Eternal Spirit

Stiftung Eternal Spirit: Das Geschäft mit dem Tod

Gefragte Frau: Die Ärztin Erika Preisig begleitet mit ihrer Stiftung Eternal Spirit schwer kranke Menschen in den Tod.

Gefragte Frau: Die Ärztin Erika Preisig begleitet mit ihrer Stiftung Eternal Spirit schwer kranke Menschen in den Tod.

Die Sterbehilfeorganisation Eternal Spirit begleitet innert kurzer Zeit acht Personen in den Tod – mehrheitlich Ausländer. Anders als bei Exit werden bei Eternal Spirit auch schwer kranke Ausländer in den Freitod begleitet.

Die Sterbehilfeorganisation Exit erlebt seit Jahren einen regelrechten Boom. Laut ihrem Vizepräsidenten Bernhard Sutter zählt die Organisation heute 68 500 Mitglieder. Viel Publizität brachte im vergangenen Jahr der Freitod der Fussball-Legende Timo Konietzka, der Exit in seiner selbst verfassten Todesanzeige sehr lobte.

Der Mitgliederzulauf bleibt ungebrochen. Alleine die Präsenz an der diesjährigen Muba, die im Vorfeld für einigen Wirbel gesorgt hatte, bescherte der Organisation viele Neumitglieder.

Gemäss Recherchen der «Schweiz am Sonntag» ist im Schatten von Exit eine weitere Sterbehilfeorganisation daran, sich in der Region Basel zu etablieren: die Stiftung Eternal Spirit mit Sitz in Biel-Benken. Zweck der im Mai 2012 gegründeten Stiftung ist laut Handelsregister die «Förderung des Selbstbestimmungsrechts aller Menschen».

Anders als bei Exit werden bei Eternal Spirit auch schwer kranke Ausländer in den Freitod begleitet. Gründerin und Präsidentin der Organisation ist die Ärztin Erika Preisig, Mitinhaberin einer Hausarzt-Praxis in Biel-Benken.

Modell ist umstritten

In Fachkreisen ist Preisigs Modell umstritten. Gleichzeitig will sie schwer kranken Menschen helfen, die Lebensqualität zu erhalten und zu verbessern. Dafür hat sie den Verein Lifecircle mit Sitz in Basel gegründet, den sie ebenfalls präsidiert.

Vor dem Freitod sollen «alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft» werden, sagte Preisig im Juli 2012 in der «bz Basel». Verein und Stiftung sind eng miteinander verflochten. Sie haben eine gemeinsame Homepage, die sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch betrieben wird und bei der Lifecircle im Vordergrund steht.

Doch auch Eternal Spirit ist sehr aktiv. Von der Öffentlichkeit bisher unbemerkt, wurde im September 2012 eine Lokalität an der Hegenheimerstrasse 37 im Basler Iselin-Quartier in Betrieb genommen. Eine grosse, behindertengerechte Ein-Zimmer-Wohnung mit Küche dient als Behandlungsraum für Freitodbegleitungen.

Zahlen zu Freitodbegleitungen, Mitgliedern und Finanzen will Preisig nicht offenlegen. Sie bestätigt aber, dass die Stiftung «regelmässig» Begleitungen durchführe. Zwei Drittel seien Ausländer, ein Drittel Schweizer. «Schweizer haben schon die Möglichkeit, Exit in Anspruch zu nehmen», begründet Preisig den hohen Ausländeranteil.

Gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» ist es alleine in den letzten sechs Wochen zu acht Fällen von Begleitungen in den Tod gekommen, was Preisig bestätigt. Die meisten waren Ausländer, aus Italien, Frankreich, England und Deutschland. Der Sterbehilfetourismus ist damit in Basel angekommen.

Nicht auf Ausländer spezialisiert

Eternal Spirit habe sich nicht primär zum Ziel gesetzt, möglichst viele Ausländer in den Freitod zu begleiten, sagt Preisig. «Wir setzen uns auch ein für die Legalisierung der Freitodbegleitung in anderen Ländern.» So hat sie dem französischen Präsidenten François Hollande kürzlich einen Brief geschrieben.

Umgekehrt ist das Verhältnis bei der Mitgliederzahl. Zwei Drittel sind Schweizer, ein Drittel Ausländer. «Die Schweizer setzen sich früher mit der Freitodbegleitung auseinander als die Ausländer», sagt Preisig. Der Mitgliederbeitrag kostet jährlich 50 Franken oder 1000 Franken auf Lebenszeit.

Hoch sind die Kosten für die Freitodbegleitung. Schweizer zahlen 3000 Franken, Ausländer 10 000 Franken. Eternal Spirit habe die Preise Dignitas, einer weiteren Sterbehilfeorganisation, angepasst, sagt Preisig.

Allfällige Überschüsse würden zugunsten der Stiftung gehen. «Wir wollen damit Leuten eine Begleitung ermöglichen, die diese nicht selbst bezahlen können.»

Thema bei den Behörden

Die Aktivitäten von Lifecircle und Eternal Spirit sind bei den Behörden seit deren Start ein Thema. «Wir gehen davon aus, dass alle gesetzlichen Regelungen wie auch die ärztlichen Standesregeln vorbehaltlos eingehalten werden», sagt Philipp Waibel, Leiter Gesundheitsdienste im Basler Gesundheitsdepartement.

Dies sei den Verantwortlichen von Verein und Stiftung bereits im Februar 2012 schriftlich mitgeteilt worden und gelte ohne Einschränkung. «Würden Missbräuche bekannt, würden diese sofort geahndet.»

Nicht äussern zum Engagement von Eternal Spirit will sich Exit. «Wir wissen noch zu wenig darüber», sagt Sutter. Exit, mit Geschäftsstelle in Zürich, steht ebenfalls vor der Expansion nach Basel.

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Beratungsbüro in Basel eröffnet wird. In Bern und im Tessin gibt es bereits solche Ableger. «Wir haben ein halbes Dutzend guter Angebote für Lokalitäten, zumeist aus Mitgliederkreisen, und prüfen diese zurzeit», sagt Sutter.

Mit der Anwältin und früheren FDP-Politikerin Saskia Frei hat Exit bereits eine Baslerin als Präsidentin.

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