Sportanlässe
Fecht-EM 2022: Basel als Austragungsort von türkischer Feriendestination ausgestochen

Die Fecht-EM 2022 findet in Antalya statt. Dennoch will die Stadt Basel die Bemühungen um Sportanlässe weiterverfolgen.

Andreas W. Schmid
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2015 fand die Fecht-Europameisteschaft in Montreux statt. Basel wird 2022 nicht als zweite Schweizer Stadt Gastgeberin sein.

2015 fand die Fecht-Europameisteschaft in Montreux statt. Basel wird 2022 nicht als zweite Schweizer Stadt Gastgeberin sein.

Valentin Flauraud / KEYSTONE

Unvergesslich der orangefarbene Sommerabend, als an der Fussball-EM 2008 Zehntausende Holländer die Basler Innenstadt bevölkerten. Das Spiel gegen Russland ging zwar mit 1:3 verloren, trotzdem gefiel es den Holländern in Basel offenbar ausgesprochen gut. Jedenfalls verzeichnete die Stadt im Folgejahr 25 Prozent mehr holländische Besucher. Kein Wunder werden Sport-Grossanlässe spätestens seit dieser Erfolgsstory als perfektes Werbeinstrument für die Stadt betrachtet.

«Put Basel on the map» lautet denn auch das Motto des Standortmarketings – Basel soll regelmässig auf der Weltkarte internationaler Sportveranstaltungen erscheinen. Mit viel beachteten Grossanlässen wie der Badminton-WM 2019 oder der Kunstturn-EM in diesem Frühjahr gelang dies. «Wir haben eine Mehrjahresplanung und verfolgen jeweils mehrere Optionen und Bewerbungen», sagt Sabine Horvath, Leiterin Aussenbeziehungen und Standortmarketing im Präsidialdepartement. Die Handball-EM der Frauen 2024 hat man bereits auf sicher. Doch die Akquise grosser Sportveranstaltungen ist schwierig und unberechenbar, wie sich am Wochenende im russischen Sotschi zeigte.

Basel bereits im ersten Durchgang ausgeschieden

Dorthin reiste Fecht-Altmeister und stadtbekannte Anwalt Gabriel Nigon, um beim Kongress des Europäischen Fechtverbandes die Basler Bewerbung für die Europameisterschaft 2022 zu begleiten. Ursprünglich hatte sich Basel als Austragungsort um die Fecht-EM 2023 bemüht – als einziger Bewerber, weshalb die Chancen für den Zuschlag gut standen. Doch dann wurde der wichtigste europäische Fechtanlass kurzfristig nach Krakau in Polen vergeben, wo im Sommer 2023 in derselben Woche eine Vielzahl von Sportarten ausgetragen werden – anlässlich der European Games, einer Sportveranstaltung mit olympischem Charakter.

Als Trostpflaster offerierte der Europäische Fechtverband Swiss Fencing und dem Basler OK mit Nigon an der Spitze, dass sie sich um die EM im nächsten Jahr bemühen sollten – diesmal allerdings im Wettstreit mit der türkischen Bewerberstadt Antalya. In Sotschi waren es zur Überraschung Nigons plötzlich drei Kandidaten. Weil die für dieses Jahr geplante Fecht-EM in Plovdiv wegen Corona abgesagt wurde, durften die Bulgaren sich nachträglich ebenfalls für die Austragung 2022 bewerben.

«Das taten sie sehr tränenreich», sagt Nigon über die Präsentation von Plovdiv. Nach der ersten Abstimmung waren es dann die Basler, denen zum Weinen zumute war: Mit bloss neun Stimmen gegenüber elf von Antalya und 19 von Plovdiv schieden sie frühzeitig aus. Verwundert nahm Nigon dann zur Kenntnis, dass im zweiten Wahlgang Antalya trotz des grossen Rückstands im ersten Durchgang Plovdiv noch überholte.

5800 Übernachtungen trotz fehlender Zuschauer

Ausser Spesen nichts gewesen also? Nigon findet nicht. Der Basler Bewerbungsfilm sei beste Reklame für die Stadt gewesen – auch im Hinblick auf eine neuerliche Kandidatur 2024. Lars Frauchiger, der Präsident von Swiss Fencing, schritt noch am Kongress ans Rednerpult und erklärte, dass man sich für die EM 2024 bewerben wolle. Das wäre ganz im Sinne des Basler Standortmarketings, das Sportgrossanlässe als «wichtige Plattformen und Referenzen» betrachtet – auch in Pandemiezeiten. Die Kunstturn-EM fand zwar ohne Zuschauer statt, doch Sabine Horvath rechnet vor, dass der Anlass 5800 Übernachtungen generierte und in über 20 Länder übertragen wurde.

Horvath will die Strategie, den internationalen Sport nach Basel zu holen, weiterverfolgen. Weitere Handball-Grossanlässe seien im Gespräch, ebenso eine Kurzbahn-Schwimm-EM, für welche die Joggelihalle umgerüstet werden müsste. Zudem seien auch wiederkehrende internationale Sportanlässe von höchster Bedeutung, betont Horvath. Dazu zählen nebst den Spielen des FC Basel das Reitturnier CHI Basel im Januar, das Badminton Swiss Open im März, die Ruder-Regatta Basel Head im November sowie die Swiss Indoors. Diese sind 2021 allerdings zum zweiten Mal in Folge abgesagt worden.

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