Sammelaktion
Eine Million Zigarettenstummel wollen sie sammeln: Basler Schulklassen sagen dem Littering den Kampf an

Nicht entsorgte Zigarettenstummel sind ein Problem. Ein grosses; und zudem nicht nur ein ökologisches, wie das Basler Tiefbauamt bestätigt. Basler Schulklassen sammeln nun im Rahmen einer schweizweiten Aktion Stummel, um die Bevölkerung zu sensibilisieren.

Elodie Kolb
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Zigarettenstummel belasten nicht nur die Umwelt, sondern wie Dominik Egli vom Tiefbauamt es formuliert: «Es sieht einfach auch übel aus.»

Zigarettenstummel belasten nicht nur die Umwelt, sondern wie Dominik Egli vom Tiefbauamt es formuliert: «Es sieht einfach auch übel aus.»

Nadja Rohner / AAR

Eine Million Stummel wollen die Initiantinnen und Initianten des Projekts stop2drop in den nächsten zwei Wochen schweizweit sammeln. «Zigarettenstummel sind eines der gesellschaftlich anerkanntesten Littering-Probleme, die es gibt», sagt Markus Dick vom Experiment Nichtrauchen und Projektleiter der Aktion. Gemeinsam mit einer Schulklasse aus dem bernischen Burgdorf hat er das Projekt stop2drop lanciert. Oder übersetzt: Hör auf, es fallen zu lassen. «Wir wollen zeigen, wie viel möglich ist in so kurzer Zeit», sagt Dick. Er hofft vor allem auf die Mithilfe der schweizweit rund 1900 Schulklassen, die beim Experiment Nichtrauchen mittun, sagt aber: «Jeder kann helfen.»

Auch in den beiden Basel sind Schülerinnen und Schüler beteiligt: Im Stadtkanton sind es 32 Klassen, auf dem Land gar über 100. Die Aktion solle auf die mit den weggeworfenen Zigarettenstummel zusammenhängende Umweltproblematik sensibilisieren, so Dick. Denn: Ein einziger Stummel vergiftet etwa 40 bis 60 Liter Wasser, wie Dominik Egli vom Tiefbauamt Basel bestätigt. Aber auch für Kleinkinder können die Überbleibsel gefährlich werden, wenn sie gegessen oder verschluckt werden. «Und es sieht auch einfach übel aus», kommentiert Egli. Projektleiter Dick hält das Problem der Kippen für eines, wogegen man vorgehen kann: «Und wenn man aktiv wird und sich nach einem Stummel bücken muss, merkt man eigentlich erst, wie viel es überhaupt sind».

Alleine in der Stadt Basel liegen Millionen Stummel herum

Eigentlich ist Littering in Basel verboten und wird mit einer Ordnungsbusse von 80 Franken gebüsst. Eine eigene Statistik für Zigarettenstummel führt das Statistische Amt in Basel allerdings nicht. Ordnungsbussen für Littering gab es letztes Jahr insgesamt 128. Wie an vielen Orten seien die Kippenüberreste auch in Basel ein grosses Problem. Dazu Egli: «Auf einer 80 Kilometer langen Strecke, die wir letztes Jahr zwischen April und Dezember täglich abgefahren sind, haben wir 4,5 Millionen Stummel gezählt.»

Diese befinden sich laut Egli vor allem dort, wo Menschen warten und sich länger aufhalten. So auch am Rheinufer. Vor zwei Jahren lancierten Studierende das Projekt «Stopp dem Rheinwurf» und stellten kostenlose Aschenbecher am Rheinufer zur Verfügung. Für Egli ist das ein ähnlicher Ansatz wie die Bodenaschenbecher, die an der Tramhaltestelle Münchensteinerstrasse getestet wurden. Zwar eine gute Idee, aber er bezweifle die Wirksamkeit solcher Einzelmassnahmen. «Wir glauben an eine ganzheitliche Lösung, um nachhaltig gegen Littering von Zigarettenabfällen vorzugehen.»

Egli hofft zur Lösung des Problems auf zwei Entwicklungen: «Wir brauchen zum einen ein attraktives Angebot.» Das solle mit den Solareimern, die alle einen integrierten Aschenbecher haben, erreicht werden. «Und es braucht eine Ächtung in der Bevölkerung, die sagt: Das wollen wir nicht mehr.» Laut Egli geht das Projekt stop2drop genau in diese Richtung. Seit gestern und bis am 22. März läuft die Aktion. Sammeln solle man die Stummel in 1,5-Liter-PET-Flaschen, damit sie am Schluss zusammengezählt werden können. In eine Flasche passen laut Initiantinnen und Initianten etwa 450 Stummel.