Steigende Zahlen
Mit Covid-Zertifikat ins Restaurant oder Fitness? Das könnte in Basel bald zur Realität werden

Die Fallzahlen steigen wieder. Während bei grösseren Events und im Nachtleben das Zertifikat bereits angewandt wird, zeigen sich sowohl linke als auch bürgerliche Basler Politiker interessiert an einem ausgeweiteten Einsatz.

Elodie Kolb
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Momentan bei Clubs und grossen Events Pflicht: das Covid-Zertifikat.

Momentan bei Clubs und grossen Events Pflicht: das Covid-Zertifikat.

Ennio Leanza/KEYSTONE

Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Auch im Kanton Basel-Stadt steigen die Infektionszahlen weiterhin an: Während vor knapp zwei Wochen die Hundertermarke noch unterschritten wurde (91 isolierte Personen), bewegt sich die Anzahl angesteckter Personen mit 167 in Richtung 200. Im schweizweiten Vergleich der Sieben-Tages-Inzidenz steht Basel am Mittwoch auf Platz drei (77). Der schweizweite Wert liegt bei 58.

In Restaurants und Fitnesscenter wird derzeit, wie vom Bund vorgeschrieben, auf Kontaktdatenerhebung gesetzt, derweil gilt in Clubs und bei grösseren Veranstaltungen die Zertifikatspflicht: Einlass erhält nur, wer geimpft, genesen oder getestet ist und dies mittels QR-Code ausweisen kann.

Nachdem der Basler Gesundheitsdirektor und Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektionen Lukas Engelberger (Die Mitte) im «Sonntags-Blick» davon sprach, eine ausgeweitete Zertifikatspflicht zu prüfen, falls die Infektionszahlen und Hospitalisationen zunehmen, erhält das Thema in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit. Gegenüber dem «Blick» nennt Engelberger bei den betroffenen Bereichen Sportanlässe, Fitnesscenter und auch die Gastronomie.

Engelberger nicht grundsätzlich abgeneigt

Zur bz sagt Gesundheitsdirektor Engelberger, dass er derzeit nicht die Notwendigkeit einer Erweiterung sehe. Führt aber aus:

«Eine Ausweitung wäre nötig, falls wegen steigender Fallzahlen in den Spitälern wieder grosse Belastungen drohen würden.»

Er hofft allerdings, dass dann «sinnvollerweise» die entsprechende Anordnung schweizweit vom Bund komme. Kenntnis von Restaurants in der Region, die freiwillig auf Zertifikate setzen, hat der Präsident des Basler Wirteverbands Maurus Ebneter derweil keine.

In den vergangenen eineinhalb Jahren war der Kanton Basel-Stadt jeweils eher auf der vorsichtigen Seite und ergriff teilweise weitergehende Massnahmen als der Bund. Jetzt stösst die Ausweitung des Coronazertifikats auch bei den Basler Parlamentarierinnen und Parlamentariern auf Anklang.

«Es ist noch lange nicht wieder normal»

Die linken Parteien waren in der Vergangenheit jeweils eher für strengere Massnahmen. Das zeigt auch die Meinung von Jessica Brandenburger, Parteipräsidentin der SP und Grossrätin:

«Ich fände es keine schlechte Idee, die Zertifikatspflicht zu erweitern. Wir müssen schauen, dass die Zahlen unten bleiben und danach sieht es momentan ja nicht aus.»

Sie halte das Zertifikat für einen guten Kompromiss gerade für die Menschen, welche sich nicht impfen lassen und dennoch am kulturellen und sozialen Leben teilnehmen möchten.

Der Einwand, es könne für die Gastronomie einen grossen Aufwand darstellen, sehe sie nicht: «Wir sind mitten in einer Pandemie, es ist noch lange nicht wieder normal. Und es ist für die Gastronomie besser, wenn die Gäste mit Zertifikat kommen als gar nicht.»

Bürgerliche und Linke geschlossen, nur SVP noch unsicher

Überraschenderweise steht die linke Politikerin damit nicht allein. Auch bürgerliche Parlamentarier sprechen sich für das Anliegen aus. So ist etwa Raoul Furlano, Fraktionspräsident LDP und Kinderarzt, vehement für die Ausweitung der Zertifikate: «Unbedingt!», sagt er auf Anfrage. «Wir haben das Privileg von zwei guten Impfstoffen in der Schweiz, die einen hohen Schutz bieten. Ich finde, wir, die sich geimpft haben, sollen nicht leiden, für alle die, die sich nicht impfen lassen wollen.» Irgendwann müsse man mit dem Virus leben:

«Wir können nicht noch zwanzigmal auf- und wieder zumachen.»

Er sehe auch nicht ein, weshalb der Kanton noch warten solle auf den Bund: «Der Kanton darf und soll auch handeln», so Furlano.

In der Basler SVP gehen die Meinungen der Politikerinnen und Politiker derweil noch auseinander, wie Pascal Messerli, Fraktionspräsident der SVP, auf Anfrage sagt: «Es gibt einige, die strenger sind, und andere, die eher für Lockerungen sind.» Für ihn sei es schwierig zu sagen, wo und wie man eine Zertifikatspflicht ausweiten könne. Er ist aber überzeugt:

«Wir müssen grundsätzlich erst einmal abwarten, wie sich die Fallzahlen entwickeln. Wenn die Hospitalisierungszahlen steigen, dann muss man abwägen.»

Ihm sei die Verhältnismässigkeit sehr wichtig, und dass dabei die Ausweitungen klar definiert würden. Aber gerade in kleinen Restaurants halte er es für nicht verhältnismässig, den Zugang durch Zertifikate einzuschränken. «Ich habe aber keine abschliessende Meinung. Wichtig ist einfach, zu schauen, dass das Gesundheitswesen nicht überlastet wird», sagt Messerli.