Detailhändler sprach einen Projektkredit, die Verträge laufen fünf Jahre lang. Danach könne sich die Migros vorstellen, mit eigenen Projekten daran anzuknüpfen. Böhner: «Auch der Genossenschaftsbund und damit die gesamte Migros hat Interesse.»

Growcer profitiert derzeit vom Migros-Projekt. Dennoch betont Geschäftsführer Florian, sein Start-up bleibe unabhängig. «Wir sind Technologieanbieter, nicht Produzenten. Also könnten wir in ein paar Jahren etwa für Coop eine solche ‹Vertical Farm› bauen», sagt er, wieder mit einem Augenzwinkern. Growcer schmiedet nämlich bereits die nächsten Pläne. Die weltweit grösste «Vertical Farm» soll es werden. Standort wäre die Ostschweiz. Beteiligt sei wiederum ein Detailhändler, so Florian.

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