Basler Herbstmesse

«Tagada»-Schüttelbecher wieder mit auf Basler Herbstmesse dabei

Nach einem Jahr Pause zieht der Schüttelbecher «Tagada» wieder massenhaft Jugendliche in seinen Bann. Besitzer Chrigel Ramsauer krönt denjenigen, der es am längsten in der Mitte des Bechers aushält zum König.

Christian Ramsauer ist Schausteller mit Herz und Seele. Und als solcher pflegt er Traditionen. Er sei kein Speaker, sagt er, Nein, er sei ein Recommandeur. Das ist die Person, die bei einem Fahrgeschäft die Masse bei Laune hält. Und «Chrigel», wie ihn seine Kollegen nennen, hält die Masse bei Laune. Er ist die Stimme der «Tagada» auf der Kaserne, auch Schüttelbecher genannt. Nirgends auf der Mäss hat es mehr Schaulustige als vor dem hopsenden Teller. Und nirgends ist die Konzentration an Lederjacken, Nike-Air-Max-Schuhen und Wasserstoff-Blondinen höher.

Ramsauer ist aber nicht nur Recommandeur. Er ist auch Königsmacher. Denn wer es am längsten in der Mitte «seines» Bechers aushält, ohne weggeschleudert zu werden, ist König - für drei Franken und drei Minuten: So lange dauert eine Fahrt. Dann folgt der nächste König. Oder eine Königin. Denn immer mehr Frauen trauen sich ins Auge des Sturms.

Samstagnachmittag, die Sonne scheint, es ist warm - bestes Herbstmessewetter. Ramsauer sitzt in seinem Kabäuschen, die Sonnenbrille montiert. Vor ihm ein Schaltpult mit einem Dutzend Knöpfen, auf denen «Rütteln», «Drehen» oder «Blitzlicht» steht. 7500 Kilowattstunden Strom verbraucht sein kleines Monster in zwei Wochen Herbstmesse. So viel wie ein Einfamilienhaus in einem Jahr.
Jetzt geht sein Mund zum Mikrofon: «Willkommen auf Europas geilster Teenie-Maschine.» Pause. «Ruck-Zuck, Zack-Zack - bald gibts was auf den Sack.» Pause. «Jetzt kriegt ihr auf den Hintern, dass ihr morgen nicht mehr sitzen könnt!» Der 49-jährige Stadtzürcher macht seine Durchsagen auf Hochdeutsch. «So meinen die Leute, wir kämen von auswärts», meint er mit einem Schmunzeln. «Dabei sind wir zu hundert Prozent schweizerisch.»

Nach einem Jahr Pause wieder zurück

Vergangenes Jahr fehlte der Becher. Nach fünfzehn Jahren ohne Unterbruch verweigerte ihm das Präsidialdepartement den Standplatz. Und die «Tagada» wurde vermisst. «Sie fehlt mir irgendwie», war in einem Internet-Forum zu lesen. Warum erhielt Ramsauer keine Bewilligung? Spielten die Platzverweise eine Rolle, die in den Vorjahren auf der Kaserne ausgesprochen worden waren? «Nein», wiegelt Daniel Arni, Leiter der Fachstelle Messen und Märkte Basel-Stadt, ab, «es war schlicht Zeit für einen Wechsel.» Das Amt gehe nach einem Rotationsprinzip vor, begründet Arni den Entscheid, «jedes Jahr wird von neuem entschieden, welche Fahrgeschäfte kommen dürfen und welche nicht.»

Auf die Probleme mit den Jugendlichen angesprochen, reagiert Ramsauer gelassen: «Sind wir doch ehrlich: Meine Kundschaft besteht aus jungen Migranten. Wir bieten ihnen eine Showbühne, und wenn die Post abgeht, können sich schon mal kleine Streitigkeiten anbahnen. Aber wir hatten die Leute immer im Griff.» Trotzdem hat er für die diesjährige Herbstmesse vorsorglich zwei Securitys engagiert - ein Widerspruch? An diesem Nachmittag haben sie jedenfalls nichts zu tun. Auch in den Tagen zuvor nicht, bekräftigt Ramsauer. Und er erhält Rückendeckung vom Basler Polizeisprecher Klaus Mannhart, ganz allgemein sei die Messe bisher «sehr ruhig» verlaufen: «Es hat sich offenbar herumgesprochen, dass wir vor Ort sind.»

«Maschine Stopp - aus - Raus!», ruft Ramsauer. Das Gitter öffnet sich, die Fahrgäste steigen aus, von der anderen Seite her strömen neue Schüttelwillige auf die Bahn.
Im vergangenen Jahr liess Ramsauer den Stern ersetzen, der zuoberst auf der Bahnrückwand prangte. Jetzt leuchtet dort eine Krone. «Das passt einfach besser zu uns», sagt er - und drückt immer wieder auf den «Drehen»-Knopf. Die Schüssel beginnt zu rotieren. In knapp drei Minuten wird sie einen neuen König ausspucken.

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