Strafgericht Basel-Stadt
Es begann ganz banal: 25-Jähriger muss nach Streit mit Securitas-Mitarbeitenden ausreisen

Ein Algerier wollte kurz nach acht Uhr morgens etwas aus seinem Zimmer im Bundesasylzentrum in Basel holen. Als ihm dies verwehrt wurde, wurde er ausfällig gegenüber drei Securitas-Mitarbeitenden. Dafür musste er sich vor dem Strafgericht verantworten.

Silvana Schreier
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Das Bundesasylzentrum Bässlergut in Basel beherbergt Asylbewerbende, deren Asylgesuch noch in Bearbeitung ist. Es befindet sich an der deutschen Grenze, direkt neben dem Gefängnis.

Das Bundesasylzentrum Bässlergut in Basel beherbergt Asylbewerbende, deren Asylgesuch noch in Bearbeitung ist. Es befindet sich an der deutschen Grenze, direkt neben dem Gefängnis.

Bild: Nicole Nars-Zimmer

«Amar T.* konnte sich nicht an die Hausordnung des Bundesasylzentrums halten, darum sind wir hier.» Der Vorfall, der am Mittwochmorgen vor dem Basler Strafgericht verhandelt wurde, begann laut der Staatsanwältin sehr banal. Der Beschuldigte wollte nach acht Uhr morgens zurück in sein Zimmer. Diese sind wie die WC-Anlagen jedoch jeweils bis 11 Uhr geschlossen, da das Reinigungspersonal dann seine Arbeit erledigt.

Trotz der bekannten Hausordnung habe sich Amar T. in seinem Zimmer aufgehalten. Securitas-Mitarbeitende mussten ihn heraus bitten, heisst es in der Anklageschrift. Daraufhin soll der Beschuldigte eine Mitarbeiterin auf Arabisch beschimpft haben. Zwei weitere Sicherheitsangestellte eilten herbei, einer davon sprach auf Arabisch auf Amar T. ein.

Dieser soll sich weiterhin «sehr laut und sehr aggressiv» verhalten haben, schildert einer der Securitas-Angestellten vor Gericht. Amar T. sei vorher schon aufgefallen, habe viele Drogen genommen, sei aggressiv gewesen.

«Messer, Messer»

Die drei Sicherheitsmitarbeitenden führten den Angeklagten schliesslich über eine Aussentreppe ins Erdgeschoss. Unterwegs wurde bei Amar T. ein Teppichmesser bemerkt. «Messer, Messer», rief ein Securitas-Mitarbeiter. Dem Beschuldigten wurde die Hand hinter dem Rücken fixiert, sodass die Waffe zu Boden fiel.

Im sogenannten «Besinnungsraum» des Asylzentrums – eine Gummizelle – eingeschlossen, randalierte Amar T. schliesslich und stiess weitere Beschimpfungen sowie Bedrohungen auf Arabisch aus. Lediglich der Securitas-Angestellte, der zuvor das Messer entdeckte und vor Gericht aussagte, verstand Amar T.s Worte. Alle drei Sicherheitsbeamte stellten Strafantrag.

«Ich habe das Gefühl, dass die Securitas-Mitarbeitenden es auf mich abgesehen hatten. Es ging nicht um die Hausordnung, sie wollten mich schikanieren»,

sagt Amar T. vor Gericht auf Arabisch, ein Übersetzer steht ihm zur Seite. Der Beschuldigte betont mehrfach, er habe das Messer nicht einsetzen wollen. Sein Verteidiger ergänzt im Plädoyer: «Das Messer war stumpf. Im Polizeirapport ist ausserdem festgehalten, dass die Klinge des Teppichmessers nicht ausgefahren werden konnte. Also konnte dadurch keine Verletzung verursacht werden.» Eine versuchte schwere Körperverletzung, wie es die Anklage beschreibt, sei damit nicht gegeben, so der Verteidiger.

Strafgericht folgt Staatsanwaltschaft

Derweil argumentierte die Staatsanwältin, Amar T. «ist für die Allgemeinheit gefährlich, es könnte morgen auf der Strasse jeden von uns treffen», sollte er aus der Haft entlassen werden. Es sei von einer erhöhten Rückfallgefahr auszugehen.

Das Strafgericht sprach den Angeklagten schliesslich in mehreren Punkten schuldig. Gerichtspräsident Lucius Hagemann sagt:

«Die Version der Securitas-Mitarbeitenden scheint stimmig.»

Demgegenüber stünden die teils widersprüchlichen Aussagen des Beschuldigten. Amar T. sei «unnötig skrupellos und gefährlich» vorgegangen.

Einreisesperre für Europa

Amar T. wird zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt. Sechs davon muss er unbedingt absitzen, wovon er fast drei Monate bereits durch die Untersuchungshaft geleistet hat. Dazu kommt eine Geldstrafe von 900 Franken, eine Busse von 400 Franken – beides auf Bewährung – sowie ein sechsjähriger Landesverweis. Amar T. muss demnach die Schweiz nach drei weiteren Monaten Haft verlassen und darf den gesamten Schengen-Dublin-Raum während sechs Jahren nicht betreten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

* Name von der Redaktion geändert.