Basel-Stadt
Sommaruga: «Ich schätze Basels Offenheit sehr»

Im bz-Interview lobt die Justizministerin Basels Umgang mit Ausländern. «Aus Basel höre ich, dass man mit den meisten Asylsuchenden sehr gut zurecht kommt. Hier hat man eine grössere Offenheit.»

Moritz Kaufmann
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Simonetta Sommaruga wird beim Petersplatz in Basel in Empfang genommen.

Simonetta Sommaruga wird beim Petersplatz in Basel in Empfang genommen.

Heinz Dürrenberger

Frau Sommaruga, was haben Sie für eine Beziehung zu Basel?

Simonetta Sommaruga: Persönlich schätze ich Basel sehr wegen seiner grossen kulturellen Ausstrahlung. Ich komme regelmässig hierher. Zuletzt habe ich an der Fasnacht einen Schnitzelbank-Abend besucht. Ich war tief beeindruckt. Das ist hohe Kunst – und dazu noch wahnsinnig lustig. Dann komme ich oft an Ausstellungen. Auch an der Buch Basel war ich. Ausserdem kann man hier noch sehr gut essen.

Sie sind ausgebildete Pianistin. Dann kommen Sie sicher oft hierher für Konzerte.

Ich weiss, dass Basel auch in der Musik und im Ballett sehr stark ist. Leider fehlt mir oft die Zeit. Deshalb sind Ausstellungen besser. Da ist man zeitungebundener.

Persönlich scheinen Sie Basel tatsächlich sehr zu mögen.

Für die Schweiz hat Basel natürlich auch eine sehr grosse Bedeutung. Einerseits wirtschaftlich, aber auch in Bezug auf Innovation und Forschung.

Basel ist ein Grenzkanton. Sie haben das Asyldossier unter sich. Welche Herausforderungen gibt es in dieser Hinsicht für Basel zu meistern?

Basel ist einer der fünf Kantone mit einem Asyl-Aufnahmezentrum. Man ist damit direkt mit den Problemen der Zuwanderung konfrontiert. Gleichzeitig hat Basel aber auch sehr viele Grenzgänger und kennt deshalb auch die Vorteile der Zuwanderung. Aus Basel höre ich, dass man mit den meisten Asylsuchenden sehr gut zurecht kommt. Hier hat man eine grössere Offenheit. Städte sind sich den Umgang mit fremden Menschen eher gewohnt.

Dann haben Städte also bessere Voraussetzungen um Asylbewerber aufzunehmen als ländlichere Gebiete?

Anteilsmässig müssen alle Kantone genau gleich viele Asylbewerber aufnehmen. Aber Basel hat natürlich eine grosse Erfahrung mit Zuwanderung und Andersdenkenden. Das prägt eine Gesellschaft. Basel zeigt diesbezüglich, dass man mit schwierigen Situationen gelassen umgehen kann.

Sie halten ein Referat über die direkte Demokratie. Diese verträgt sich doch schlecht mit dem Thema Asyl, das sehr emotional aufgeladen ist?

Es ist sicher ein Thema, das emotionalisiert. Aber gerade die direkte Demokratie ermöglicht es der Bevölkerung, auch bei kontroversen Themen mitzureden und sich einzubringen. Sie zwingt die Politikerinnen und Politiker dazu, immer wieder auf die Bevölkerung zuzugehen.