Strafgericht

Schläge und Tritte im Lift des Messeturms

Nach einem Abend, der mit einem Firmenanlass begonnen und sich bis zum Ausklang in der Bar Rouge in die frühen Morgenstunden des 5. September 2010 verlängert hatte, kam es zu Gewalt. Security-Angestellte wurden nun deswegen verurteilt.

Nach einem Abend, der mit einem Firmenanlass begonnen und sich bis zum Ausklang in der Bar Rouge in die frühen Morgenstunden des 5. September 2010 verlängert hatte, wollte Tom B. (Name von der Redaktion geändert) nur noch eines: nach Hause gehen. Er hatte rund 1,2 Promille intus, wusste aber noch genau, wo er seinen Pullover deponiert hatte: im VIP-Bereich. Er habe den Pulli geholt und das Lokal verlassen wollen, als sich ihm ein Security-Mann in den Weg gestellt und ihn gepackt habe, sagte Tom B. als Auskunftsperson vor Gericht.

Was nun als nächstes passierte, schilderten Tom B. und der Sicherheitsangestellte übereinstimmend: Es kam zu einer Rangelei, wie Ringer umklammerten sie einander und bewegten sich so in Richtung Lift, bis Tom B. dank seiner Judo-Erfahrung der rettende Gedanke kam. Er schlug vor, auf drei loszulassen. Dies funktionierte, und eigentlich sei für ihn die Sache erledigt gewesen. Plötzlich sei aber eine ganze Horde von Security-Männern auf Tom B. losgeprescht und habe ihn in den Lift gestossen, hatte ein Kollege von Tom, der die Szene beobachtet hatte, in der Strafuntersuchung zu Protokoll gegeben. Was sich dann im Lift abgespielt hat, weiss Tom B. nicht mehr. Er habe sich gegen die Schläge zu schützen versucht, danach erinnere er sich an nichts mehr.

Die Staatsanwaltschaft hat vier Security-Angestellte wegen Angriffs angeklagt; drei sollen Tom B. im Lift mit Schlägen und Tritten attackiert haben, der vierte habe mitgeholfen, ihn von seinen Kollegen zu trennen. Gestern standen drei der vier vor dem Strafgericht, der vierte war nicht erschienen. Alle drei stellten in Abrede, dass es zu Schlägen gekommen sei, und machten, in Kürze zusammengefasst, geltend, sie hätten bloss ihren Job ausgeübt.

Tom B. sei aggressiv und stark betrunken gewesen und im Lift in Panik geraten, sagte der Türsteher, der in den Ringkampf verwickelt gewesen war. Gerichtspräsidentin Kathrin Giovannone, die den Fall als Einzelrichterin zu behandeln hatte, kam jedoch zum Schluss, dass die vom Arztzeugnis aufgelisteten Folgen (sichtbare Verletzungen am Kopf, Prellungen und Schmerzen am Kiefer) nicht durch Festhalten entstanden sein können. Und wenn die Security jeden Gast mit einer Alkoholisierung um 1,2 Promille hinauswerfen würde, wäre die Bar Rouge halbleer, sagte die Vorsitzende zur Argumentation der Angeklagten.

Die Richterin sprach das Trio nicht wie beantragt wegen Angriffs, sondern wegen einfacher Körperverletzung schuldig. Jeder Angeklagte habe dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet, auch jener, der nicht im Lift gewesen sei. Dieser habe dafür gesorgt, dass die Kollegen von Tom B. nicht intervenieren konnten, unter anderem mit dem Hinweis auf die Kamera im Lift. Dabei habe er gewusst, dass die Kamera nicht lief, hielt Kathrin Giovannone fest. Im Gegensatz zum Staatsanwaltschaft, der bedingte Freiheitsstrafen gefordert hatte, entschied sich die Richterin für bedingt vollziehbare Geldstrafen. Diese betragen 275, 300 respektive 240 Tagessätze. Ausserdem verurteilte das Gericht die drei zur Bezahlung von 500 Franken Schadenersatz und einer Genugtuung von 1500 Franken.

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