Elsass

Stallverbot im Elsass: Es drohen hohe Bussen, beim dritten Vergehen gar sechs Monate Gefängnis

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Pferdeklinik Niederlenz

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Reiterinnen und Reiter, die ihre Pferde im Elsass eingestellt haben, dürfen diese wegen Corona zurzeit nicht besuchen.

«Wenn ich es in der derzeitigen Situation wagen sollte, meine beiden Pferde zu besuchen, drohen mir 135 Euro Busse, im Wiederholungsfall 200 Euro und bei dem dritten Vergehen 3750 Euro und sechs Monate Gefängnis», berichtet Sarah Stettler. Die Schweizerin (42) ist Juristin und wohnt im grenznahen Elsass. Sie hat ihre beiden Mérens-Pferde in einem wenige Minuten entfernten Einstellbetrieb untergebracht, der etwa fünfzig Pferde beherbergt. Mit dem Problem ist sie nicht allein. Es trifft alle Rosseigentümer in Frankreich und somit auch viele aus dem Baselbiet, die ihre Pferde in Ställen im Elsass untergebracht haben.

Seit dem 17. März darf wegen der Coronagefahr in Frankreich nur noch zu wenigen Zwecken die Wohnung verlassen werden. Man darf auf direktem Weg zur Arbeit gehen, Lebensmittel einkaufen oder sich um seine Haustiere kümmern, etwa seinen Hund spazieren führen. Pferde aber gelten nicht als Haustiere, sondern als Nutztiere. Risikosportarten wie Reiten oder Bergsteigen sind in Frankreich seit einiger Zeit verboten, da alle Spitalkapazitäten für Covid-19 Patienten benötigt werden. Die Regeln wurden ständig verschärft. Neuerdings ist sogar Velofahren nur noch auf dem Weg zur Arbeit erlaubt. Ansonsten bleiben nur Spazierengehen oder Joggen im Umkreis von maximal einem Kilometer um den Wohnsitz.

Nur der Stallbetreiber hat Zutritt

Während man also seinen Hund weiterhin kurz ausführen darf, ist es sogar untersagt, sein in einem Pensionsstall untergebrachtes Pferd zu besuchen, geschweige denn zu versorgen.
Ausschliesslich der Stalleigentümer und dessen Angestellte dürfen weiterhin zu den Tieren, da sie dabei ihren Beruf ausüben. Selbst Praktikanten müssen dem Stall fern bleiben. Viele Pferdebesitzer haben ihr Tier nur untergestellt, füttern und misten aber selbst. Diese Aufgabe muss nun der Betreiber übernehmen. Viele können das so kurzfristig personell kaum stemmen.
«Ich habe zwei chronisch kranke Pferde, die medikamentös behandelt werden müssen. Eines hat den Gendefekt PSSM und benötigt daher auf tierärztlichen Rat hin regelmässig Bewegung», so Stettler. Es sei für den etwas älteren Stallbesitzer und Landwirt nicht möglich, den etwa fünfzig Pferden auf dem Hof auch noch spezielle Pflege zukommen zu lassen.

Auch der Stallbetreiber wurde von den Coronamassnahmen überrascht. Ihm blieb nichts anderes übrig, als kurzerhand ein selbst gemaltes Schild aufzustellen: «Corona. Stall geschlossen». Er darf den Pferdebesitzern den Zutritt zu ihren Tieren nicht erlauben. Jedem Stallbesitzer, der das Zutrittsverbot nicht durchsetzt, können Strafen bis 15'000 Euro und bis zu ein Jahr Gefängnis drohen.
Der französische Reiterverband Fédération Française d`Equitation (FFE) berichtet auf seiner Website, dass immer wieder Privatpersonen mit einer Busse wegen Verletzung der Ausgangssperre belegt würden, weil sie wegen der Grundversorgung eines Pferdes unterwegs gewesen seien. Nur mit ausdrücklicher Genehmigung lokaler Behörden seien manchmal Ausnahmen möglich. Auch dann gelte es, die Besuche vor Ort auf ein absolutes Minimum zu beschränken.

Pferdebesitzer haben Petition lanciert

Schweizer Pferdebesitzerinnen und Pferdebesitzer haben im Moment kaum eine Möglichkeit, noch zu ihren Pferden im Elsass zu kommen. Lediglich der Transport des Pferdes als Warentransport zurück in die Schweiz ist noch möglich. Der Transport ist nur aufwendig zu bewerkstelligen, da er, so der Schweizer Verband für Pferdesport SVPS, über Deutschland in die Schweiz erfolgen muss und über eine Speditionsfirma vorzunehmen ist. Französische Pferdebesitzer haben nun eine Petition an den FFE lanciert und bereits gut 13000 Unterschriften gesammelt.

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