Stadtentwicklung
Bevölkerung diskutiert beim Klybeck Plus über Mobilität und Freiräume

Auf dem ehemaligen Novartis-Areal fand eine Führung statt. Der Moderator sammelte die Meinungen von Anwesenden ein.

Fabian Schwarzenbach
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Mit 30 Hektaren ist das Klybeck Plus das grösste und wohl komplexeste Entwicklungsareal der Schweiz.

Mit 30 Hektaren ist das Klybeck Plus das grösste und wohl komplexeste Entwicklungsareal der Schweiz.

Zvg

«Schlichtweg scheusslich, kein schönes Gebäude», brummte ein Teilnehmer einer Beteiligungsveranstaltung, als er das Holzmodell von «Klybeck Plus» betrachtete. Ein weiterer echauffierte sich über den Verkehr. Eine Besucherin sah sich die Plätze und Gärten an. «Das Richtprojekt ist der aktuelle Stand der planerischen Überlegungen», erklärte Moderator Michael Emmenegger den zweiten von insgesamt sieben Planungsschritten. Er organisierte die Führung durch das ehemalige Novartis-Areal und sammelte die Meinungen von Anwesenden ein.

Zwischen Verkehrslärm und Vogelgezwitscher

Bei Klybeck Plus handelt es sich mit rund 30 Hektaren um das grösste und wohl komplexeste Entwicklungsareal in der Schweiz. Zwei Kritikpunkte standen im Zentrum: die Mobilität und die Freiräume. Da das Areal sehr dicht bebaut werden soll, werden sich rund 10'000 Menschen mehr in diesem Gebiet bewegen. Das Potenzial für Konflikte ist exponentiell, wenn die einen Sportplätze und die anderen Ruhezonen suchen. Wie kommen die Leute alle hierher und wieder weg? Die Strassenführung ist gesetzt, neue Hauptachsen soll es keine geben, da das Areal autofrei werden soll. Offen ist die S-Bahn-Haltestelle, da sie vom «Herzstück» abhängt. Gesetzt sind aber die Tramlinien. Jene via Klybeckpromenade ist bereits fortgeschritten. Offen ist, ob es weitere Gleise via den Westquai geben wird. Das hängt von der Verlegung der Hafenbahn ab.

«Die Westquai-Entwicklung ist auf dem aktuellen Plan zwar eingezeichnet, aber noch sehr offen»,

erklärte Emmenegger. Ein weiteres Element ist der geplante Klybeckplatz, der «charmant, offen und vielseitig» werden soll. Als Verkehrsknotenpunkt und als Platz für Märkte soll er von den höchsten geplanten Gebäuden (bis 115 Meter hoch) umringt werden. Mindestens 20 Gebäude auf dem Areal bleiben stehen, die meisten gelten als «erhaltenswert».

Bei der Führung standen die Leute unter den grossen bestehenden Kastanienbäumen und hörten auf dem einen Ohr den Verkehr der Dreirosenbrücke und auf dem anderen Vogelgezwitscher. Besser kann man die grossen Anforderungen «Mobilität und Ruhezone» nicht symbolisieren. Die «Esplanade» – so der Name des grossen Freiraumes – solle diskutiert werden, war einer der Wünsche der Organisatoren. Die Erdgeschosse der Gebäude sind öffentlich und durchlässig. Viele Bäume bilden ein Dach über dem Freiraum, der mit Stadtgärten angereichert werden soll. Das können neben klassischen Gärten auch Spielplätze oder Sportflächen sein. Emmenegger fragte:

«Passt Ihnen das?»,

Frühestens in einem Jahr im Grossen Rat

Wie das geplante Schulhausareal aussehen könnte, war eine weitere Frage. Die knapp 40 Personen diskutierten und debattierten eifrig. Erste Resultate wollte niemand kurz nach den Veranstaltungen verraten. In einen Schlussbericht werden weitere Rückmeldungen aus der Bevölkerung einfliessen. Daraus entsteht das «städtebauliche Leitbild», das im Herbst dieses Jahres präsentiert werden soll. Es dauert eine ganze Generation, bis das Areal so aussehen wird, wie nun vorgestellt.

Als Nächstes sind weitere Veranstaltungen geplant, bevor die formelle Mitwirkung anläuft. So sollen Gewerbetreibende, aber auch Jugendliche aufgesucht und befragt werden. Stadtplanerin Katrin Oser vom Baudepartement lässt noch offen, mit welchem planungsrechtlichen Instrument die Regierung in den Grossen Rat geht. Das Parlament wird voraussichtlich in einem Jahr über diesen Planungsschritt befinden. Eine jüngere Teilnehmerin freute sich über die neue Perspektive, während ein anderer Teilnehmer skeptischer blieb: «Das wird sozialistisch, und zwar im schlechten Sinn!»