«Science + Fiction»-Festival
Einen ganzen Monat zum Fünfjährigen: Wissenschaft im Zeichen des Körpers

«Science + Fiction», das Basler Festival der Wissenschaften, feiert die fünfte Ausgabe mit einem ausgeweiteten Programm. Statt nur wie bisher an einem verlängerten Wochenende wird es einen Monat lang Workshops, Gespräche, Filme und Performances zum Thema Körper geben. Neu findet das Festival auf dem Klybeckareal statt.

Rahel Empl
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An Stadtspaziergängen wird etwa der Frage nachgegangen, was es für eine Person im Rollstuhl bedeutet, sich durch die Stadt zu bewegen.

An Stadtspaziergängen wird etwa der Frage nachgegangen, was es für eine Person im Rollstuhl bedeutet, sich durch die Stadt zu bewegen.

Raphael Hünerfauth

Es ist der Ort, wo unsere Seele wohnt, der uns trägt, wo auch immer es uns hinzieht. Lapidar formuliert nichts weiter als eine Hülle, doch im Grunde viel mehr als das: der menschliche Körper. Das Selbstverständlichste der Welt, gleichzeitig ein Mysterium. Noch nie stand der Körper aus optischer Hinsicht, im Zuge des Hypes um Soziale Medien und der Veränderung gesellschaftlicher Normen, sowie hinsichtlich der Genderwissenschaften derart im Fokus. So gibt er Anlass für ständige Auseinandersetzungen in persönlichen, sozialen, kulturellen, politischen - und auch wissenschaftlichen Kontexten.

Es ist beileibe kein Zufall, dass sich die diesjährige fünfte Ausgabe des Basler Festivals «Science + Fiction», das den Dialog auf Augenhöhe zwischen Wissenschaft und breitem Publikum fördern will, um den Körper dreht. «Eine Umfrage am Festival vor zwei Jahren hat ergeben, dass eine Beleuchtung dieses Themas in unterschiedlichen Kontexten gewünscht wird,» sagt Laura Schuppli, Kommunikationsverantwortliche von «Science + Fiction». Und es gibt viel zu diskutieren und zu entdecken, weshalb sich die Organisatoren, der Verein für Wissenskultur Science and Fiction, dazu entschieden haben, das kleine Jubiläum des Festivals nicht nur an ein paar Tagen, sondern fast den ganzen Monat lang durchzuführen, konkret ab heute bis zum 25. September. An neuem Ort in Basel: Workshops, Performances, Podiumsdiskussionen und Filmvorführungen finden auf dem sich gerade transformierenden Klybeckareal statt, konkret in der Veranstaltungshalle Humbug und im Neuen Kino.

An diesen Veranstaltungen wird einem bunten Strauss an Fragen nachgegangen, etwa: Wie entstehen Schönheitsideale? Warum geht der weibliche Körper bei der Datenerhebung oft vergessen? Was passiert bei der Veränderung der menschlichen DNA und welche gesellschaftlichen Fragen wirft das auf?

Kleinere Beiträge von mehreren Förderern

Die programmatische Ausdehnung des Festivals ist auch Corona geschuldet - man hat quasi aus der Not eine Tugend gemacht. Schuppli erklärt: «Ein Festival in Zeiten einer Pandemie zu planen, ist eine Herausforderung. Wir beschlossen, agiler zu werden. Nicht eine geballte Ladung an Veranstaltungen während wenigen Tagen anzubieten, sondern das Ganze zu entflechten. So können wir bei einzelnen Anlässen besser auf kurzfristige Entwicklungen reagieren.» Entsprechend rechnen die Veranstalter mit weniger Leuten pro Event, im gesamten aber mit einem ähnlich hohen Besucheraufkommen wie schon in den Ausgaben zuvor. Schuppli:

«Wir gönnen uns diesen Freiraum, etwas Neues auszuprobieren.»

Obschon das «Science + Fiction» an deutlich mehr Tagen stattfindet, muss das junge Festivalteam um Geschäftsleiter Matthias Ammann mit demselben Budget kutschieren. Schuppli erläutert, bis 2019 sei der Anlass von Stiftungen mit grösseren Beiträgen unterstützt worden, als die Förderung noch unter «Aufbaufinanzierung» lief. Da diese nun abgeschlossen sei, habe man dieses Jahr bei Stiftungen vor allem Gesuche für Teilprojekte eingereicht. «Deswegen erhalten wir für dieses Festival kleinere Beiträge von mehreren Förderern,» sagt Schuppli.

So werden etwa spezielle Stadtspaziergänge von der Sulger Stiftung unterstützt, die den Fragen nachgehen, wie sich etwa eine Person im Rollstuhl durch die Stadt bewegt, wie sich die Wege verändern, wenn man plötzlich mit Kinderwagen mobil sein muss, und wie sich ein Blinder im Getümmel orientiert. Geleitet werden die Rundgänge unter anderem von der Humangeografin Jana Schmid.

Kantonsarzt Thomas Steffen zu Gast

Zu weiteren Highlights gehören laut Schuppli der Eröffnungsabend am 1. September im «Humbug» mit einer Keynote der Philosophin und Anthropologin Anna Bloom Christen sowie einem Kurzfilmtalk mit Filmemacherin Milva Stutz und Biochemiker Jeans-Yves Wach. Das beliebte Quiz findet auch wieder statt; im Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern werden knifflige Fragen zum menschlichen Körper beantwortet.

Und auch das «Science + Fiction» vermag Corona nicht zu ignorieren, kann das Virus doch Einiges mit unserem Körper anstellen: In einem Workshop im «Humbug» am 25. September werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Medizin und Politik sowie die Theatergruppe «Prinz Ip» verschiedene Szenarien durchspielen, um besser zu verstehen, wie sich wissenschaftliche Aussagen in Politik übersetzen lassen. In der anschliessenden Podiumsdiskussion wird unter anderem mit Kantonsarzt Thomas Steffen die Rolle der Wissenschaften in der Corona-Krise diskutiert.

Überhaupt kann das diesjährige Festival mit einer Vielzahl von Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft und Forschung aufwarten, darunter viele von der Uni Basel. «Science + Fiction»-Sprecherin Laura Schuppli betont, wie sehr man diese guten Kontakte schätze. Eine exklusive Zusammenarbeit schliesse sie aber aus: «Wir wollen unabhängig bleiben.»

Science + Fiction, Das Festival der Wissenschaften. Humbug, Klybeckstrasse 241/K104, Basel, Neues Kino, Klybeckstrasse 247, Basel, und weitere Standorte.
Mi, 1. bis Sa, 25. September.

Der Festivalpass kann auf der Webseite des Festivals oder an der Abendkasse der jeweiligen Veranstaltung gekauft werden, er kostet 35 respektive 25 Franken (reduziert). Er gilt für alle Veranstaltungen im Humbug oder im Neuen Kino.
Detailliertes Programm und weitere Infos unter www.scienceandfiction.ch

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