Chaoten
Spital-Besetzung: So langsam lichtet sich der Nebel

Die von Chaoten bei der Besetzung des alten Kinderspitals angerichteten Schäden sind geringer als befürchtet. Aufwändig gestalten sich hingegen die Ermittlungen.

Hans-Martin Jermann
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Das Gelände des Kinderspitals ist abgesprerrt
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Das Absperrgitter lässt keinen mehr durch
Abfall so weit das Auge reicht
Die Partywütigen verunreinigten Fassaden und Umgebung
Bei einer illegalen Party wurde das Basler Kinderspital verwüstet
Und noch mehr Abfall und Sprayereien

Das Gelände des Kinderspitals ist abgesprerrt

Martin Töngi

Eine Woche nach der Besetzung des ehemaligen Kinderspitals durch linksalternative Aktivisten lichtet sich langsam der Nebel. Was die Verwüstungen im und ums Gebäude am Kleinbasler Rheinufer angeht, so wurde sowohl verharmlost als auch dramatisiert. Das Universitätskinderspital beider Basel (UKBB) hat das Ausmass der Sachschäden im Laufe der Woche nach unten korrigiert: von einer sechsstelligen Summe auf 20000 Franken. «Auf den ersten Blick sah es schlimmer aus. Wir wussten nicht, was tatsächlich noch brauchbar ist», räumt UKBB-Sprecherin Martina Beranek ein.

Entgegen ersten Meldungen lassen sich die meisten der versprayten Medizinalgeräte reinigen und wie vorgesehen in Schwellenländer zur weiteren Benutzung schicken. Heil geblieben ist auch das Ultraschallgerät, das buchhalterisch zwar auf null abgeschrieben ist, aber neu bis 100000 Franken kostet: Es war eingeschlossen und daher vor der Zerstörungswut einiger Chaoten geschützt. «Wir sind sehr erleichtert, dass dieses Gerät ganz geblieben ist», sagt Beranek. Nicht mehr gebrauchsfähig ist indes eine grosse Lampe für den Operationssaal: Sie wurde komplett zerschlagen. Ebenfalls zerstört wurde eine Röntgenapparatur. Allerdings war diese nicht für die Weitergabe bestimmt.

Schaden kleiner als angenommen

Mittlerweile seien die meisten Medizinalgeräte ausgebaut und verschickt worden, informiert Beranek. Die Lüftung des Operationssaals steht noch aus: Sie muss wegen ihrer Grösse und ihres Gewichts mit einem Kran durch das Spitaldach gehievt werden.

Der materielle Schaden der Verwüstungen ist also kleiner als befürchtet. Das ändert nichts am symbolischen Schaden, den die Besetzer hinterlassen haben: Viele Mitarbeitende habe es schockiert, mit welcher Respektlosigkeit an ihrer ehemaligen Wirkungsstätte zu Werke gegangen worden sei, erklärt Beranek. Kriminalkommissar Markus Melzl betont derweil, dass die Höhe des Sachschadens im eingeleiteten Strafverfahren ohnehin nicht im Vordergrund stehe. «Tatsache bleibt: Einige haben im Spital Gegenstände kaputtgemacht, die ihnen nicht gehören.»

Die Basler Staatsanwaltschaft will nun in alle Richtungen ermitteln und sämtliche Möglichkeiten sauber abklären, so Melzl. Er sträube sich gegen die in den letzten Tagen oft gehörte Annahme, die Besetzer hätten mit den Zerstörungen nichts zu tun: «Wir wären ganz schlechte Kriminalisten, wenn wir diese Haltung einfach so übernehmen würden.» Die Suche nach den Verantwortlichen der Zerstörungen werde schwierig, räumt Melzl ein. In der Nacht der Besetzung tummelten sich bis zu 2000 Menschen auf dem Areal. Es gab auf dem Areal kaum Licht, die Zustände waren chaotisch.

Neben der vom UKBB eingereichten Anzeige wegen Sachbeschädigung liegt auf Melzls Tisch noch eine wegen Hausfriedensbruchs. Dafür werden die Besetzer des Aktionsnetzwerks Derivat verantwortlich gemacht. Doch auch hier dürften sich die Ermittlungen sehr aufwändig gestalten, wie Melzl einräumt: Der Zuständige für die Webseite sei schnell gefunden. Allerdings könne dieser immer noch abstreiten, auf dem Areal gewesen zu sein: «Wir müssen den Leuten die strafrechtlich relevante Handlung nachweisen können», stellt Melzl klar.