Seit einer Woche vermessen, beschreiben und fotografieren Grabungsleiter Jan von Wartburg und sein Team die Fundstelle eines Teils der römischen Wasserleitung auf der Wiese vor dem Liestaler Alters- und Pflegeheim Brunnmatt. Schon am ersten Grabungstag kam 60 Zentimeter unter der jetzigen Erdoberfläche ein Teil des längsten römischen Bauwerks der Schweiz zum Vorschein.

Schon 1999 wurde auf der benachbarten Parzelle ein Teilstück der Leitung entdeckt, daher vermutete die Archäologie Baselland auch auf jenem Grundstück, wo das Altersheim seinen Erweiterungsbau plant, den weiteren Verlauf. «Wir haben die jetzige Grabung gleich im Anschluss an die frühere vorgenommen», sagt denn auch von Wartburg.

Was die vier Mitarbeiter der Archäologie Baselland auf den bisher freigelegten 20 Metern entdeckt haben, lässt sie jedoch keine Freudensprünge machen. Von Wartburg: «Von der Wasserleitung sind nur 60 bis 70 Zentimeter des Fundaments sowie Ansätze der Seitenwände erhalten. Das Gewölbe ist nicht mehr vorhanden. Wahrscheinlich ist dieses durch nachrömische Erosionen zerstört worden.»

Exakter Verlauf verfolgbar

Trotzdem sind die Grabungen für die Archäologen von Interesse. Sie wissen nun, in welchem Zustand die Wasserleitung auf der entsprechenden Parzelle ist und können den exakten Verlauf einzeichnen, der in groben Zügen schon vorher bekannt war. Noch müssen weitere 25 Meter auf der Parzelle freigelegt werden. Dort sieht es laut von Wartburg ganz danach aus, dass die Leitung schon völlig durch Wasser- und Erdverschiebungen zerstört wurde. Die Leitung ist damit nur auf der Hälfte des Grundstücks erhalten.

Was mit der Fundstelle nach den Grabungen passiert, ist bereits entschieden. Weil sie laut Kantonsarchäologe Reto Marti «zu wenig speziell» ist, wird sie nicht erhalten. Bei den ersten Aushubarbeiten durch die Baufirma werden die Fachleute noch vor Ort sein, um mögliche weitere Entdeckungen unter dem Fundament der Wasserleitung aufzunehmen. Mehr ist nicht geplant. Marti begründet diesen Entscheid mit weiteren Fundstellen, wo die Wasserleitung besser erhalten und gar für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, etwa beim «Heidenloch» in Liestal.

Durch die Grabungsarbeiten, die noch bis Mitte Januar 2011 andauern, wird der Start des Erweiterungsbaus nicht verzögert, wie Marti betont. Für die «Brunnmatt»-Stiftung entstehen auch keine Kosten. Die Archäologie Baselland prüft alle Baugesuche auf den archäologischen Hintergrund. Weil Funde im Interesse der Öffentlichkeit sind, übernimmt der Staat bei Grabungen die Auslagen.