Mit Pauken und Trompeten kündigte Swiss-CEO Harry Hohmeister am 20. Januar 2011 einen massiven Kapazitätsausbau am Euro-Airport Basel-Mulhouse (EAP) an. «Das wird keine Testveranstaltung, sondern ein langfristiges Engagement. Wir werden im Markt Basel viel bewegen», sagte Hohmeister damals zur bz.

Zwölf Monate später sind die hochtrabenden Pläne der Swiss Makulatur. So macht die Swiss auf den Sommerflugplan hin einen Grossteil der 2011 realisierten Erweiterung am EAP wieder rückgängig: Die Destinationen Manchester und Kopenhagen werden «aufgrund der Nachfragesituation» vollends gestrichen, die Verbesserungen auf der Linie Basel-Rom zurückgenommen.

Darüber hinaus fällt Budapest aus dem Streckenplan. Wegen des Verkaufs der Swiss-Schwester British Midland International (BMI) durch Mutter Lufthansa fliegt die Swiss in London künftig City anstatt Heathrow an. Total streicht die Swiss laut Sprecherin Sonja Ptassek 26 von 78 Flügen pro Woche, was einem Abbau von einem Drittel des Basler Angebots entspricht. Laut EAP-Sprecherin Vivienne Gaskell verliert der EAP 100 000 Passagiere.

EAP ist überrascht und enttäuscht

«Es ist nicht das eingetroffen, was die Swiss vor einem Jahr angekündigt hat», kommentiert Gaskell. Der letzte Woche bekannt gegebene Abbau habe den Flughafen in diesem Ausmass überrascht, räumt Gaskell ein. So sind auf dem erst am 21. Januar publizierten provisorischen Sommerflugplan die Destinationen und Flüge der Swiss, die nun gestrichen werden, immer noch aufgeführt.

Inhaltlich kann Gaskell unter anderem die Streichung von Budapest nicht nachvollziehen: «Wir sehen hier eine Nachfrage. Die Stadt ist beliebt.» Komme hinzu, dass die Swiss bei Basel-Budapest alleinige Anbieterin sei. Der Flughafenwechsel in wird von der Swiss als Gewinn verkauft: Für Geschäfts- und Freizeitreisende seien die neuen Verbindungen zum stadtnahen Flughafen London-City attraktiv - auch wegen der Hin- und Rückflugzeiten.

Beim EAP beurteilt man den Wechsel von Heathrow zu City kritischer: «Die Kapazitäten für unsere Top-Destination werden sinken.» Heathrow sei durch BMI mit grösseren Flugzeugen angeflogen worden, als dies künftig auf der Linie Basel-London-City der Fall sein werde.

Swiss mit Lufthansa Nummer zwei

Mit den Streichungen sinkt der Marktanteil der Swiss am EAP von 6 Prozent Ende 2011 auf 4 Prozent. Platzhirsch Easyjet befördert mit einem Marktanteil von 46 Prozent rund zehnmal mehr Passagiere. Der Kapazitätsabbau bei der nationalen Airline sei «schade, aber kein Weltuntergang», kommentiert Claus Wepler, Generalsekretär des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU).

Der Aderlass der am EAP ehemals dominierenden nationalen Airline habe bereits zwischen 2003 und 2005 stattgefunden. «In den letzten Jahren dümpelte die Swiss in Basel eher vor sich hin.» Allerdings biete Swiss für den Standort Basel punktuell wichtige Verbindungen mit einer hohen Netzwerkqualität an, fügt Wepler an. Gemeinsam mit Mutter Lufthansa bleibt die Swiss am EAP vorerst klar die Nummer zwei. Fragt sich bloss: Wie lange noch?