Kürzungen

Soup&Chill kürzt Angebot massiv

Soup&Chill hat nur noch zwei statt wie bisher sieben Tage offen.

Soup&Chill hat nur noch zwei statt wie bisher sieben Tage offen.

Der Verein will sein Angebot ausbauen und braucht mehr Geld. Doch nun fehlen ihm sogar die bisherigen Mittel. Jonas Hoskyn

Mit total über 6,5 Millionen Franken unterstützt der Kanton Basel-Stadt in den kommenden vier Jahren eine Reihe an Institutionen, die im Bereich Armut und Überlebenshilfe tätig sind. Ein Name fehlt aber auf der Liste der Regierung: Soup&Chill, die Wärmestube für in Not geratene Menschen beim Bahnhofshintereingang. 50'000 Franken hat der Verein bisher jährlich vom Kanton erhalten. Dazu noch insgesamt 84'000 Franken von den GGG und der Christoph Merian Stiftung. Damit wurde rund ein Drittel des Betriebs von November bis März finanziert. Der Rest stammt von Stiftungen und privaten Spendern.

Doch der Verein Soup&Chill will schon lange ausbauen. Seit 2011 gibt es das Angebot auch das restliche Jahr über am Wochenende. Und als aufgrund der Coronakrise die Nachfrage stieg, startete Soup&Chill kurzerhand zusätzlich eine Lebensmittelabgabe. Aus diesen Gründen will der Verein mehr Unterstützung vom Kanton für einen Ganzjahresbetrieb.

Nur noch zwei statt wie bisher sieben Tage offen

In der Folge haben die drei Geldgeber Kanton, GGG und CMS eine Betriebsanalyse des Vereins Soup&Chill in Auftrag gegeben. Geklärt werden soll einerseits, ob es neben den bisherigen vergleichbaren Einrichtungen überhaupt einen Bedarf für ein weiteres Angebot das ganze Jahr über gibt. Und auch die Vereinsstrukturen sollen unter die Lupe genommen werden.

Tatsächlich hängt bei der Wärmestube der Haussegen schief. Dies zeigten anfangs dieser Woche die Aussagen mehrerer ehemaliger Mitarbeitenden gegenüber der bz. Sie berichteten von Instabilität, willkürlichen Kündigungen, unprofessionellen Strukturen und intransparenten Finanzierungen des Vereins. Auch diese Querelen dürften ein Grund für die Betriebsanalyse gewesen sein.

Eigentlich hätte die Auslegeordnung vor den Sommerferien fertig sein sollen. Aufgrund der Coronapandemie verspätet sich diese. Deshalb ist Soup&Chill nun auch nicht im Subventionspaket mit den anderen sozialen Institutionen mit drin. Und: Weil der Verein keinen erneuten Antrag für die bisherigen 50000 Franken gestellt hat, stehen sie nun – zumindest vorerst – mit leeren Händen da.

Für Vereinspräsidentin Claudia Adrario de Roche unbefriedigend: «Wir haben keine finanziellen Zusagen und keine Perspektive. So kann man nicht arbeiten.» Die unsicheren Finanzen seien seit Jahren auch der Grund für die personelle Instabilität. Nun plant der Verein ganz ohne Subventionen eine «Wintersaison light» und kürzt sein Angebot stark zusammen. Statt, wie bisher an sieben Tagen soll die Wärmestube nur noch am Wochenende plus Feiertage geöffnet haben – also dann, wenn die Gassenküche zu hat. So erreiche man zwei Ziele, so Adrario de Roche: «Wir werden unsere Gäste nicht im Stich lassen. Und wir können das Personal, das mit festen Verträgen ausgestattet ist, weiterhin beschäftigen.» Sie will klare Verhältnisse: «Wenn der Kanton zum Schluss kommt, dass dieses Angebot ausreicht, ist das immerhin mal eine Aussage.»

Beim Kanton zeigt man Bereitschaft, Soup&Chill auch weiterhin zu unterstützen. Sobald die Betriebsanalyse vorliege, könne man weiterschauen. Je nach Höhe des Betrags könnte die Regierung diesen ohne Parlament sprechen, insofern würde es relativ rasch gehen.

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