Restaurant-Kontrollen

Smileys bewerten die Hygiene in den den Beizen

Ob diese Küche sauber ist, bewerten Inspektoren alle zweieinhalb Jahre.

Ob diese Küche sauber ist, bewerten Inspektoren alle zweieinhalb Jahre.

Das Gesundheitsdepartement möchte das Konzept aus Dänemark nach Basel holen. Bei diesem System zeigen Smileys an, wie das Lebensmittelinspektorat das Restaurant bewertet hat.

Wer in einem dänischen Restaurant isst, weiss, wie sauber die Küche ist. Das Zertifikat hängt an der Wand. Wenn den Gast ein Smiley anstrahlt, ist in Sachen Hygiene alles in Butter. Das Lebensmittelinspektorat hat bei seinem letzten Besuch keine Mängel entdeckt. Die Kunden erfahren in der Metzgerei, in der Beiz oder an der Würstchenbude, wie die letzten Kontrollen verlaufen sind. Ein Strichmund bedeutet eine Ermahnung, Mundwinkel nach unten eine Strafverfügung. Ein System, das sich bewährt, denn in Dänemark wird es seit über zehn Jahren durchgeführt.

«Inspektionen nehmen ab»

Anne Lévy vom Basler Gesundheitsschutz möchte dieses auch in Basel einführen. Sie ärgert sich ungemein, dass hier nach Lebensmittelkontrollen die Schweigepflicht gilt (bz von Mittwoch). «Die Erfahrung der Dänen beweist, dass durch das System des Öffentlichkeitsprinzips die Anzahl der Lebensmittelinspektionen abgenommen hat.»

Ein Argument, das bei Maurus Ebneter vom Basler Wirteverband nicht zieht. Er ist gegen eine Veröffentlichung von Hygiene-Resultaten. «Mir macht Sorgen, dass Wirte, die gute Arbeit leisten, möglicherweise im falschen Moment geprüft werden. Fehler können überall passieren.» Zudem gebe es in der Gastronomie viele Wechsel unter den Wirten, den Küchenchefs, den Mitarbeitern. «Es kann nicht sein, dass jemand unter der schlechten Bewertung des Vorgängers leidet.» Die Frage sei, wo die Grenze zwischen Bagatellen und Beanstandungen liegt. Bestraft werden Wirte, die noch handwerklich arbeiten. «Zu tiefe Toleranzwerte fördern die industrielle Lebensmittelverarbeitung, denn wer auf Nummer sicher gehen will, weicht auf Convenience-Produkte aus.»

Die Meinungen von Lévy und Ebneter gehen auch bei den Personal- und Kostenfragen auseinander. Heute werden die Betriebe in Basel alle zweieinhalb Jahre kontrolliert. Um keine Momentaufnahmen, sondern aussagekräftige Bewertung zu erhalten, müsste man mehrmals pro Jahr kontrollieren, sagt Ebneter. «Wer soll das bezahlen?» Lévy sieht das anders: «Die Kosten sinken, weil die Beizer Selbstkontrollen durchführen.»

Appell an guten Menschenverstand

Ebneter verfolgt auch eine emotionale Linie, indem er an den gesunden Menschenverstand appelliert. «Wir leben nicht in einer keimfreien Welt. Wenn man bedenkt, wie empfindlich die Menschen heute sind und wie schwach deren Immunsystem, muss man sich fragen, wie sinnvoll extrem tiefe Toleranzwerte sind.» Er wolle die Problembetriebe in Basel nicht in Schutz nehmen. «Wir fordern ein härteres Vorgehen bei Problembetrieben. Die Behörden haben sich mehr auf diese zu konzentrieren.» Aber es sei nicht Aufgabe des Staates, für eine bestimmte Qualität zu sorgen, sondern die Bevölkerung vor Gesundheitsgefahren zu schützen.

In Dänemark weiss der Gast gar, wie die Beiz vom Hygieneamt in den vergangenen Jahren bewertet wurde. Es ist Pflicht, die letzten vier Smileys aufzuhängen. Wer viermal das strahlende Gesicht erhält, steigt gar eine Kategorie auf – seit 2008 wird das Elite-Smiley verliehen. Auch die Prozentzahlen sagen einiges aus: 2010 erhielten knapp 87 Prozent aller geprüften Betriebe ein strahlendes Smiley. Im Jahr 2002 waren es noch 70 Prozent. Und heute besitzen gar 50 Prozent aller Betriebe das Elite-Smiley.

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