Schneeballsystem
Betrugsfall ASE: Präsident des Fricktaler Vermögensverwalters muss ins Gefängnis

Das vom Bundesgericht als zu milde taxierte Urteil wurde nun vom Aargauer Obergericht verschärft. Das Schneeballsystem der ASE gehört zu den grössten Betrugsfällen der Schweiz.

Andreas Möckli
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In Frick war die ASE Investment zu Hause.

In Frick war die ASE Investment zu Hause.

Walter Bieri / KEYSTONE

In der schier unendlichen Saga um den Betrugsfall ASE wurde ein wichtiges Urteil gefällt. Der Präsident des Fricktaler Vermögensverwalters, Simon Müller, wurde vom Aargauer Obergericht zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Das Gericht hat damit in seinem zweiten Urteil zum Fall die Strafe beinahe verdoppelt. Mit dem ersten Urteil des Obergerichts war der Staatsanwalt nicht zufrieden gewesen. Er gelangte deshalb an das Bundesgericht, das die Beschwerde gutgeheissen und den Fall zur Neubeurteilung an das Obergericht zurückgewiesen hat. Müller kann das Urteil nun seinerseits wiederum vor Bundesgericht anfechten.

Ob er dies tut, ist fraglich. Schliesslich war es das Bundesgericht, dass eine höhere Strafe forderte. Das höchste Gericht kam zum Schluss, dass Müller auch wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Misswirtschaft zu verurteilen ist. Das Obergericht dagegen erachtete Müller nur in Sachen mehrfacher Geldwäscherei als schuldig.

Vergeblich Milde gefordert

Die drei Buchstaben ASE standen für Anlage, Sicherheit und Ertrag. Doch statt der versprochenen Rendite von jährlich bis zu 18 Prozent endete die vermeintlich sichere Anlage für viele Betroffene – gerade auch in der Region – im Totalverlust. Zurück blieben knapp 2000 Geschädigte und ein Schaden von 170 Millionen Franken. Neben dem Fall Behring gehört das Schneeballsystem der ASE zu den grössten Betrugsfällen der Schweiz.

Müller forderte vom Aargauer Obergericht vergeblich Milde. Er argumentierte, seine Reue solle strafmildernd berücksichtigt werden. Zudem werde er wegen der Haft seine Stelle verlieren und danach sei es für ihn unmöglich, eine neue Arbeit zu finden. Auch seine schwere Jugend sowie seine derzeitigen Schlafstörungen und psychischen Probleme bewogen das Gericht nicht, die Strafe ­tiefer anzusetzen.