Bauprojekt

Tauziehen um das Aussehen der Fassade: Die Kosten schiessen in die Höhe, der Turm nicht

So könnte der neue «Domus»-Turm dereinst aussehen.

So könnte der neue «Domus»-Turm dereinst aussehen.

Die Liebrüti-Siedlung in Kaiseraugst soll durch einen Neubau aufgewertet werden. Der geplante Termin für einen Erstbezug des Turm «Domus» würde sich damit ins Jahr 2024 verschieben.

Eigentlich müsste «Domus» schon längst in die Höhe wachsen. Doch das Baugesuchsverfahren für den markanten Neubau und Neugestaltung des Liebrüti-Zentrums zieht sich wie Kaugummi in die Länge. Eingereicht auf der Gemeinde Kaiseraugst wurde das Baugesuch im Oktober 2018. Noch während der Auflage im August 2019 rechnete Liebrüti-Miteigentümer Thomas Götz mit einem Baustart spätestens Anfang 2020. Nun sagt Götz, dass der Baustart für die 125 Wohnungen frühestens im Frühling 2021 erfolgen könnte. Der Termin für einen Erstbezug des rund 72 Meter hohen Turms würde sich damit ins Jahr 2024 verschieben.

Sechs Einwendungen sind gegen das Projekt eingegangen. Diese machten neben vier Privatpersonen der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) und der Heimatschutz Aargau geltend. «Wir haben drei private Einwender persönlich empfangen, VCS und Heimatschutz schriftlich abgeholt. Bisher konnte jedoch keine Einsprache bereinigt werden», so Götz. Die ganze Situation ist für ihn unbefriedigend. «Derzeit liegt das Zentrum brach. Davon haben weder Bewohner, Gemeinde noch wir etwas.»

Tauziehen um das Aussehen der Fassade

Verwundert ist der Bauherr darüber, dass der Gemeinderat die Einsprachen des Heimatschutzes und jener Privatpersonen, die sich auf das fehlende Fassadenkonzept beziehen, nicht schon längst abgewiesen hat. So erklärte Gemeindepräsidentin Françoise Moser während der Baugesuchsauflage, dass vorgesehen sei, eine Rahmenbaubewilligung mit Auflagen zu erteilen, um der Bauherrschaft Planungssicherheit zu geben.

Götz greift diesen Punkt kritisch auf. Farbgestaltung und Fassadenkonstruktion müsse man bei einem solch komplexen Projekt erst nach der Rahmenbaubewilligung angehen – gerade wegen der benötigten Planungssicherheit. Nun würde jedoch ein detailliertes Fassadenkonzept zur Voraussetzung der Baubewilligung.

Konkret geht die Gemeinde nicht auf diese Kritik ein. Gemäss Gemeindepräsidentin Moser habe sich nach der baurechtlichen Prüfung zusammen mit einem externen Fachbüro gezeigt, dass seitens der Bauherrschaft noch ein gewisser Handlungsbedarf bestehe. «Sobald der Gemeinde die bereinigten Unterlagen vorliegen, können die Einwendungen abgehandelt und das Baugesuch auf Basis der gesetzlichen Bestimmungen bewilligt werden», sagt Moser. Sie zeigt sich zuversichtlich, dass dies bald geschehen werde.

Ziel der Bauherrschaft ist es, die Punkte der Fassadenkonstruktion und der Farbgestaltung mit der Gemeinde und einem externen Fachexperten bald zu besprechen. Götz hofft dann auf grünes Licht von der Gemeinde. Er schätzt, dass der Bau wegen Verzögerungen und baulichen Anpassungen, die umgesetzt werden müssen, ein Viertel teurer zu stehen kommt. Veranschlagte die Bauherrschaft im Gesuch noch 57 Millionen Franken, geht Götz nun von rund 70 Millionen Franken aus. Unter anderem erhöht sich die Regelhöhe der Geschosse um 10 Zentimeter auf 2,60 Meter, was Mehrausgaben von rund einer Million Franken allein für den Beton entspricht. «Anders als geplant und damals von der Gemeinde kommuniziert, sind zudem 125 Keller notwendig, für die ein weiteres Zwischengeschoss erstellt werden muss», so Götz. Dies schlägt mit weiteren 1,5 Millionen Franken zu Buche.

Die Ungewissheit in Sachen Baustart erschwert auch die Suche nach einem Nachmieter für Migros, die als Ankermieterin des Zentrums ihre Filiale im Mai geschlossen hat. Gespräche mit potenziellen Nachfolgern hätten stattgefunden. Obwohl der Baustart noch ungewiss ist, sind bei Astrid Styger, Geschäftsleiterin bei der Immobilienverwalterin Varioserv AG, bereits rund zehn Bewerbungen für die Wohnungen im «Domus» eingegangen. Dies sei ein erster Indikator, dass die Wohnungen vom Markt gut aufgenommen würden – wenn sie denn dereinst stehen.

Autor

Dennis Kalt

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