Am Wochenende würden die Revierförster, sofern es die Situation zulasse, ihre Gebiete abgehen und dann ihre Erkenntnisse an das Amt weiterleiten. «Es kann aber gut sein, dass in einigen Gebieten angebrochene Bäume und lose Äste in den Baumwipfeln es für mehrere Tage nicht zulassen, in den Wald zu gehen», sagt Meier. Der Bevölkerung rät er dringend vom Waldspaziergang ab.

Der Forstingenieur liess gestern seine «normalen Arbeiten» ruhen, um sich voll und ganz dem Sturm zu widmen. Er sammelte eingehende Informationen und probierte, sich so gut es geht, einen Überblick zu verschaffen. Es gebe ein Handbuch, in dem die Erfahrungen von vergangenen stürmischen Tagen zusammengetragen sind. Anhand dessen plant man beim Amt für Wald zurzeit das Vorgehen für nächste Woche.

Wo müssen Waldgebiete gesperrt werden? Wo wird zuerst geräumt? Wird überhaupt etwas gemacht? Für Antworten, betonte Meier am Freitag immer wieder, sei es aber noch zu früh. Denn: «Viel mehr als Sie weiss ich nicht», gab Meier sich gegenüber der bz ehrlich. Erst am Sonntagabend, wenn die meisten Förster sich in ihrem Gebiet ein Bild des Schadenausmasses gemacht haben, könne er mit seinen Mitarbeitern eine erste Bilanz ziehen und die kommenden Tage planen.

Während des Sturms machtlos

Mehr als Warnungen aussprechen könnten die Förster unmittelbar vor einem Sturm nicht, so Meier. Man habe gewusst, dass «Joachim» die Region mit grosser Wucht treffen wird, während des Sturms sei man jedoch machtlos. «Wir können ja nicht die Bäume anbinden», sagt er mit Galgenhumor. Viel wichtiger sei die ständige Bereitschaft der Förster, Feuerwehr, Polizei oder auch den Zivilschutz zu unterstützen. «Ich weiss von mehreren Personen, die mit der Motorsäge unterwegs sind.» Bei versperrten Strassen oder zerstörten Stromleitungen seien immer auch Lokalkenntnisse gefragt. Diese bringen die Revierförster jeweils mit.

Vielmehr werden während des ganzen Jahres die Bäume so zurückgestuft, dass nicht einzelne herausragen und so starken Winden ausgeliefert sind. «Das Problem sind nicht die lang anhaltenden hohen Sturmgeschwindigkeiten, sondern vielmehr die kurzfristigen Böen», sagt Meier. Diese könnten innert kürzester Zeit grosse Lichtungen in den Wald schneiden. Im Fall «Joachim» rechnet er nicht mit solchen Waldschäden.

Obwohl , soviel ist laut Meier klar, in der Vergangenheit Sturmtiefs wie «Lothar» schon schlimmere Schäden anrichteten, findet Ueli Meier den Ausruf der obersten Sturmwarnung für gerechtfertigt. «Wer sich gestern im Wald aufhielt, begab sich in Lebensgefahr.»