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Die Kultur und die Konzertfabrik Z7 müssen in Pratteln Zukunft haben

Vergangene Woche gab das Team der Z7 bekannt, dass dem Konzertlokal Ende 2022 das Aus drohe. Nun steht die Politik in der Pflicht, eine Lösung zu finden für die Parkplatzsituation.

Susanne Leutenegger Oberholzer
Susanne Leutenegger Oberholzer
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Kultur ist das Salz im Brot des Lebens. Ohne Kultur verkümmert der Mensch. Zur Kultur gehören alle menschlichen Ausdrucksformen kreativen Schaffens. Was ist Kultur in der Musik? Sie auf die Klassik reduzieren zu wollen, wäre schlichtweg falsch. Das meine ich als Konsumentin von hochsubventionierten Opern und Sinfoniekonzerten.

Kulturförderung gehört zum politischen Auftrag. Auch im Baselbiet. Der Kanton fördert ausserordentliche kulturelle Leistungen. Das zu Recht. Regelmässig wird das Kunst- und Kulturschaffen der Region mit Preisen ausgezeichnet. Vor zehn Jahren hat Norbert Mandel mit der Konzertfabrik Z7 den Baselbieter Kulturpreis für kulturelle Leistungen erhalten.

Eine der renommiertesten Konzerthallen weit herum

Seit 1994 betreibt der umtriebige Veranstalter in Pratteln hochprofessionell eines der beliebtesten Konzerthäuser der Schweiz. Von aussen zeigt sich die ehemalige Lagerhalle unscheinbar. Drinnen kommen bei jedem gut besuchten Konzert der Wow-Effekt und das Kribbeln. Man versteht, warum das Z7 zu einer der renommiertesten Konzerthallen weit herum wurde.

In bald 30 Jahren fanden weit über eine Million Besucherinnen und Besucher den Weg zu den über 2700 Konzerten und Veranstaltungen. Für Rock- und Heavy-Metal-Fans ist die Kraftwerkstrasse 7 in Pratteln die erste Adresse für Livekonzerte in erstklassiger Konzertqualität und gleichwohl familiärer Atmosphäre. Legendär sind auch die Open­ Airs.

Ein auf der ganzen Linie erfolgreiches Projekt

Seit 15 Jahren funktioniert die Konzerthalle ohne staatliche Beiträge. Dass soll Norbert Mandel und seiner Crew erst mal jemand nachmachen. Das Z7 ist ein auf der ganzen Linie erfolgreiches Projekt und die erfolgreichste kulturelle Institution der Region.

Und nun droht das Aus. Nicht, weil die Betreiberinnen nicht weiter machen wollten. Im Gegenteil. Grund ist die ungelöste Parkplatzsituation am Standort. Die Zahl der Konzertbesucherinnen hat sich verdoppelt. Viele kommen aus Gebieten, die nach Konzertende nicht mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen sind. Sanierungsarbeiten am Gebäude sind dringend nötig. Die Investitionen verlangen aber Planungssicherheit über die nächsten 20 Jahre.

Die Lösung läge auf der Hand

Dabei liegt die Lösung, wie so oft, auf der Hand. In unmittelbarer Nähe verfügt die Gemeinde über ein grosses Areal, das sie seit Jahren für einen Migros-Baumarkt Obi freihält. Die Frage lautet schlicht und ergreifend: Das erfolgreiche Z7 mit einer Aura weit über Pratteln hinaus oder ein weiterer Baumarkt? Wie die Bevölkerung nach dem Referendum gegen die Tramverlängerung als Votum gegen die weitere Überbauung in Pratteln entscheiden würde, ist für mich klar.

Wann lernen die Behörden, dass zu einer guten Politik auch die Bestandespflege gehört? Das gilt auch für kulturelle Einrichtungen. Baumärkte haben wir in der Region mit Sicherheit genug. Das Z7 muss Zukunft haben. Dazu braucht es endlich ein klares Bekenntnis der Gemeindebehörden und des Regierungsrats. Die erfolgreiche kulturelle Institution darf nicht sterben. Die Politik steht in der Verantwortung.

Susanne Leutenegger Oberholzer politisierte 23 Jahre im Nationalrat (für Poch und SP). Die Juristin und Ökonomin lebt in Augst.

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