Surprise
«Surprise» zündet die Sparflamme

600 Stellenprozent werden bei «Surprise» abgebaut, um auch 2011 noch erscheinen zu können. Probleme bereitet das Baselbieter Verbot, Asylsuchende als Verkäufer einzusetzen.

Daniel Aenishänslin
Merken
Drucken
Teilen

bz Basellandschaftliche Zeitung

«Finanziellen Schnauf haben wir leider nur bedingt», sagt Fred Lauener, Geschäftsführer des Strassenmagazins «Surprise», zu den unpopulären Massnahmen, die er treffen musste. Beinahe 40 Prozent der Arbeitskraft von 23 Mitarbeitenden werden künftig eingespart. «Davon betroffen sind alle Abteilungen», schreibt er in einer so genannten Hausmitteilung in der am Freitag erschienenen Ausgabe Nummer 235. «Den erforderlichen Abbau werden wir in den allermeisten Fällen mit Pensenreduktionen erreichen können.»

Genaue Zahlen zur Finanzlage nennt Lauener keine, spricht aber von «gravierenden Einbussen in den Kantonen Baselland und Zürich», wo sich «Surprise» traditionell gut verkauft. Diese rühren daher, dass seit Frühjahr Asylsuchende im Verfahrensprozess (Aufenthaltsstatus N) sowie vorläufig Aufgenommene (Status F) nicht mehr als Verkäufer auf der Strasse in Erscheinung treten dürfen (die Basellandschaftliche Zeitung berichtete).

«In den Kantonen Zürich und Baselland interpretieren die Behörden ihren gesetzlich möglichen Spielraum neuerdings zu unseren Ungunsten», schreibt Fred Lauener und ergänzt: «Sie haben ihre jahrelange liberale Praxis rigoros verschärft.» Am Freitag war lediglich Rudolf Schaffner vom Baselbieter Sozialamt für eine Stellungnahme erreichbar (siehe Kasten rechts).

Bereits im August erklärte Roman Zaugg, stellvertretender Leiter des Baselbieter Amts für Industrie, Gewerbe und Arbeit, der Bund habe klargemacht, eine Anerkennung des Beschäftigungsprogramms für die Strassenverkäufer von «Surprise» müsse explizit vorliegen, tue sie aber nicht. Marie Avet, Pressesprecherin im Bundesamt für Migration, sieht ausschliesslich die Kantone selbst gefordert, wie sie gegenüber dem «Sonntag» sagt: «Es obliegt den Kantonen, zu prüfen beziehungsweise zu entscheiden, ob der Strassenverkauf von «Surprise» im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms erfolgen kann. Der Bund hat hier kein Weisungsrecht gegenüber den Kantonen.»

Allerdings sagt Avet auch nicht, Zürich und das Baselbiet hätten sich falsch verhalten, als sie ihr Veto gegen einige der «Surprise»-Verkäufer eingelegt hatten: «Wenn dies ausserhalb eines genehmigten Beschäftigungsprogramms und ohne Bewilligung zur Erwerbstätigkeit erfolgt, wäre diese Verkaufstätigkeit gesetzeswidrig. Die möglichen Sanktionen sind im Schwarzarbeitsgesetz und der Verordnung dazu festgehalten.»

Weiter machen kann «Surprise» offenbar nur dank Spenden, Förderbeiträgen von Stiftungen und Firmen-Sponsoring. Der Eigenfinanzierungsgrad habe bis vor kurzem noch bei 75 Prozent gelegen. Dabei seien es gerade die Strassenverkäufer gewesen, die den grössten Deckungsbeitrag an die Kosten in die «Surprise»-Kasse brachten. Viele von ihnen seien nun in kurzer Zeit eben weggefallen, «mit schwerwiegenden Folgen für unser gesamtes Gefüge».

Trotzdem möchte Fred Lauener nun nicht über die beiden Kantone herziehen, «um das doch bestehende Vertrauen zwischen uns nicht unnötig zu strapazieren». Er hält nach dem Silberstreifen am Horizont Ausschau und versucht, der für «Surprise» schwierigen Situation etwas Gutes abzugewinnen: «Wir wollen kein Klagelied anstimmen, die Realität sieht so aus», sagt Lauener, «die gute Nachricht ist, dass es ‹Surprise› auch im nächsten Jahr noch geben wird.»