«Im Baselbiet haben Bildungsromatiker, namentlich der jetzige Bildungsdirektor und sein Vorgänger, unser gutes Schulsystem kaputtgemacht.» Mit dieser Spitze gegen SP-Regierungsrat Urs Wüthrich und Vorgänger Peter Schmid hat Dieter Spiess gestern die «SVP-Familie» aus dem ganzen Land zum Sonderparteitag begrüsst. Damit lenkte der Kantonalpräsident der Baselbieter SVP zugleich auf das Thema. In der vollen Dreifach-Turnhalle der Liestaler Kaserne befasste sich die SVP intensiv mit der Volksschule.

Rund 500 Mitglieder und Interessierte, alle um die Volksschule besorgt, verabschiedeten gestern einen Forderungskatalog und stellten zudem dem Lehrplan 21 eine Alternative entgegen. 15 Punkte fordert die SVP. So soll etwa das Volk wieder über die Volksschule entscheiden, was klar gegen die Eidgenössische Erziehungsdirektoren-Konferenz (EDK) gerichtet ist.

Retroprogramm

Die Volksschule soll zum Klassenlehrer-System zurückfinden. Lesen, Schreiben und Rechnen sind wieder die primären Fertigkeiten, Mundart im Kindergarten, Kindererziehung zurück an die Eltern, weg vom integrativen Unterricht und der «Gleichmacherei». Von den Lehrern wird mehr Leidenschaft, von den Schülern mehr Leistungsbereitschaft gefordert.

Mit anderen Worten soll ein klares Retro-Programm die Volksschule aus der Krise retten, «die mit den Händen zu greifen ist», wie SVP-Rechtsaussen Ulrich Schlüer sagt. Der Zürcher SVP-Nationalrat leitet bei der SVP die Gruppe «Volksschule», dank der die Partei in der nationalen Bildungspolitik gerne die klare Führung übernehmen möchte.

In Liestal ging wohl bereits der zweite Bildungs-Parteitag der SVP über die Bühne, erstmals aber wurde so klar und vehement eine Rückkehr - auch zu föderalistischen Strukturen - gefordert, eine späte Antwort auf Harmos. Applaus erntete Schlüer mit seinen Forderungen, sobald das Stichwort «Familie» fiel; oder mit Sätzen wie diesen: «Der Multi-Kulti-Nivellierungswahn im Klassenzimmer muss verschwinden. Er verhindert Leistung.»

Lauten Beifall gab es auch für seine Forderung «Formulare in den Papierkorb, Lehrer vor die Klasse» - selbst Martin Rüegg pflichtete ihm hier bei. Dem Präsidenten der Baselbieter SP und Gymnasiallehrer, auf Einladung eines Mediums Zaungast in Liestal, ist die zunehmende Bürokratie ein Dorn im Auge. «Doch sie betrifft alle Lebensbereiche.» Rüeggs Fazit zu den SVP-Vorschlägen: «Diese Partei verschliesst die Augen vor den heutigen Realitäten und möchte zurück in die Zeit vor 1968.»