Stiftung TBB Schweiz
Immer mehr Findeltiere im Tierheim an der Birs: «Ob es sich um ‹Corona-Tiere› handelt, lässt sich leider nicht überprüfen»

117 Findeltiere wurden innerhalb der letzten fünf Monate im Tierheim an der Birs abgegeben und entspricht einem starken Anstieg. Die Hälfte konnte nicht wieder ihren Besitzern zurückgegeben werden. Auch die Anfragen für den Verzicht von Tieren bewegen sich im oberen Bereich.

Laura Pirroncello
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Kätzchen Knibbles ist eines der Findeltiere, um das sich das Tierheim an der Birs kümmert.

Kätzchen Knibbles ist eines der Findeltiere, um das sich das Tierheim an der Birs kümmert.

zvg/Stiftung TBB Schweiz

Im Tierheim an der Birs werden immer mehr Tiere abgegeben. Dies schreibt die Stiftung Tierschutz beider Basel (TBB) Schweiz in einer Mitteilung. Gleichzeitig zum Anstieg der Findeltiere werden ausserdem immer seltener die Besitzer der abgegebenen Tiere gefunden.

Hund Rex im Tierheim an der Birs.

Hund Rex im Tierheim an der Birs.

zvg/Stiftung TBB Schweiz

In Zahlen sieht das folgendermassen aus: Seit dem 1. Juni 2021 wurden im Tierheim 117 gefundene Tiere abgegeben. Das entspricht einem Durchschnitt von 21 Tieren pro Monat. Von den 117 Tieren wurde lediglich die Hälfte wieder von ihren Besitzerinnen und Besitzern abgeholt. Laut der Stiftung TBB Schweiz war diese Quote früher regelmässig deutlich höher.

Bei den seit 1. Juni gefundenen Tieren handelt es sich um zwölf Hunde, 40 Katzen, 45 Nager und Reptilien sowie um 20 Vögel.

Viele Abgabe-Tiere

Im selben Zeitraum verzeichnete das Tierheim an der Birs 38 Anfragen für den Verzicht von Tieren. Das heisst, 38 Besitzer wollten ihr Tier im Tierheim abgeben. «Die Zahl bewegt sich im oberen Bereich des Normalen», schreibt Béatrice Kirn, die Geschäftsleiterin der Stiftung TBB Schweiz, auf Anfrage. Oft seien es ältere Tiere, die plötzlich Probleme machen. Im Gespräch stelle sich dann heraus, dass ein zweites Tier aufgenommen wurde. Dies kann bei älteren Tieren oder Tieren, die alleine in einem Haushalt gelebt haben, dazu führen, dass sie ihr Verhalten ändern.

Ebenfalls ein Grund für die Abgabe eines Tieres kann ein Umzug sein, wenn der Verwalter oder Vermieter keine Haustiere erlaubt. «Aus unserer Sicht ist es unverständlich, dass ein Tierhalter dies nicht im Vorfeld einer Mietvertragsunterzeichnung abklärt.» Auch Überforderung ist gerade bei Hunden ebenfalls ein Grund für eine Abgabe.

Hamster Flöckli wartet im Tierheim auf seinen Besitzer – oder auf ein neues Zuhause.

Hamster Flöckli wartet im Tierheim auf seinen Besitzer – oder auf ein neues Zuhause.

zvg/Stiftung TBB Schweiz

Werden Corona-Tiere wieder abgegeben?

Während des Lockdowns und den Anfängen von Corona haben Tierheime eine starke Anfrage nach Tieren verzeichnet. Im Juli sagte Kirn gegenüber dieser Zeitung, dass es vorstellbar sei, dass viele dieser Corona-Tiere schleichend zurückgegeben werden – aber wohl nicht vor Anfang des neuen Jahres. Ob es sich bei den aktuellen Findel- und Abgabetieren um solche Corona-Tiere handelt, lasse sich leider nicht überprüfen, sagt die Geschäftsleiterin heute: «Bedauerlicherweise werden wir mit falschen Aussagen respektive Ausreden und aggressivem Verhalten konfrontiert.»

Aktuell hat die Nachfrage nach Tieren leicht abgenommen. Allerdings sei sie weiterhin hoch.

Neben Hund und Katze werden auch Nager und Reptilien im Tierheim abgegeben. Hier: Bartagame Beans.

Neben Hund und Katze werden auch Nager und Reptilien im Tierheim abgegeben. Hier: Bartagame Beans.

zvg/Stiftung TBB Schweiz

Anzahl Findeltiere könnte weiter steigen

Derzeit betreut das Tierheim an der Birs 59 Findeltiere. Diese wurden alle innerhalb der letzten Wochen und Monate im Tierheim abgegeben. Bevor diese gefundenen Tiere zur Vermittlung freigegeben werden dürfen, gibt es eine gesetzliche Sperrfrist. Diese beträgt zwei Monate. Das Tier muss also mindestens 60 Tage im Tierheim bleiben, bevor es an einen neuen Besitzer vermittelt werden darf.

Béatrice Kirn befürchtet, dass die Anzahl Findeltiere in Zukunft hoch bleiben oder gar noch zunehmen werde. Denn Tierhaltungen sowie die illegale Einfuhr von Tieren nehme grundsätzlich zu. «Neben der grossen Zahl von unüberlegten Neuanschaffungen von Tieren ist ein Anstieg von Phänomenen wie krankhaftes Sammeln von Tieren zu beobachten», wird Kirn in der Mitteilung weiter zitiert.

Schildkröten (hier: Bruni) werden auch oft gefunden und im Tierheim abgegeben.

Schildkröten (hier: Bruni) werden auch oft gefunden und im Tierheim abgegeben.

zvg/Stiftung TBB Schweiz

Setzt man ein Tier aus, verstösst man gegen das Tierschutzgesetz. Entsprechend reicht die Stiftung TBB Schweiz bei dem Verdacht, dass ein Tier ausgesetzt wurde, regelmässig Strafanzeige gegen unbekannt ein.

Mehr Katzen auch im Katzenheim

Ebenfalls einen Anstieg von Findeltieren verzeichnet das Katzenheim in Muttenz. Das Heim hat vor allem viele Jungkatzen bekommen oder Tiere, von denen man weiss, dass sie keinen Besitzer haben, da sie verwahrlost oder verwildert waren. «Dieses Jahr verzeichnen wir schon einen aussergewöhnlichen Anstieg an Katzen, die zu uns gebracht werden», sagt Joël Hofer, Teamleiter des Katzenheims auf Anfrage.

Auch die Zahl der Anfragen nach Katzen sei konstant hoch. Im Schnitt bleibt eine Katze, deren ursprüngliche Besitzer nicht ausfindig gemacht werden können, ein bis zwei Monate im Heim, bevor sie ein neues Zuhause findet. «Das ist nicht sehr lange», sagt Hofer. Das freue das Katzenheim zwar, allerdings kontrolliere man auch gut, ob es jeweils eine überlegte Entscheidung der Interessenten ist, sich eine Katze zulegen zu wollen.

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