Ausstellung

Tierische Blicke im Naturhistorischen Museum

Die «Tierblickmaschine» von Klara Hobza zeigt, wie Tiere uns Menschen sehen.

Heiliger Hofmann! Ein Foto wie ein LSD-Trip: der Hals in die Länge gezogen, die Haut in allen Regenbogenfarben schillernd, eine purpurne Corona um den Kopf. Wirklich, ich habe schon gesünder ausgesehen als auf dieser Aufnahme. Aber wer macht sich bloss so ein kunterbuntes Bild von mir?

Wie Menschen Tiere sehen, ist einfach: auf dem Teller, an der Leine – oder gar nicht. Gerade in freier Wildbahn fehlt uns oft die Zeit für die Tierwelt. Der sportliche Ehrgeiz auf dem Mountainbike ist zu gross, die Geduld zu klein.

Auftritt Wildlife Photographer of the Year: Der Naturfotowettbewerb, der seit 1965 jährlich durchgeführt wird, zeigt seine besten Bilder auch im Naturhistorischen Museum Basel. Ziel der Ausstellung sei es, dem Publikum die Schönheit und Verletzlichkeit der Natur in Erinnerung zu rufen.

Auch Wahrheit muss erfunden werden

In den Bann ziehen vor allem Aufnahmen, die das Tierreich von seiner spektakulärsten Seite zeigen. Auf dem diesjährigen Siegerbild etwa macht sich ein Fuchs über ein Murmeltier her. Ein Nilpferdbulle zerkaut ein Junges, ein Frosch klemmt zwischen den Kiefern einer Schlange, beide Augenpaare mit den geschlitzten Pupillen seltsam ausdruckslos. «A Bite to Eat» heisst es in der Bildlegende dazu, einen Happen zu essen: An den perfekt kadrierten, ausgelichteten und inszenierten Dramen können wir uns kaum sattsehen.

Wie aber sehen Tiere uns Menschen? Auftritt Klara Hobza: Im Eingangsbereich des Naturhistorischen Museums Basel hat sie eine ganz besondere Fotokabine installiert. Ausgehend von ihrer wissenschaftlichen Lektüre zur optischen Wahrnehmung hat die Berliner Künstlerin eine «Tierblickmaschine», den «Animaloculomat», entwickelt.

Bedient wird der Automat wie eine reguläre Fotokabine. Der Drehstuhl wird auf die richtige Höhe gebracht, eine Ein-Euro-Münze eingeworfen und die gewünschte Perspektive ausgesucht. Zur Auswahl stehen Fledermaus, Pferd, Drachenfisch, Springspinne, Tintenfisch – und Schlange! Ihre Fähigkeit, mittels spezieller Sinnesorgane Temperaturunterschiede registrieren zu können, lässt das Foto psychedelisch erstrahlen.

Hobzas vergnügliche Rekonstruktion tierischer Sichtweisen ist natürlich nur eine künstlerische Annäherung. Aber sie hat nicht umsonst bei Regisseur Werner Herzog Film studiert. Dessen Credo: Wahrheit ist eine Erfindung.

Animaloculomat, Naturhistorisches Museum Basel, bis 19. 3.

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