Politik
So besichtigen Primarschüler das Machtzentrum der Schweiz

Die Primarschüler aus Frenkendorf besichtigten das Bundeshaus - und hatten auch ohne Bundesrätin und Aussenministerin Calmy-Rey eine Menge Spass in Bern.

Michel Ecklin
Merken
Drucken
Teilen
5 Bilder
So besuchen Primarschüler das Machtzentrum der Schweiz

«Sie erteilt Befehle.» «Sie ist ganz wichtig für die Schweiz.» «Sie macht die Wetterprognose»: Das waren die Dinge, die die Kinder der Primarschule Egg bis gestern über Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey wussten. Gestern wären sie zu einer Privataudienz bei der Magistratin eingeladen gewesen, als Belohnung für das Verkaufen von Swissaid-Abzeichen (siehe Box). Wochenlang bereiteten die Neun- bis Zehnjährigen Fragen vor, die sie Calmy-Rey hätten stellen wollen: «Wie viele Stunden arbeiten Sie?» «Waren Sie gut in der Schule?» «Wollten Sie schon als Kind Bundespräsidentin werden?»

«Die sind aber fett»

Calmy-Rey musste dann kurzfristig absagen. Aber davon liessen sich weder die Schüler noch ihre Lehrer Claude Mesmer und Thomas Tschopp die Laune verderben. Vorgesehen war sowieso eine Bundeshaus-Führung. Dort verstanden die Kinder nur einen Bruchteil des Erzählten. «Das Bundeshaus ist grösser als ein Fussballfeld», sagte Lucca staunend, als er auf dem Bundesplatz stand. Yves liess sich auf einen Nationalratssitz fallen und meinte: «Jetzt bestimmen wir, dass es in Bern überall Süssigkeiten gibt und nicht mehr Bären.» Vor den drei schwörenden Eidgenossen im Kuppelsaal kicherten drei Mädchen: «Die sind aber fett.» Amy war beeindruckt von den vielen Kantonswappen an den Wänden, fand aber dasjenige des Baselbiets nicht.

Sonnenlied für die Frohnatur

Die Grüsse, die Calmy-Rey von einer Deza-Mitarbeiterin übermitteln liess, wurden auf Französisch übersetzt. Denn Swissaid hatte nicht nur die Frenkendörfer Klasse eingeladen, sondern auch je eine Klasse aus Genf, aus Sankt Gallen und Fribourg. Letztere sang das Senselied, aus Sankt Gallen kam ein «Grüezi» in zehn Sprachen. Die Frenkendörfer sangen ein Sonnenlied, «weil Frau Calmy-Rey eine Frohnatur ist», so Mesmer. Voller Stolz durfte Schülerin Jeyapiritaika das Geschenk für die Bundespräsidentin an deren Mitarbeiterin überreichen.

Fachsimpeln über Computerspiele

Spätestens beim überwältigenden Anblick auf die Alpen von der Bundesterrasse aus war die Enttäuschung über die Absage der Bundespräsidentin vergessen. Einige Kinder sagten, sie seien noch nie in den Bergen gewesen. Spontan ergaben sich beim Picknick ein paar Gespräche mit der Schulklasse aus Genf. «Nein, meine Schüler können noch nicht Deutsch», bestätigt der Genfer Lehrer - die Gebärdensprache übersprang alle kulturellen Grenzen, es wurde auf beiden Seiten viel gelacht. Einige Baselbieter Buben fachsimpelten mit ihren Fribourger Kollegen über Computerspiele.

Auf der Rückreise zogen sich einige die Schweiz-Mützen an, die sie in roten Tüten mit weissen Kreuzen erhalten hatten. Andere entdecken in einer ausgehändigten Broschüre eine Liste der Nationalräte, auch derjenigen aus dem Baselbiet. «Hey, der hing doch kürzlich in Frenkendorf auf Plakaten», ruft ein Kind aus.