Tinguely ahoy
Logbuch- Eintrag 3: Flaschenpost mit Herz auf der MS Evolutie

Das Ausstellungsschiff des Museum Tinguely hat in Antwerpen für seine Weiterfahrt fantasievolle Briefe geladen.

Michael Gasser
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Zwei Gruppen jugendlicher Flüchtlinge konnten an Bord begrüsst werden.

Zwei Gruppen jugendlicher Flüchtlinge konnten an Bord begrüsst werden.

Museum Tinguely

Seit Sonntag ankert die MS Evolutie, die seit Ende Juni unter dem Titel «Museum Tinguely Ahoy!» unterwegs ist, im niederländischen Maastricht. Noch hallen die Erinnerungen an Antwerpen nach, wo das Schiff vergangene Woche planmässig einen Halt einlegte und sowohl zur Ausstellung als auch zu den Workshops lud. Letztere sollen den Besucherinnen und Besuchern eine partizipative Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Universum von Jean Tinguely ermög­lichen.

Umso erfreulicher, dass die Vertreterin der Kunstvermittlung des Museums, Sarah Stocker, gleich an beiden Öffnungstagen je zwei Gruppen jugendlicher Flüchtlinge begrüssen konnte, die aktuell an der Marco-Polo-Schule die Landessprache erlernen, um sich dadurch so rasch wie möglich in Belgien zu integrieren.

Mehrere Kisten Flaschenpost berichten von früheren Stationen.

Mehrere Kisten Flaschenpost berichten von früheren Stationen.

Museum Tinguely

Die Jugendlichen besuchten die MS Evolutie im Rahmen eines Sommerprogrammes der Organi­sation «stadsklap» – und auf Einladung des Kreativateliers Boslabs des Antwerpener Künstlerhauses Het Bos. «Obschon die Minderjährigen erst seit kurzem hier leben, sprachen sie bereits Flämisch – ganz im Gegensatz zu mir», erzählt Sarah Stocker. Wie einst Tinguely, der als passionierter Briefschreiber galt, nutzten die Jugendlichen die Gelegenheit, um beim «Flaschenpost»-Workshop fantasievolle Briefcollagen und -zeichnungen zu kreieren.

Ein Brief mit prächtiger Palmenzeichnung

So verfasste eine junge Ghanaerin einen «Letter of happiness», in dem sie zum Ausdruck bringen wollte, wie glücklich sie sich schätzt, diesen Nachmittag an Deck der MS Evolutie verbringen zu dürfen. Ein weiteres Flüchtlingsmädchen gestaltete einen Brief mit prächtiger Palmenzeichnung.

Die Briefe sind oft liebevoll gebastelt.

Die Briefe sind oft liebevoll gebastelt.

Museum Tinguely

Nach dessen Fertigstellung wurde dieser zusammengerollt und in eine Flasche gesteckt. Zuvor durfte sie dieser noch – so das Prinzip des Workshops – gespannt einen jener Briefe entnehmen und lesen, der auf einem früheren Streckenabschnitt entstanden war. Zum Vorschein kam ein gemaltes Herz, auf dem in grossen Lettern das Wort «Love» stand. Sehr zum Vergnügen der strahlenden Jugendlichen.

Eine Episode, die aufzeigt, wie bereichernd es sein kann, sich mit anderen Menschen und fremden Kulturen auseinanderzusetzen. Jean Tinguely hätte seine helle Freude daran gehabt.

Die bisherigen Logbuch-Einträge von «Tinguely Ahoy»

Im Wochenrhythmus begleitet die bz die Stationen der MS Evolutie.
www.mtahoy.com

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