Richtiges Namensschild? Die Broschüren eingepackt? Sitzt die Kleidung? Kurz vor dem Abflug; eine gewisse Nervosität nicht zu verleugnen. Obwohl: «Ich nervös? Von wegen», versichern alle Sieben. Dann heben sie ab. Die Treppe aus dem Keller des Hotel Radisson Blu hinauf, durch das Restaurant, hinaus; hinaus nach Basel, zum Barfüsser- und Marktplatz, zur Freien Strasse, zum Bahnhof, hin zu den verwirrten und verlorenen Touristen. Gestern, 14 Uhr: das Projekt «Flying Concierges» ist offiziell gestartet.

Noch zuvor im Restaurant stellte ein älterer Herr, Kaffee schlürfend, zum ersten Mal die Frage, die noch oft an diesem verregneten Nachmittag gestellt werden würde: «Wer seid ihr?» Die Flying Concierges, die ehrenamtlichen Touristenhelfer, sind in Basel bisher noch ein unbeschriebenes Blatt Papier. In Zukunft wird man sie vermehrt in der Stadt antreffen. Vor allem während Grossanlässen, wie derzeit der Art Basel. Es ist ein gemeinsames Projekt von Basel Tourismus, dem Basler Hotelier-Verein und dem Grand Casino Basel. Ziel: Den Touristen in Basel mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Nasser Start

«Wir hätten besser gestern gestartet», sagt Ann Müller, die Projektleiterin, mit einem Schmunzeln. Wettertechnisch zeigt sich Basel alles andere als von seiner schönsten Seite. Immer wieder regnet es. «Zumindest können wir gleich unsere Schirme ausprobieren», sagt Müller. Auch der Rest der Ausrüstung wird einem ersten Test unterzogen. «Es gibt nur die falsche Kleidung», sagt Petra Harr-Dehn, eine der beiden auf dem Bahnhofsplatz stationierten Concierges. Der Regen prallt von der Weste ab, das Cap hält den Kopf trocken. Die ganze Ausrüstung ist hellblau, durchbrochen von einer gelben Sprechblase. «A?k Me, I’m a local», fordert der darin geschriebene Schriftzug auf. «Wichtig ist aufzufallen», sagt Hans Kradolfer, der seit 1947 im Kanton Baselland wohnt. Beide Flying Concierges tragen ein Namensschild. Es weist sie als «Hans» und «Petra» aus. Auffällig ist vor allem die Fahne, die Petra wie einen Rucksack auf ihrem Rücken trägt. Ein Herr, Typ Geschäftsmann, um die vierzig, stellt nach zehn Minuten die erste Frage: «Which is the tram to the Art Basel?» «Number 2», die schnelle Antwort, begleitet von einem charmanten Lächeln. «Ich finde die Fahne nicht schlimm», sagt Petra. Im Vorfeld haben sich einige der bisher rund 100 angemeldeten Freiwilligen darüber aufgeregt, ein paar weigern sich sogar, diese zu tragen. «Sie ist gar nicht so schwer.»

Petra ist Deutsche, kommt ursprünglich aus Hamburg. 1991 zog sie in die Schweiz. Zuerst nach Baselland, seit 2008 wohnt sie in der Stadt. Verloren in Basel, sie weiss, wie sich das anfühlt. Bei ihrem ersten Ausflug in Basel habe sie sich «gewaltig verlaufen». Ihr Weg vom Aeschenplatz in die Innenstadt dauerte viel länger als geplant. «Im Nachhinein stellte sich heraus, dass ich gar nicht so falsch lag.» Das Gespräch wird unterbrochen: «Quel est le nombre de tramway à Art Basel?» Ehrenamtlich Touristen helfen, wieso macht man das? «Einige meiner Kollegen halten mich für verrückt.» In dieser Zeit würde man besser arbeiten und Geld verdienen sagen sie. «Geld ist nicht alles», sagt Petra.

Berner sucht Läckerli

Pause auf einer Sitzbank am Centralbahnplatz. Hans erzählt von allen, denen er bereits helfen konnte. «Ein Berner suchte Basler-Läckerli.» Hans wusste Rat. Doch er hat eine wichtige Regel: «Du kannst nicht alles wissen.» Seit 16 Jahren ist der heute 75-jährige pensioniert. Zuvor arbeitete er 44 Jahre für die SBB. Auskunft geben, er war es sich gewohnt. «Ich helfe gerne.» Bereits an der Euro 2008 stand er im Dienste von Basel Tourismus. Er führte Journalisten durch die Stadt. «Mit Fussball hatte das nicht viel zu tun.»

Ein Herr in Sandalen blickt ratlos auf den als Flying Concierge gekleideten Hans. «Was macht ihr?», fragt er. «Wir helfen, wenn sich jemand nicht auskennt», antwortet Hans. «Hast du eine Frage?» «Gibt es ein Tram nach Weil am Rhein?» «Tram Nummer 8, fährt alle 15 Minuten.» Der Herr zündet sich eine Zigarette an, stellt sich neben die Sitzbank: «Wieso habt ihr so schlechtes Wetter?» Hans: «Für das können wir auch nichts.»