Strafgericht Baselland
Verurteilt wegen Gewaltdelikten: Schläger ging auf Gemeindepräsidenten los

Im Postauto geprügelt, bekifft Auto geschrottet, Feuerwerk gezündet: Ein notorischer Gesetzesbrecher wird zu teilbedingter Strafe verurteilt.

Patrick Rudin
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Der Beschuldigte übte Gewalt am damaligen Gemeindepräsidenten von Zeglingen.

Der Beschuldigte übte Gewalt am damaligen Gemeindepräsidenten von Zeglingen.

Bild: Archiv Kenneth Nars/DIV

«Seit Januar ist er zum ersten Mal in einem strukturierten Arbeitsumfeld tätig. Auch den Alkoholkonsum ist er angegangen, er ist auf einem guten Weg.» Das sagte Verteidiger Philippe Häner vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz über seinen Mandanten. Das Dreiergericht war skeptisch: Der 25-jährige Mann konnte lediglich eine Lohnabrechnung vom April 2021 einreichen, jedoch keinen Arbeitsvertrag.

Die Liste seiner Verfehlungen war lang: Im Januar 2018 klaute er zusammen mit seiner Freundin in Kilchberg und Rünenberg diverse Velos, um sie anschliessend verkaufen zu können. Im Mai 2018 manövrierte er mit Alkohol und THC im Blut seinen Opel in Kilchberg einen Abhang hinunter, wo er schliesslich stecken blieb. Einen Fahrausweis besass er nicht, die Kontrollschilder hatte er zuvor in Gelterkinden geklaut.

Gemeindepräsident wollte Sache selber regeln

Die Hauptvorwürfe betrafen allerdings den regelmässigen Gebrauch der Fäuste: Im Juli 2018 war der Mann im Postauto von Gelterkinden nach Zeglingen unterwegs, dort traf er einen Bekannten. Dessen Vater fand allerdings, dass der heute 25-Jährige einen schlechten Einfluss auf seinen Sohn habe und forderte ihn deshalb auf, den Sohn in Ruhe zu lassen. Die Antwort darauf bestand aus Kopfstössen und Ohrfeigen. Zwei Wochen später liess er beim Wasserfall im Gebiet Giessen bei Kilchberg Feuerwerk ab, allerdings war dies wegen Trockenheit gerade im ganzen Kanton verboten. Der damalige Gemeindepräsident von Zeglingen machte sich höchstpersönlich auf, um die Sache zu regeln. Nach einem kurzen Wortwechsel setzte der 25-Jährige Fäuste und Tritte gegen den Politiker ein.

Im Mai 2019 legte er sich schliesslich in Gelterkinden mit einem Autofahrer an. Vor Gericht wurde nicht so ganz klar, ob der Hund des 25-Jährigen ursprünglich frei auf der Strasse herumgetobt ist oder ob der Autofahrer sich einfach darüber ärgerte, dass der 25-Jährige den hinterlassenen Hundekot nicht beseitigte. Auch hier wurde der Angeklagte handgreiflich, der Autofahrer erlitt schliesslich einen Nasenbeinbruch sowie eine Gehirnerschütterung. Als die Anklageschrift bereits geschrieben war, sorgte der Mann erneut für Ärger: Im September 2020 kam es zu einer Prügelei bei einem Einkaufszentrum in Gelterkinden, auch hier schlug der 25-Jährige mit Fäusten zu und verteilte Ohrfeigen. Ein Mann erlitt dabei ein Schädel-Hirn-Trauma sowie einen Riss im Trommelfell.

Nichts, was man zu seinen Gunsten auslegen könnte

Das Dreiergericht fällte Ende vergangener Woche mehrere Schuldsprüche wegen versuchter und vollendeter Körperverletzungen, gewerbsmässiges Diebstahls, Drohung, Nötigung und weiterer Delikte. Aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens ging das Gericht zwar von einer leicht verminderten Schuldfähigkeit in Bezug auf die Gewaltdelikte aus, fand aber beim Angeklagten ansonsten nichts, was man zu seinen Gunsten hätte auslegen können.

Wenige Monate vor den ersten Taten hatte er eine bedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten kassiert, diese wird nun fällig und geht in einer Gesamtstrafe mit den neuen Delikten auf. Das Dreiergericht verhängte konkret eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Zwölf davon muss der Mann absitzen. Den Schuldspruch kann er noch weiterziehen.

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