Wahlen 2020

Stephanie Eymann – die Lösung für das Frauenproblem der bürgerlichen Parteien?

Stephanie Eymann

Stephanie Eymann

Seit der «Boy Group», wie das bürgerliche Viererticket bei den Wahlen 2016 genannt wurde, will niemand mehr antreten. Mit Stephanie Eymann könnte das Frauenproblem der bürgerlichen Basler Parteien gelöst werden.

Seit Monaten zerbrechen sich die bürgerlichen Parteien die Köpfe, wie sie bei den Basler Wahlen im Herbst die Mehrheit von Rotgrün zurückholen könnten. Das Hauptproblem: Neben den drei Bisherigen Lukas Engelberger (CVP), Baschi Dürr (FDP) und Conradin Cramer (LDP) fehlt es an valablen Kandidaten. Beziehungsweise vor allem an einer Kandidatin. Denn als reine «Boy Group», wie das bürgerliche Viererticket bei den Wahlen 2016 leicht spöttisch bezeichnet wurde, will niemand mehr antreten. Und die SVP, die mögliche vierte Partei im Bunde, hat kaum Kandidatinnen im Angebot, die von den anderen Bürgerlichen unterstützt würden.

Seit Kurzem kursiert in der Politszene ein Name, den bis anhin noch kaum jemand auf der Liste hatte: Stephanie Eymann. Die 40-Jährige hat sich im Baselbiet als Politikerin und vor allem als Juristin einen Namen gemacht. Nach einer Karriere bei der Baselbieter Staatsanwaltschaft ist sie seit zweieinhalb Jahren als Majorin Chefin der Abteilung Verkehr Baselbieter Polizei. 2011 hat sie für die Baselbieter FDP für den Landrat und den Nationalrat kandidiert. Ausserdem amtierte sie in Eptingen als Gemeinderätin. Als Kadermitarbeiterin des Kantons sind politische Ämter im Baselbiet für sie tabu.

Ihr Nachname dürfte ihr bei einer Kandidatur kaum zum Nachteil gereichen: Stephanie Eymann ist die Tochter des Kleinbasler Arztes Felix Eymann, der insgesamt 28 Jahre im Grossen Rat sass, bevor er Anfang Jahr aus dem Parlament zurücktrat. Der frühere Erziehungsdirektor und amtierende LDP-Nationalrat Christoph Eymann ist ihr Onkel. Trotz ihrer Zugehörigkeit zur Kleinbasler Politdynastie zählte Eymann bisher eigentlich zum Baselbieter Who-is-who. Sie war mit dem bekannten Musiker Florian Schneider liiert, zusammen haben sie eine 21-jährige Tochter. Nach der Trennung zog sie ins Kleinbasel. «Ich bin liberal, sehr offen und in vielen Punkten kompromissbereit», beschreibt sich Eymann selber.

Direkte Konkurrenz zur SVP und Baschi Dürr

Klar ist bereits, dass Eymann im Herbst auf der LDP-Liste für den Grossen Rat kandidieren will. Aktuell laufen die Gespräche der bürgerlichen Parteien, ob sie auch als Regierungskandidatin aufgestellt werden soll. Die LDP hat als stärkste Partei im bürgerlichen Bündnis einen legitimen Anspruch auf die Führungsrolle im Wahlkampf. Für CVP-Präsident Balz Herter

ist Eymann eine valable Kandidatin, mit welcher der Versuch, die Mehrheit zu erobern, gelingen könnte.

Allerdings haben nicht alle gleich viel Freude an einer Kandidatur von Stephanie Eymann. Die sowieso schon geringen Chancen der SVP würden mit einer Doppelkandidatur der LDP weiter sinken. Eymann ist insofern als Plan B der LDP, CVP und FDP zu sehen, sollte der Schulterschluss mit der SVP nicht zu Stande kommen.

Bei der FDP dürfte man einer potenziellen Regierungskandidatin Eymann mit ebenso gemischten Gefühlen entgegensehen. Die Freisinnigen haben in den vergangenen Jahren erhebliche Wähleranteile an ihre Schwesterpartei verloren. Dazu kommt, dass der FDP-Regierungskandidat bei den vergangenen Wahlen jeweils am schlechtesten abschnitt. Baschi Dürr musste bereits zweimal eine Ehrenrunde einlegen und in den zweiten Wahlgang. Aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung wäre Eymann – wenn auch nicht gewollt – eine klare Alternative zum amtierenden Justiz- und Sicherheitsdirektor.

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