Stadtgärtnerei
Gegen Sonnenbrand: Basler Jungbäume wurden in diesen Tagen «eingecremt» – für die kommenden fünf Jahre

Spezielle weisse Farbe auf der Borke sorgt bei rund 200 frisch von der Baumschule stammenden Exemplaren für UV-Schutz. Doch auch Jungbäume mit gelb bemalter Rinde waren in diesen Tagen zu sehen, etwa in der Nähe der Kaserne. Die Stadtgärtnerei klärt auf.

Rahel Koerfgen
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In den vergangenen Tagen wurden die Stämme von rund 200 Jungbäumen in Basel – wie hier etwa am Kleinbasler Rheinbord – mit weisser Farbe bemalt.

In den vergangenen Tagen wurden die Stämme von rund 200 Jungbäumen in Basel – wie hier etwa am Kleinbasler Rheinbord – mit weisser Farbe bemalt.

Kenneth Nars

So wie wir Menschen einen roten Bauch bekommen können, wenn wir zu lange und ohne guten Schutz an der Sonne gelegen haben, können sich auch Pflanzen einen Sonnenbrand holen. Besonders die Borke von Jungbäumen ist dünn und damit empfindlich. Jährlich werden etwa 200 solche Bäumchen im ganzen Stadtgebiet gesetzt – sie kommen direkt aus der Baumschule, wo sie dicht stehen und ihre Stämme deshalb der Sonne wenig ausgesetzt sind. «Das ist dann in der Stadt anders. Deshalb bestreichen wir sie mit weisser Farbe, das ist sozusagen ihre Sonnencreme», sagt Yvonne Aellen, Leiterin Grünflächenunterhalt bei der Stadtgärtnerei. Die Farbe hält laut Aellen fünf bis sechs Jahre. Sie löst sich durch das Dickenwachstum der Stämme allmählich von den Bäumen ab. Dann ist die Rinde des Baumes auch genug dick und genug robust, um der Sonne standzuhalten.

Die Stadtgärtnerei setzt erst seit wenigen Jahren auf diese Sonnenschutzmethode. Zuvor wurden die Jungbäume mit Schilfrohrmatten eingewickelt, die irgendwann wieder entfernt wurden. Aellen dazu:

«Für den Baum bedeutete dies: sofort von Voll- auf Nullschutz. Das ist bei der Farbe besser, die blättert allmählich ab.»

In den vergangenen Tagen waren im Stadtgebiet, etwa in der Nähe der Kaserne im Kleinbasel, allerdings auch Bäume mit gelb bemalten Rinden gesichtet worden. Wo liegt da der Unterschied?

Es habe sich dabei um die Grundierung gehandelt, bevor die weisse Farbe aufgetragen werde, erklärt Aellen. Dies geschehe normalerweise sehr zeitnah nacheinander; in diesem Jahr seien aber noch andere Arbeiten angefallen, weshalb sich das Auftragen der weissen Farbe verzögert habe. Unterdessen sollten aber alle Jungbäume – respektive ihre Stämme – im weissen Kleid daherkommen.

Doppelter Baumschutz ist ein Kompromiss

Für noch mehr Aufsehen sorgten in den vergangenen Tagen Holzgerüste, die bei bestimmten Bäumen installiert wurden – obschon deren Stämme bereits durch einen Metallring geschützt werden. Die betreffenden Bäume befinden sich vor den Gastrobetrieben oberhalb der Mittleren Brücke, etwa dem «Schmalen Wurf», wo der Platz ohnehin schon knapp bemessen ist. Die Stadtgärtnerei markiere so ihr Revier, hiess es in gehässigem Ton von Anwohnern, Spaziergängern und Gastronomen.

Aellen erläuterte bereits gegenüber «20 Minuten», dass es sich dabei im Hinblick auf die erweiterte Aussenbewirtschaftung der Restaurants um einen Schutz der Wurzelanläufe handle. Diese könnten bei regem Rausstuhlen, Verschieben der Tische oder Rücken der Stühle erhebliche Schäden nehmen. Gegenüber der bz betont Aellen nun: «Wir wollen der Gastronomie sicher nicht das Leben schwer machen. Beim doppelten Baumschutz handelt es sich um einen Kompromiss, der das Rausstuhlen erst möglich macht, ohne die Bäume zu gefährden.»